„Bremen zur See“: Die Ambitionen des Borgward-Konzerns auf und unter Wasser

Geheime Rüstungsprojekte

Der „Seeteufel“ war ein Zweimann-Unterseeboot mit zusätzlichen Gleisketten, das in den Werkshallen von Borgward gefertigt werden sollte. - Foto: Archiv Peter Kurze

Bremen - Von Ulf Kaack. Weltbekannt wurde der Borgward-Konzern durch den Bau von Autos und Lkw. Mit der Entwicklung des Mehrzweckhubschraubers „Kolibri“ schickte sich das Unternehmen Ende der 50er Jahre an, den Himmel für sich zu erobern. Auch auf und unter dem Wasser zeigten sich die Bremer Automobilpioniere im Rahmen von Rüstungsaufträgen ambitioniert, wie der heutige Teil unserer Reihe „Bremen zur See“ zeigt.

Dass Borgward auch auf hoher See Präsenz zeigte, ist landläufig kaum bekannt. Kein Wunder, handelte es sich doch um strenggeheime Rüstungsprojekte. In der zweiten Hälfte des Jahres 1940 begann im Auftrag der Kriegsmarine in den Werks-hallen die Produktion von Torpedos. Exakt 10 029 dieser tödlichen Waffen entstanden bis zum 12. Oktober 1944, als ein amerikanischer Bombenangriff die Borgward-Produktion in Hastedt und Sebaldsbrück vollständig zum Erliegen brachte.

Im März 1944 erfolgte die Gründung der Kleinkampfverbände der Kriegsmarine unter dem Kommando von Konteradmiral Hellmuth Heye. Ziel dieser minimalistischen Waffengattung war es, dem Gegner mit geringstem personellem Einsatz und effektiven Waffen einen größtmöglichen Schaden zuzufügen. Dafür kamen Kleinst-U-Boote und bemannte Torpedos, Sprengboote sowie Kampfschwimmer zum Einsatz. Im Frühjahr 1944 entstand bei den Borgward-Werken das Klein-Schnellboot Typ „Schlitten I“, konstruiert in spantenloser Schalenbauweise aus Stahlblech. Mit Hilfe der vorhandenen Karosseriepressen hätten die nur 7,5 Meter langen Boote schnell und vor allem in hoher Stückzahl hergestellt werden konnte, so die Idee.

Bewaffnet war der „Schlitten I“ mit zwei beidseitig außenbords montierten Torpedos vom Typ G7. Als Antrieb diente ein 90 PS starker Otto-Motor. Die Reichweite betrug 300 Seemeilen. Die Erprobungsfahrten enttäuschten, da der Motor zu schwach war und die Geschwindigkeit nur zwölf Knoten betrug. Es wurde ein zweiter Prototyp – der „Schlitten II“ – konstruiert und gebaut, der mit 8,5 Metern Länge deutlich bessere Seeeigenschaften aufwies. Durch Verwendung eines 600 PS starken Flugzeugmotors wurde außerdem eine mit maximal 48 Knoten deutlich höhere Geschwindigkeit erzielt. Im Winter 1944/45 wurde das Projekt schließlich zugunsten des parallel entwickelten Torpedoschnellboots „Hydra“ eingestellt.

Im Sommer 1944 wurde innerhalb von nur vier Monaten das amphibische U-Boot „Seeteufel“ in der Torpedoversuchsanstalt Eckernförde konstruiert und ein Prototyp gebaut. Neben dem konventionellen Antrieb mittels einer Schraube verfügte das Zweimann-U-Boot über Gleisketten, mit denen es sich an Land und auf dem Meeresboden bewegen konnte. Trotz seines Gewichts von 18 Tonnen erfüllte der „Seeteufel“ bei den Erprobungen die in ihn gesetzten Erwartungen. Als Antrieb diente ein 80 PS-Dieselmotor, unter Wasser sorgte eine E-Maschine von AEG mit 25 PS für Vortrieb. Der „Seeteufel“ war 13,5 Meter lang.

Die maximale Tauchtiefe lag bei 25 Metern. Als Primärbewaffnung waren zwei Torpedos oder vier Seeminen vorgesehen, für den Eigenschutz ein Maschinengewehr oder Flammenwerfer.

Die Serienfertigung sollte Borgward übernehmen. Der Auftrag über zunächst drei Boote sowie ein Folgeauftrag über weitere 20 Einheiten mit stärkerem Antrieb waren bereits erteilt. Jedoch wurde keiner der georderten „Seeteufel“ mehr vor Kriegsende fertiggestellt.

Unsere Serie

Eng verbunden ist die Hansestadt Bremen seit Jahrhunderten mit der Schifffahrt. In unserer Reihe „Bremen zur See“ berichten wir über das maritime Erbe der Hansestadt, über Schiffe, Werften und Reedereien von der Weser.

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