Ein Jahr nach dem Erdbeben: Aman Bhattarai hofft auf bessere Zukunft

In Gedanken in Nepal

Aman Bhattarai stammt aus Nepal und studiert an der Jacobs-Universität. Er möchte seinem Land, das vor einem Jahr durch ein Erdbeben schwer getroffen wurde, helfen. - Foto: Jacobs University

Bremen - Es waren Bilder, die um die Welt gingen. Bilder von Trümmerbergen. Bilder von Verletzten, die aus den Überresten ihrer Häuser geborgen wurden. Bilder von hilflosen Menschen, die von einem Moment auf den nächsten obdachlos geworden waren. Heute ist es ein Jahr her, seit ein verheerendes Erdbeben Nepal erschütterte, ein zweites Beben folgte am 12. Mai. 8 900 Menschen starben, 600 000 Häuser wurden zerstört, darunter viele Schulen. Aman Bhattarai, nepalesischer Student an der Jacobs-Universität in Grohn, hatte seinerzeit eine spontane Hilfsaktion initiiert.

Der Wiederaufbau, sagt er, ist jedoch nicht die einzige Herausforderung, der sein Heimatland sich stellen muss. „Es war schrecklich, diese Bilder aus meiner Heimat zu sehen“, erinnert sich Aman Bhattarai. Der 24-jährige Nepalese studiert „International Logistics Engineering & Management“ an der Jacobs-Uni. Noch ein Jahr vor dem Beben hatte er seine Eltern in Kathmandu besucht. Als er sie nach dem Beben am Telefon erreichte, war seine Erleichterung groß. Seine Mutter und sein Vater hatten Glück im Unglück gehabt: Zehn Tage lang mussten sie aufgrund von Räumarbeiten in einem Zelt übernachten, dann konnten sie in ihr Haus zurückkehren.

Doch Aman ließ das Gefühl nicht los, den Erdbebenopfern in seiner Heimat helfen zu müssen. Auch vielen seiner Kommilitonen ging es ähnlich. Fast 40 der insgesamt 1 200 Studenten an der Jacobs-Uni stammen aus Nepal. „Wir kennen uns gut“, sagt Aman.

Er und viele seiner Kommilitonen halten von Bremen aus auch Kontakt zu Landsleuten, die vor ihnen in Grohn studiert haben. Einige dieser Absolventen arbeiten inzwischen wieder in Nepal und benachbarten Ländern und hatten sich nach dem Erdbeben spontan entschlossen, Opfern in den betroffenen Regionen zu helfen. Mit Hilfe von Kommilitonen und Mitarbeitern der Uni rief Aman eine Spendenaktion ins Leben. 10 000 Euro kamen zusammen. Mit dem Geld konnten betroffene Familien mit Zelten, Nahrungsmitteln sowie Baumaterialien für den Wiederaufbau von Häusern unterstützt werden.

Auch, wenn er seit fünf Jahren 6 500 Kilometer von seiner Heimat entfernt lebt, ist Aman in Gedanken oft dort – und das nicht erst seit den verheerenden Erdbeben. Oft frage er sich, wie das Land einen Weg in eine bessere Zukunft finden könne. „Nepal braucht dringend stabile politische Verhältnisse und weniger Bürokratie“, sagt er. Ähnlich äußern sich auch Hilfsorganisationen. So monierte Caritas International vor wenigen Tagen, dass es Hilfsorganisationen bislang aufgrund staatlicher Vorgaben nicht erlaubt war, Erdbebenopfer beim Hausbau direkt zu unterstützen. Erst nach intensiven Verhandlungen seien diese Restriktionen ein wenig gelockert worden. Seither dürften Hilfsorganisationen Erdbebenopfer bis zu einer Höchstgrenze von rund 2 500 Euro unterstützen. Dies sei jedoch keine wirkliche Erleichterung, da der Bau eines erdbebensicheren Hauses mindestens 4 500 Dollar koste, so Caritas International. Armen Familien bleibe so der Zugang zu einem sicheren Dach über dem Kopf verwehrt.

Aman Bhattarai war es denn auch wichtig, dass er und seine Kommilitonen auf privatem Weg Hilfe organisieren und so die bürokratischen Umwege vermeiden konnten. Er selbst stammt aus einer vergleichsweise privilegierten Familien: Sein Vater arbeitet in der Logistik-Branche, die Mutter als freie Publizistin. Auch sein jüngerer Bruder Ashmin studiert mittlerweile an der Jacobs-Uni. Äußerlich gesehen wäre es für Aman ein Leichtes, sich von den widrigen Umständen in seiner Heimat zu distanzieren. Das Studium in Grohn hat ihm, wie er sagt, viele Türen geöffnet. Sicher, am Anfang sei es schwierig gewesen, sich in einem fremden Land zurechtzufinden. „Ich konnte ja kein Wort Deutsch. Der Campus war mir zwar schnell vertraut. Aber sobald ich das Uni-Gelände verlassen habe, fühlte ich mich unsicher“, erinnert er sich. „Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass es den Kommilitonen, die kein Deutsch sprachen, genauso ging. Das hat etwas sehr Verbindendes.“

Mit jungen Leuten aus rund 100 verschiedenen Ländern auf einem Campus zu studieren und zu leben, habe seinen Blick für Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zwischen unterschiedlichen Kulturen geschärft. Schon während des Studiums hat er nebenbei als Analyst in Unternehmen wie Lufthansa Cargo oder Arcelor Mittal gearbeitet. Seine Abschlussarbeit schreibt er zur Zeit bei Amazon in München.

Sein Wunsch ist es, einen Beitrag zu einem wirtschaftlichen Aufschwung in Nepal zu leisten. Aman möchte für sein Land werben. Er glaubt, dass seine Landsleute schon viel Ausdauer beweisen mussten und die Chance auf eine bessere Zukunft verdient haben. „Ich möchte irgendwann nach Nepal zurückkehren und dort Arbeitsplätze schaffen. Das ist mein festes Ziel.“

vd

Infoveranstaltung: Zugang zu Schulbildung

In Nepal haben viele Kinder keinen Zugang zu Schulbildung. Hier setzt die Initiative "Teach for Nepal" an. Sie wendet sich an Studenten, die nach ihrem Abschluss für zwei Jahre als Lehrkraft in Nepal unterrichten wollen. Dabei handelt es sich um einen mit Spendengeldern finanzierten Arbeitsaufenthalt.

Zwei Vertreter der Initiative, darunter einer der Mitbegründer, sind am Mittwoch, 27. April, von 17 bis 19 Uhr in der Jacobs-Uni, Campus-Ring 1, zu Gast und stellen im Konferenzraum des Campus Centers die Arbeit von "Teach for Nepal" vor. Die englischsprachige Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei. Voranmeldungen per E-Mail an das Career Service Center, Petra Zarrath (p.zarrath@jacobs-university.de) sind notwendig.

gn

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