15-jährige Charlotte Becker gewinnt mit „Harpa“ Deutsche Jugend-Islandpferde-Meisterschaft

Gang rein zum Rennpass

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Charlotte war als einzige Bremerin bei der DJIM in Kauffingen am Start. Die 15-Jährige wurde zweifache Deutsche Jugendmeisterin.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Harpa“ heißt Charlotte Beckers Islandpferd, mit dem sie gerade Deutscher Jugendmeister geworden ist. Die Disziplin „Fünfgangkombi“ beschreibt kein Auto, sondern eine Prüfung, in der neben Galopp, Trab und Schritt auch die Gangarten Tölt und Pass abgefragt werden.

„Wenn man ,Harpa' am Halfter führt, ist sie die Ruhe selbst“, erzählt Charlotte Becker (15). Doch sobald ihre Stute auf die Passbahn kommt, will sie laufen, und zwar schnell. Im Rennpass fliegen ihre Hufe nur so über den Boden. „In unserem Stall hat sie den Spitznamen ‚Rennziege‘“, bemerkt Charlotte amüsiert.

Vor drei Jahren kauften die Beckers die Stute „Harpa frá Ljósalandi“ in Bad Münder. Und jetzt holte sich Charlotte mit diesem besonderen Pferd bei der Deutschen Jugend-Islandpferde-Meisterschaft (DJIM) in Kaufungen den Meistertitel im „150-Meter-Passrennen“ und in der „Fünfgangkombination“. Beim „Fünfgangpreis“ belegte das Paar den dritten Platz.

Mensch und Tier sind Team

Zu Beginn ihrer Freundschaft mussten Pferd und Reiter noch ganz schön an der Abstimmung arbeiten. Die selbstbewusste Stute habe die damals zwölfjährige Charlotte nicht immer ganz ernstgenommen, erzählt die Zehntklässlerin fröhlich: „Reiterlich war ich noch nicht so weit, um mich gegen den Dickkopf von ,Harpa' durchzusetzen.“ Nach zwei Jahren sei der Knoten aber endgültig geplatzt. Mensch und Tier sind ein Team, das einander vertraut.

„,Harpa' ist kompliziert zu reiten“, erzählt die frischgebackene Jugendmeisterin. Die in Island geborene Stute sei temperamentvoll, mit viel Vorwärtsdrang. Dazu beherrscht sie die für Isländer typischen Gangarten Tölt und Passgang. Der Reiter muss also eine „Fünfgangschaltung“ bedienen, wenn er die Wahl der Gangart nicht dem Zufall überlassen will. Diese Fünfgangschaltung erfordert großes Können, denn der Reiter muss seinem Pferd technisch anspruchsvolle Hilfen geben. Da Pass und Tölt sowohl langsam als auch schnell geritten werden können, reicht kein einfaches „Hochschalten“. Der Rennpass beispielsweise wird aus dem Galopp „eingelegt“. Auf saubere Übergänge legen die Wertungsrichter ein besonderes Augenmerk. Ein „Verschalten“ kostet Punkte.

Für die außerordentliche Feinabstimmung trainiert Charlotte fast täglich. Einmal pro Woche erhält sie Unterricht von ihrer Trainerin Tanja Gundlach. „Sie hat uns ganz toll unterstützt“, freuen sich Charlotte und ihre Mutter Annika. „Ohne sie wären wir gar nicht so weit gekommen.“

Charlottes Liebe zu den Isländern begann mit einer Reitbeteiligung. Mit dem Pflegepferd sammelte sie die ersten Schleifen und Preise auf Turnieren. Mit „Harpa“ ist sie nun für die Zukunft ausgestattet.

Trotz des sportlichen Ehrgeizes unterscheidet sich die Islandpferd-Reiterei vom klassischen Turniersport. Zwar gibt es auch dort die klassischen Disziplinen Dressur und Springen, aber es finden auch Geschicklichkeitswettbewerbe statt. Und viele Teilnehmer zelten über mehrere Tage auf dem Gelände. Die Islandpferde stehen dann einfach in einem mobilen Paddock. Isländer leben auch hierzulande üblicherweise draußen, in der Herde mit Weide und Offenstall. Eine Reithalle gibt es in Charlottes Stall nicht. So dient der Winter dazu, es etwas ruhiger angehen zu lassen. Gymnastik und Entspannung stehen auf dem Programm.

Charlottes Eltern unterstützen ihre Tochter mit Passion. „Harpa“ aber bleibt trotz des Erfolgs vor allem ein Familienpferd. Und sie bleibt vorerst das einzige. „Turniere, Tierarzt, Schmied und Ausrüstung, das kostet“, sagt die Mutter, die früher selbst geritten ist. Auch zeitlich käme sonst jemand zu kurz. Charlotte hat bereits neue Ziele. An der ein oder anderen Stelle möchte sie noch im Training feilen. Während „Harpa“, da ist sich Charlotte sicher, am liebsten nur auf die Passbahn will.

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