Focke-Museum: Vortrag über Schauspielerinnen

Freundliche und leutselige Gesichter

„Fahrende Frauen im 18. Jahrhundert“ sind am 9. August im Focke-Museum das Thema der Bremer Lyrikerin und Kulturwissenschaftlerin Inge Buck. - Foto: Baier/Focke-Museum

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Als anrüchig galt das Gewerbe – dabei handelte es sich um eine Kunst. Heute werden Schauspielerinnen (unter anderem) gefeiert. Es gab aber Zeiten, da war das ganz, ganz anders.

Und damit beschäftigt sich die Bremer Lyrikerin, Journalistin und Kulturwissenschaftlerin Dr. Inge Buck in einem Vortrag, den sie im Schwachhauser Focke-Museum hält. Titel: „Fahrende Frauen im 18. Jahrhundert“. Thema: Wanderschauspielerinnen. Termin: Dienstag, 9. August, 19 Uhr.

„Mit dem Auftreten der ersten Wanderschauspielerinnen etwa um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die damals idealisierte Frauenrolle gleich an zwei wesentlichen Stellen durchbrochen: Schauspielerinnen traten als Person an die Öffentlichkeit und sie waren als Fahrende an keine Häuslichkeit gebunden“, heißt es in einer Vorschau.

Schnell und oft wurde die Moral der „fahrenden Frauenzimmer“ grundsätzlich in Zweifel gezogen. „Im Unterschied zu den französischen und italienischen Truppen an den Höfen galten die deutschen Wanderschauspieler ihrer Zeit ohnehin als unehrenhafter Stand“, so ein Sprecher des Focke-Museums. „Insbesondere den Schauspielerinnen haftete der Ruf der Unsittlichkeit an, der sie in die Nähe der käuflichen Dirne rückte.“

Noch bis zum 21. August zeigt das Focke-Museum die Ausstellung „Bremer Frauengeschichten“. An dem Frauenlexikon, das die Ausstellung begleitet (wir berichteten), hat Buck mitgearbeitet. In ihrem Vortrag am 9. August konzentriert sie sich auf das Leben und Wirken zweier „fahrender Frauen“.

Die Komödiantin Karoline Schulze-Kummerfeld (1745 bis 1816) hielt den andauernden Kampf um ihr Standesbewusstsein und ihre Anerkennung als Schauspielerin in ihren „Lebenserinnerungen“ fest. Über ihr Gastspiel mit der Truppe von Konrad Ackermann im Sommer 1765 in Bremen schrieb sie: „Die Einwohner sahen uns auch für Menschen an, und es war eine Lust, über die Straßen zu gehen, denn man sah lauter freundliche und leutselige Gesichter.“

Auch die Schauspielerin Felicitas Abt (1741 bis 1783) fand während ihres Gastspiels im Sommer 1780 mit der Truppe ihres Ehemanns Friedrich Abt in Bremen bewundernde Anerkennung, wie damals berichtet wurde. Hatten die Bremer eine andere Einstellung zum Theater? War das Bremer Theaterpublikum zu dieser Zeit toleranter als andernorts in Deutschland? Auch auf Fragen wie diese wird Buck, die ihre Dissertation über die deutsch-österreichische Schauspielerin Auguste Wilbrandt-Baudius (1843 bis 1937) geschrieben hat, in ihrem Vortrag eingehen. Die Musikerin Helga Blome begleitet den Abend auf der Violine.

Eintritt: fünf Euro, ermäßigt vier Euro. Anmeldungen sind unter 0421/699 600-50 möglich.

Worpsweder Anfänge in Düsseldorf

„Worpswede beginnt in Düsseldorf“ – das ist der Titel eines weiteren Vortrags. Zu hören ist er am Donnerstag, 11. August, um 19 Uhr im Vegesacker Overbeck-Museum. Museumsleiterin Dr. Katja Pourshirazi zeichnet nach, welchen Einfluss die Düsseldorfer Schule auf die Worpsweder Kunst genommen hat.

„Die Künstlerkolonie Worpswede ist längst international bekannt“, so die Museumsleiterin. „Doch kaum jemand weiß, dass die Anfänge der Worpsweder Malerei in Düsseldorf liegen. An der dortigen Kunstakademie lernten sich Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Hans am Ende, Fritz Overbeck und Heinrich Vogeler kennen. Gemeinsam beschlossen die befreundeten Maler, sich in dem kleinen Dorf am Weyerberg niederzulassen und dort zu malen.“ Der Rest ist, wie es immer so schön heißt, Geschichte. Pourshirazi schildert, wie die Düsseldorfer Akademie schließlich die Freilichtmalerei in Worpswede prägte.

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