Partyzelte unter weiblicher Regie

Die Freimarktsfrauen

+
Diana Traber ist Chefin im Bayernzelt auf dem Freimarkt. In der Festhalle finden 2 500 Besucher Platz. „Bier wird eben überall gerne getrunken“, sagt die 35-Jährige. 

Bremen - Bayernzelt, „Hansezelt“, „Almhütte“ und „Riverboat“ sind die Anlaufpunkte für feierfreudige Besucher des Bremer Freimarkts. Das Besondere an den großen Party-Zelten auf einem der ältesten Volksfeste in Deutschland: Sie sind fest in Frauenhand.

Mit dem traditionellen Fassanstich im Bayernzelt wird am 14. Oktober in Bremen wieder die „fünfte Jahreszeit“ ausgerufen – 17 Tage lang auf dem 981. Bremer Freimarkt und zwar bis zum 30. Oktober. Ein riesiger Bayer mit Trachtenhut und Lederhose steht dann einmal mehr vor dem Zelt, zwinkert den Besuchern jovial zu und hebt dabei den Maßkrug. Die überlebensgroße Figur des Bajuwaren ist der Blickfang vor dem Bayernzelt.

Doch drinnen hat eine Frau das Sagen. Im größten Festzelt auf dem Freimarkt laufen bei Diana Traber alle Fäden zusammen. Auf dem Freimarkt wird gern und großflächig bayrisch gefeiert. „Mich wundert das nicht“, sagt Diana Traber und schmunzelt. „Schließlich werden ja mittlerweile auf der ganzen Welt Oktoberfeste gefeiert. Bier wird eben überall gern getrunken. Und Frauen im Dirndl sehen ja nicht nur in Bayern gut aus.“

Die 35-Jährige und ihr Mann kommen aus Düsseldorf. 2 500 Menschen finden im Bayernzelt Platz, das pro Jahr im Schnitt auf acht Volksfesten in Deutschland und Luxemburg gastiert. Trabers Team umfasst mehr als 160  Mitarbeiter. „Ein gutes Fingerspitzengefühl ist in diesem Job ganz wichtig“, sagt sie. „Wir Frauen machen vieles mit einem freundlichen Lächeln. Das kommt einfach charmanter rüber.“

Bremer neigt zu festen Gewohnheiten

Zahlreiche Traditionsbetriebe sind schon seit Jahren auf dem Freimarkt und seiner kleinen Schwester, der Osterwiese, an den immer gleichen Standorten zu finden. Dass der Bremer auch beim Feiern zu festen Gewohnheiten neigt, hat Natalie Weinert, die Betreiberin des „Riverboats“, beobachtet. 30 Jahre lang stand das Festzelt, das einem Mississippi-Dampfer nachempfunden ist, auf demselben Platz. Als die Marktverwaltung dem Zelt einmal einen anderen Standort zuwies, brachte das viele Besucher aus dem Konzept: „Viele Stammgäste schauten erst spät am Abend noch kurz vorbei“, erinnert sich die 50-jährige Schaustellerin aus Wardenburg bei Oldenburg. „Sie hatten uns auf dem Rundweg spät entdeckt und waren vorher woanders eingekehrt.“

Seit rund einem Vierteljahrhundert fungiert das „Hansezelt“ als maritimes Pendant zum Bayernzelt. Chefin Trudi Renoldi achtet bereits seit einigen Jahren darauf, dass in den Security-Teams im Zelt auch Frauen mit von der Partie sind. „Bei Streitigkeiten wirkt es deeskalierend, wenn eine Frau dabei ist“, sagt die Bremerin. Ihr Sohn Klaus, der ansonsten mit der Indoor-Achterbahn „Höllenblitz“ unterwegs ist, koordiniert den Auf- und Abbau des Zelts. Im Zeltinneren aber ist Trudi Renoldi der Boss. „Gastronomie liegt mir einfach“, sagt die 64-jährige Wirtin.

Après-Ski-Gaudi aufs Volksfest bringen

Egal, ob Helene Fischer oder Andreas Gabalier: Schlager und auch volkstümliche Musik in moderner Verpackung hat immer mehr Fans gefunden. Nina Renoldi, Tochter von Hansezelt-Chefin Trudi Renoldi und Betreiberin der „Almhütte“, freut sich darüber. „Die besten Songs sind immer die, bei denen alle mitsingen können – egal, ob Jung oder Alt“, sagt die 38-Jährige. Vor zwölf Jahren hat sich die leidenschaftliche Skifahrerin entschlossen, die Après-Ski-Gaudi auf Volksfeste zu bringen. Das Konzept ging auf. Heute ist sie in Spitzenzeiten mit bis zu drei „Almhütten“ auf verschiedenen Volksfesten vertreten.

Der Freimarkt ist für die Bremerin ein Heimspiel. „In diesem Jahr sind wir mit vier Generationen auf dem Platz vertreten: Mein Bruder reist mit seinen Kindern an. Meine Mutter kommt mit dem ,Hansezelt‘ und meine 92-jährige Oma schaut mittags zum Essen vorbei.“ 

jop

Mehr zum Thema:

Das sind die Kandidaten für die Rosberg-Nachfolge bei Mercedes

Das sind die Kandidaten für die Rosberg-Nachfolge bei Mercedes

Kruse mit Turban: Werder-Training am Mittwoch

Kruse mit Turban: Werder-Training am Mittwoch

Klassische Weihnachtsdeko im Trend

Klassische Weihnachtsdeko im Trend

Die besten iOS-Apps des Jahres 2016

Die besten iOS-Apps des Jahres 2016

Meistgelesene Artikel

Weltkriegsbombe in Bremen entschärft

Weltkriegsbombe in Bremen entschärft

Ein Vegesacker Wahrzeichen

Ein Vegesacker Wahrzeichen

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Kommentare