„Mein Kunst-Stück“ mit Ulrike Leopold: „Emotionen, Veränderung, Energie“

Die Flüchtigkeit eines Moments

„Diese kindliche Kraft und Sorglosigkeit wollte ich einfangen“: Ulrike Leopold mit ihrem Lieblingsobjekt. - Foto: Niesmann

Bremen - Von Isabel Niesmann. Es ist ein Moment voller Unbeschwertheit, Unbändigkeit und Energie, den Ulrike Leopold mit leichtem Pinselstrich und schwungvoller Konturensetzung festgehalten hat: Dem Betrachter rennt ein kleines Mädchen in einem hellen Kleid entgegen. „Diese kindliche Kraft und Sorglosigkeit wollte ich einfangen“, beschreibt Leopold in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ die Entstehungsgeschichte ihres Lieblingsobjektes.

Die Idee kam der Künstlerin beim Durchstöbern alter Schwarzweißfotos. „Das Kind auf dem Bild bin ich, als ich gerade auf die Kamera der Fotografin, meiner Tante, zulaufe.“ Diesem Ursprung entsprechend, ist das Bild überwiegend in schwarz und weiß gehalten – mit ein paar orangefarbenen Tupfern. Schwarzweißfotos faszinieren die 58-Jährige: „Früher hatten Fotos noch eine andere Bedeutung.“ Sie waren viel seltener, ihre daher Motive ausgewählter.

Gleichzeitig spiegelt das rennende Kind das Hauptthema der Künstlerin wider: Bewegung. „Emotionen, Veränderung, Energie: Es geht mir um das Flüchtige. Nichts bleibt, wie es ist. Alles ist in ständiger Bewegung und schon im nächsten Moment wieder weg. Es ist nicht zu fassen.“ Diesen besonderen, flüchtigen Moment festzuhalten, der so schnell wieder verloren geht, darum geht es ihr in ihrer Arbeit.

Das zeigt sich zum Beispiel in ihrer Reihe über Sport, in der Leopold hauptsächlich Fußballer auf abstrahierte Weise abgebildet hat: „Mich hat diese Welt im Kleinen fasziniert.“ Emotionen, Gesten und Haltungen hat sie mit Pinsel und Stift eingefangen: Euphorie, Trauer und Freude, die Stürze, das Aufspringen und den Jubel.

Seit mehr als 20 Jahren ist Leopold als freie Künstlerin tätig. Die gebürtige Stuttgarterin studierte in den 80er Jahren Grafik-Design an der Hochschule für Künste in Bremen. „Eigentlich wollte ich schon immer Kunst machen, aber es ist ja immer so eine Sache, mit Kunst Geld zu verdienen. Deshalb habe ich Grafik-Design studiert. Werbung hat mich aber nie wirklich interessiert.“ Seit 1985 ist sie als Grafik-Designerin tätig, seit 1993 als freie Künstlerin.

Leopolds künstlerische Vielfalt ist groß. Ihr Schwerpunkt liegt auf Malerei, Zeichnung und Drucktechnik, viele ihrer Werke sind in Mischtechnik entstanden. Aktuell arbeitet sie zudem mit digitalen Medien – an einem Projekt über die Schnelllebigkeit von Freundschaften in der virtuellen Welt. „Ich habe ganz unterschiedliche Phasen“, erklärt sie ihre Arbeitsweise. Manchmal sei der Tag klar durchstrukturiert und sie von morgens bis abends vor der Leinwand, manchmal ginge es mehr um das Recherchieren und die Entstehung der Idee im Kopf: „Das ist ein fließender Übergang.“

Inspiration entstehe in der Regel durch Fotos. „Kunst ist bei mir immer ein Prozess.“ Dementsprechend unterschiedlich seien Arbeitsaufwand und -länge. „Manchmal braucht es Pausen dazwischen. Manchmal geht’s ganz schnell, andere Sachen brauchen ewig.“ Künstlerische Vorbilder sind für Leopold in der Malerei Marlene Dumas, Antoni Tàpies und Norbert Schwontkowski. Sie bewundert Zeichnungen von Julie Mehretu, Nanne Meyer und Jorinde Voigt. Ihr Lieblingsbild jemandem zu schenken, kann sich Leopold nicht vorstellen. „Das ist ein ganz persönliches Bild und auch unverkäuflich. Normalerweise hängt es bei mir zu Hause.“

Aber nur normalerweise. Noch bis zum 11. August ist es nämlich in Leopolds Ausstellung „Stationen“ in den Räumen der Frauenbeauftragten (Knochenhauerstraße 20–25) zu sehen. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 9 bis 16.30 Uhr, Freitag 9 bis 13 Uhr.

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