BSAG repariert Gleise am Hauptbahnhof

Flicken in der Not

Asphaltgießer im Einsatz bei der Haltestelle am Hauptbahnhof, die für die Arbeiten am vergangenen Wochenende komplett gesperrt wurde. Von Freitagabend, 15. Juli, bis zum frühen Montagmorgen, 18. Juli, fahren hier erneut keine Busse und Bahnen. - Foto: Holling/BSAG

Bremen - Von Viviane Reineking. Es ist eine Maßnahme in der Not, keine von Dauer und keine, die einen Schönheitspreis gewinnt: An zwei sogenannten „Power-Wochenenden“ setzt die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) Gleise, Weichen und Fahrbahnen im Bereich des Hauptbahnhofs instand. Der erste Teil ist bereits geschafft. Doch am kommenden Wochenende wird die Haltestelle erneut komplett gesperrt.

Vorbeieilenden Passanten und Fahrgästen auf dem Weg zu Bus und Bahn fallen die Abnutzungserscheinungen kaum auf. Doch wer genauer hinsieht, der kann sie nicht übersehen: Die Straßenbahngleise sind stark abgenutzt, vor allem in den Kurven. Die Fahrbahndecke ist ebenfalls arg in Mitleidenschaft gezogen.

„Wir flicken Gleise und Fahrbahnen notdürftig – das hält für zwölf Monate“, sagt BSAG-Ingenieur Andreas Probian. - Foto: Reineking

Kein Wunder, ist vieles doch bereits rund 18 Jahre alt. Täglich fahren laut BSAG-Sprecher Andreas Holling etwa 2 100 Busse und Straßenbahnen den Bereich am Hauptbahnhof an. „100.000 Fahrgäste nutzen durchschnittlich an einem Tag diesen ,Hotspot‘“, so Ingenieur Andreas Probian, Projektleiter Neubau bei der BSAG. Das alles hat seine Spuren hinterlassen. „Die Gleisanlagen befinden sich an der Verschleißgrenze“, so Peter Hartmann vom Fachbereich Gleisbau der BSAG. Vier Bahnlinien auf einem Gleis verursachen einen Verschleiß von 2,5 Zentimetern – pro Jahr. Lange, so der Fachmann, wäre die Sicherheit nicht mehr gewährleistet gewesen. Würde die BSAG nicht handeln, könnten Schienen brechen, die Bahnen entgleisen. Damit es nicht so weit kommt, wird nun gehandelt. Allerdings nicht so, wie es ursprünglich angedacht war.

Eigentlich hätten Gleise, Weichen und Fahrbahnen in diesen Sommerferien komplett ersetzt werden müssen. „Es war bereits alles fertig geplant“, so Holling. Dann aber senkte sich der Boden aufgrund der Bauarbeiten im Zuge des geplanten „City Gates“ auf dem Bahnhofsvorplatz. Die Hochstraße neigte sich leicht, die Gleise A und B sackten dagegen gleich um mehr als sieben Zentimeter ab. Die BSAG sperrte sie für den Verkehr – wie lange noch, ist bislang unklar. Auf der Baustelle wird derzeit nicht weiter in die Tiefe gebaut – und dennoch: Das Gleisbett senkt sich weiter, laut Holling und Probian auf mittlerweile acht Zentimeter.

Auch die Fahrbahn (hier vor dem alten Postamt 5) weist Schäden auf, die provisorisch ausgebessert werden. - Foto: Reineking

Weil die Ursache für die Absackungen rund um die Baustelle noch immer nicht geklärt sind, waren die geplanten umfangreichen Sanierungsarbeiten nicht möglich. Und so haben stattdessen bis zu 60 Arbeiter am vergangenen Wochenende 60 Stunden lang Schienen – mit Ausnahme der gesperrten Gleise –durch Aufschweißungen von Eisen punktuell instandgesetzt und den schadhaften Fahrbahnasphalt ausgebessert. „Wir flicken nur notdürftig – das hält für die nächsten zwölf Monate“, so Probian. Die Kosten liegen im niedrigen sechsstelligen Bereich, heißt es bei der BSAG. Hier ist man mit dem Verlauf des ersten „Power-Wochenendes“ zufrieden. „Die Arbeiten liegen im Plan, und die Umleitungen haben auch funktioniert“, so Sprecher Holling. Fahrgäste müssen sich aber auch am kommenden Wochenende – von Freitag, 15. Juli, 21 Uhr, bis Montagmorgen 18. Juli, 4 Uhr – wieder auf Einschränkungen im Bus- und Bahnverkehr einstellen.

So fahren die Straßenbahnen statt zum Hauptbahnhof über die Domsheide. Alle Buslinien stoppen der BSAG zufolge am Hauptbahnhof an Ersatzhaltestellen. Drei Ersatzbuslinien (S71, S 72 und S73 ) pendeln zwischen Domsheide und Bahnhof, die Straßenbahnlinie 6 verkehrt nur zwischen Flughafen und Domsheide, und die Linie 8 fährt nicht. Die Regionalbusse und einige Nachtschwärmerbusse des VBN halten auf dem Platz vor dem Cinemaxx-Kino. Die Linie 630 und 670 starten und enden an der Haltestelle Blumenthalstraße. 

Die seltene Ruhe am Hauptbahnhof nutzen auch andere Unternehmen: Der Abwasserentsorger „Hansewasser“ reinigt Kanäle, die Telekom repariert Leitungen. Im nächsten Jahr sollen dann die Gleise komplett erneuert werden. An vier Aktionswochenenden soll der Verkehr dann erneut umgeleitet werden. Bis dahin warten die neuen Gleise auf dem BSAG-Gelände – immerhin rund 1.600 Kilometer.

www.bsag.de

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