„Überseetörn“ bei Sonne und Regen / Mehr als 25 000 Menschen auf Entdeckungsreise in der Überseestadt

Fiete lässt Groß und Klein anpacken

Mit Stauerhaken und viel Hafenwissen: Fiete Hansen alias Markus Weise erläutert, wie man Schiffe festzurrt. - Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. Der „Überseetörn“ in der Überseestadt war gut besucht, sowohl bei Sonnenschein als auch bei Regen. Erstmals im Programm war ein Mitmach-Törn mit Fiete Hansen, der auch für Kinder konzipiert war.

„Entdeckungsreise für Klein und Groß“ war der Name der neuen Tour von Hafenarbeiter Fiete Hansen alias Markus Weise. Der in Delmenhorst lebende Schauspieler überzeugte mit einer authentisch-maritimen Bremer Schnauze und machte Kindern die Details der Hafenarbeit klar. Und die Eltern sowie die anderen erwachsenen Gäste brachte er zum Lachen.

Am Anfang stand dabei ein kleines Aufwärm-Training zu Gesang und Gitarre, bei dem die Gäste Arme, Beine, Augen und Ohren kurz bewegen mussten. Diese Körperteile sind nämlich für den Hafenarbeiter wichtig. Und dann ging es schon ran an die harte Arbeit im Europahafen. „Was tun wir, wenn ein Schiff kommt?“ Diese Frage des erfahrenen Fiete war weder für die großen noch für die kleinen Gäste leicht zu beantworten. „Hupen!“ Dieser erste Versuch ging daneben, denn das hilft dem Schiff nicht. Der nächste Versuch war besser. Man muss das Schiff festzurren. Aber wie?

Einige Teilnehmer versuchten sich an dem dicken und schwergewichtigen Seil und zwei großen Metallhalterungen. Erster Versuch: das Seil in Form einer liegenden Acht aufwickeln. Das sah schon überzeugend aus, würde aber leider nicht halten. „So ein Schiff ist ja ganz schön hoch. Wenn das schaukelt, zieht es das Seil nach oben“, erklärte Fiete und zog einmal kräftig aufwärts. Schwups, das Seil löste sich. Natürlich wusste der gestandene Hafenarbeiter, wie es richtig geht. Einmal in die Gegenrichtung wickeln – und kein Schaukler kann das Schiff mehr lösen.

Da die großen Kräne des alten Europahafens alle abgebaut sind, musste Fiete sich selbst behelfen, um erklären zu können, wie die Ware von Bord kommt. Darum hatte er einen Kran aufgebaut, der sich auch von Kindern gut bedienen ließ, wenn die Eltern etwas nachhalfen. Doch zunächst wurde gelernt, wie der Kranführer erfährt, was er zu tun hat. „Die Kräne waren ja ganz schön hoch, und von da aus konnte man die Luken gar nicht so richtig sehen“, erklärte Fiete. „Darum stand an der Luke meist ein älterer Mann, der mit den Armen Signale gab.“ Es wurde wieder sportlich. Mit dem Arm oben kreisen, heißt anheben. Unten kreisen, bedeutet absenken. Und die Richtung zeigen ebenfalls die Arme. Im Hafen sagt man nicht „links“, sondern Backbord. Rechts ist Steuerbord. Mit diesem Wissen halfen die Teilnehmer einem kleinen und einem großen Kranführer, einen Sack Kaffee anzuheben.

Beim folgenden Gang in den Speicher erfuhren die Gäste, dass 1966 der erste Container im Europahafen gelöscht wurde und dass dies gehörig schiefging. „Die Kräne für Weinfässer und Kaffee-Säcke ausgelegt. Die Container waren schwerer. Der erste Container von der ,MS Fairland' fiel zurück, und das Schiff ist gesunken“, erzählte Fiete. Der Anker des Schiffes ist heute noch nahe dem Hafenbecken zu sehen.

Besonders begehrt unter den Törns waren die neuen Angebote, so Robert Ludwig vom Törn-Management. „Die Schiffstörns sind sehr gefragt. Da mussten wir leider auch einige Leute zurückschicken“, sagte Ludwig. Insgesamt kamen mehr als 25 000 Besucher zum „Überseetörn“, heißt es, etwas mehr als im Vorjahr.

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