„Host-Family-Team“ sucht Gastfamilien für Studienanfänger

Fernab der Heimat

Manfred Kroll und Connie Bröker vom Patenschaftsprogramm betreuen als Gasteltern junge Menschen, die fernab ihrer Heimat ein Studium in Bremen beginnen. - Foto: Jacobs University

Bremen - Von Viviane Reineking. Als Gasteltern bringen Tatjana Kupczyk und Christian Bartsch einige Erfahrung mit. Seit 2008 schon kümmern sie sich regelmäßig um junge Menschen, die aus weit entfernten Ländern nach Bremen kommen, um auf dem Campus der Jacobs-Universität zu studieren. In zweieinhalb Wochen lernt das Paar aus Schwachhausen „seine“ nächste Studentin kennen: die 20-jährige Linda aus Kenia.

Viele der sogenannten „freshmen“ – zu Deutsch: Studienanfänger – die zum Wintersemester ein Studium an der Privatuni beginnen, nutzen das Angebot des „Host Family Programs“ der Universität, das Gastfamilien und Neuankömmlinge zusammenbringt. Knapp 90 Studenten hat das Team um Connie Bröker, Jutta Eckhoff und Manfred Kroll bereits vermittelt. Noch etwa 50 warten auf eine Familie. „Und wir erwarten noch neue Anträge von Studenten“, so Eckhoff. Daher möchten sie Bremer und Menschen aus dem Umland für das Patenschaftsprogramm begeistern.

Bröker und Kroll kümmern sich seit den Anfängen der Jacobs-Universität selbst als Gasteltern um ausländische Studenten. Doch welche Voraussetzungen müssen Gasteltern eigentlich erfüllen? Weltoffenheit und der Spaß am Umgang mit jungen Leuten sei das Wichtigste, betonen die Kollegen. Viel Zeit sei dagegen nicht erforderlich, denn anders als beim Schüleraustausch wohnen die Studenten nicht bei ihren Gastfamilien, sondern auf dem Uni-Campus. Auch Alleinstehende oder Paare können am Programm teilnehmen.

Fern der Heimat bilden sie für die Studenten einen Anlaufpunkt, machen sie mit dem Leben in Deutschland ebenso vertraut wie mit Bremen und der Umgebung. „Manchen hilft die Geborgenheit in den Gastfamilien auch über anfängliches Heimweh hinweg“, weiß Bröker.

Aktuell hat rund jeder zweite Student der Jacobs-Universität eine Gastfamilie. Bröker: „Es ist auf jeden Fall eine Win-Win-Situation.“ Nicht nur, weil die Gasteltern und gegebenenfalls ihre Kinder ihre Englischkenntnisse verbessern könnten. Manfred Kroll: „Seit meine Frau und ich Gasteltern sind, entdecken wir selbst viele Ecken unserer Heimat neu. Und mit jedem Gaststudenten holt man sich einfach ein Stück weit die Welt ins Haus.“

Das sehen auch Tatjana Kupczyk und Christian Bartsch so. Ihr erster Student kam vor acht Jahren aus Nepal. Danach folgten Studentinnen aus Südafrika, Ruanda, Tansania – und jetzt eben aus Kenia. „Wir selbst sind von Afrika begeistert, waren unter anderem schon in Namibia, Südafrika und Botswana“, sagt Kupczyk. Auch nach Tansania möchte das Paar reisen – und vielleicht dann seine ehemaligen Studentinnen wiedersehen.

Durch die Teilnahme am Programm hätten sie viel über ferne Länder und fremde Kulturen erfahren. Der erste Student etwa habe sie zu einem napalesischen Fest auf den Campus eingeladen, mit der Tansanierin hat Christian Bartsch etwa politische Ereignisse diskutiert. Mit allen stehen sie noch in Kontakt, die Familie der tansanischen Studentin haben sie im vergangenen Jahr sogar in Finnland besucht.

Linda haben sie dagegen bislang nur aus der Ferne kennengelernt. Die 20-Jährige wird an der Privatuni „Global Economics and Management“ studieren. „Sie spricht sogar schon recht gut deutsch“, wissen die beiden.

Mit den Studenten haben sich die Bremer etwa einmal im Monat getroffen. Haben Ausflüge unternommen undsie zum Essen eingeladen. „Wir machen Vorschläge für gemeinsame Treffen, wollen uns aber nicht aufdrängen“, so Kupczyk. In der kalten Jahreszeit gehe es auch mal zum Schlittschuhlaufen – „das kennen sie alle noch nicht“, schmunzelt die Gastmutter. Höhepunkt ist für Manfred Kroll die Graduation am Ende des Studiums: „Das macht stolz, wenn die jungen Leute in ihren Roben die Abschlussurkunden entgegennehmen.“

Unter hostfamilies@jacobs-university.de und in einer Infoveranstaltung am Donnerstag, 11. August, können sich Interessierte über das Programm informieren. Los geht es um 18 Uhr auf dem Jacobs-Campus in Grohn (Campus Ring 1).

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