Fast 100 Prozent im Blick

Neue Videoüberwachung im Bremer Hauptbahnhof geht in Betrieb

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Axel Treczokat von der Bundespolizei vor einer Wand mit neuen Überwachungsmonitoren. Von hier aus kann auf fast 100 Prozent der öffentlichen Bahnhofsfläche geschaut werden.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Auf den ersten Blick nimmt man sie nicht wahr. Aber sie hängen an der Decke, an Anzeigetafeln und an vielen anderen Stellen. 88 neue Videokameras sollen jetzt im Bremer Hauptbahnhof für Sicherheit sorgen.

Die am Donnerstag in Betrieb genommene Anlage erfasst nahezu 100 Prozent der öffentlichen Bahnhofsfläche, heißt es. Bisher gab es den Angaben zufolge keine öffentliche Kameraüberwachung im Gebäude. Lediglich die Gleise waren mit Kameras bestückt, allerdings aus betrieblichen Gründen, wie ein Bahnsprecher sagt.

Zu sehen sind die Bilder in der Wache der Bundespolizei am Bahnhof und auch in der Bahnhofsbetriebszentrale. Die Bundespolizei speichert alle Aufnahmen je nach Wichtigkeit der jeweiligen Kameraposition für mindestens 48 Stunden und maximal 31 Tage. Generell spielt sich die meiste Kriminalität eher um den Bahnhof als im Bahnhof ab, sagen die Ermittler.

Gegen Taschendiebstähle & Co.

Die Zuständigkeit von Bahn und Bundespolizei endet an der Außenmauer. Im Bahnhof kommt es nach Angaben der Polizei im Schnitt alle zwei Tage zu einem Taschendiebstahl, meistens im Abfahrbereich nahe den Zügen. Da soll die neue Technik helfen. 

„Meistens hat der Bestohlene etwas gesehen. Dann ist es wichtig, wo er bestohlen wurde. Wir haben es in den Aufnahmen. Und eine andere Kamera hat vielleicht eine bessere Aufnahme des Täters gemacht“, sagt Egbert Meyer-Lovis, Pressesprecher bei der Deutschen Bahn. „Oft sind die Tätergruppen einschlägig bekannt.“ Auch die Zeugensuche werde einfacher.

Im Schnitt komme es alle zwei Tage zu einer Körperverletzung im Bahnhof. „Normalreisende sind da eigentlich nie beteiligt. Bei fast 100 Prozent der Fälle sind alle Beteiligten alkoholisiert. Die Aggression kocht wechselseitig hoch, etwa bei Fußballfans. Oft weiß keiner, wer angefangen hat“, sagt Axel Sauert, Leiter des Bahnhofsmanagements Bremen/Osnabrück. „Da helfen die Videos, Täter und Opfer zu bestimmen.“

Kameras dienen auch der Prävention

Die Kameras sollen aber auch insbesondere der Prävention dienen. Mit der Überwachung soll verhindert werden, dass es zu Delikten komme. „Wir können sehen, ob sich in einer Gruppe ein Streit entwickelt und versuchen einzuschreiten, bevor es zu einer Schlägerei kommt“, sagt Axel Treczokat, Polizeioberrat bei der Bundespolizei in Bremen. 

Auch andere kritische Situationen können leichter eingeschätzt werden, seien es ein herrenloses Gepäckstück, ein Kreislaufzusammenbruch oder eine orientierungslose Person auf dem Gleis.

Treczokat lobt die gestochen scharfen Bilder. Sie seien viel besser als solche älterer Kameras, die Gesichter oft nur schemenhaft gezeigt hätten. Nun hätten Bahn und Bundespolizei den Bahnhof voll im Blick.

Der Aufwand lohne, denn im Hauptbahnhof sei viel los. Es kommen täglich 140.000 Menschen in den Bahnhof, sagt Axel Sauert. „Davon sind 80.000 Reisende und 60.000 Besucher, die den Bahnhof als Durchgang nutzen oder dort einkaufen“, so Sauert weiter. Jedes Jahr würde sich diese Zahl bei zwei Großveranstaltungen verdoppeln: während des Bremer Freimarkts und während des Weihnachtsmarktes. Letzterer beginnt wieder am Montag, 21. November.

Die Kosten der neuen Technik belaufen sich auf etwa eine Million Euro, bezahlt von der Bahn und der Bundespolizei. Bis zum Jahr 2023 wollen Bund und Bahn rund 85 Millionen Euro in die Videoüberwachung von Bahnhöfen stecken. Ein Teil des Geldes fließt in die Modernisierung bestehender Anlagen. Die Deutsche Bahn betreibt zur Zeit bereits mehr als 5.000 Videokameras an rund 700 Bahnhöfen. Zudem sind 27.000 Kameras in Zügen des Nah- und Fernverkehrs sowie in S-Bahnen installiert.

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