40 Prozent aller neuen Arbeitsverträge seien befristet, Leiharbeit und Niedriglohnbereiche boomen. Es sei Zeit umzusteuern, sagt Schierenbeck. Darin ist er sich mit Wirtschafts- und Arbeitssenator Martin Günthner (SPD) einig: „Wer den ganzen Tag arbeitet, muss auch von seinem Job leben können.“
Ein Mindestlohngesetz steht kurz vor der Verabschiedung, ein Vergabegesetz knüpft öffentliche Aufträge an die Einhaltung von bestimmten Anforderungen. „Das sind wichtige Bausteine.“
Auch die Wirtschaftsförderung soll künftig an Kriterien guter Arbeit gekoppelt werden, sagt Günthner. Wirtschaftsförderung sei kein Selbstzweck, sondern Mittel, um vernünftig bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten. Dem Senator schwebt eine Höchstquote für Leiharbeit und Minijobs sowie eine Mindestquote für Ausbildungsplätze vor. Beispiele für ein solches Modell gibt es bereits: Die ostdeutschen Bundesländer Sachsen-Anhalt und Thüringen fördern nur solche Unternehmen, die höchstens 20 beziehungsweise 30 Prozent Leiharbeiter beschäftigen.
„Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsförderung müssen lernen, den Faktor Arbeit wiederzuentdecken“, sagt Dr. Dieter Rehfeld, Direktor am Institut für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen. „Arbeitskräfte werden zum Engpass, nicht mehr unbedingt die Arbeitsplätze.“ Eine „integrative Wirtschaftsförderung“ müsse es sich deshalb zur Aufgabe machen, den Produktionsfaktor Arbeit in den strategischen Fokus zu nehmen, um Fachkräfte an den Standort zu binden oder neue zu gewinnen. · je















