Riesiger Andrang bei der 19. „Nacht der Jugend“ im Bremer Rathaus

Experimentelles Erinnern

Janine (v.l.), Lea, Carina und Carina sehen sich am Stand des Jugendzentrums der Jüdischen Gemeinde einen Film an. Marina Cornea und Daniel Uschpol klären die Besucher bei der 19. „Nacht der Jugend“ auch über Judenfeindlichkeit in Deutschland auf. - Foto: Reineking

Bremen - Von Viviane Reineking. Welch ungewohnter Anblick: Kaum ein Durchkommen gab es am Mittwochabend im Bremer Rathaus. Nicht Politiker tummelten sich auf den Gängen, in der Oberen Rathaushalle, im Fest- und Kaminsaal. Viele Schüler und Besucher hatten sich zur „Nacht der Jugend“ im Weltkulturerbe eingefunden, um Bands zu lauschen, sich über Projekte zu informieren und sich an die Verbrechen der NS-Zeit zu erinnern – genau 78 Jahre nach der Reichspogromnacht.

Welch ein Gewusel, welch ein Andrang! Als das Tanzexperiment des Projekts „xbyz“ gleich zu Beginn startet, passt in den Festsaal des historischen Gebäudes kaum noch jemand hinein. Alle wollen sehen, was die Schüler des Gymnasiums Links der Weser, der Oberschule im Park und der Oberschule Roter Sand im historischen Gebäude auf die Beine stellen. Am Ende des Experimentes gibt es anerkennenden Applaus der jugendlichen Zuschauer. „Wir haben mit den Schülern in ihren Klassen geprobt, es ist heute das erste Mal, dass sie gemeinsam tanzen und dabei zusammenfinden“, sagt Oguzhan Öksüz, der erklärt, was dahintersteckt. „Wenn man in einem fremden Land ankommt, muss man sich auch zurechtfinden, andere Leute kennenlernen.“

Zum 19. Mal hat das Rathaus seine Türen zur „Nacht der Jugend“ geöffnet. Das Motto: „Heimat Europa“. Es soll für Europa werben, für Frieden und Freiheit, für Menschenrechte, für kulturelle und religiöse Freiheit, heißt es. Gekommen sind aber nicht nur Schüler, auch etwa 2  000 Besucher haben die Gelegenheit wahrgenommen, das Rathaus einmal anders kennenzulernen. „Es ist super hier“, sagen Ella Fischer und Sophia Kuprian vom Alten Gymnasium, die zum ersten Mal mit dabei sind. „Die Veranstaltung zeigt doch, wie offen Bremen eigentlich ist“, so die 17-Jährigen. Und: „Die Musik ist total gut.“

Musik machen etwa die Bandmitglieder von „Shelter“. Ihre Liebe zu Funkjazz, Rock und R‘n‘B eint die fünf Schüler der Gesamtschule Mitte, die nach ihrem Auftritt in der Oberen Rathaushalle begeisterte „Zugabe“-Rufe aus dem Publikum ernten. Rapper und Moderator des Abends, Stunnah alias Patrick Kuhn, kündigt jedoch bereits die nächste Band an. Bei den Rockern von „We are Riot“ lichten sich die Reihen dann schon wieder ein wenig, aber schließlich gibt es noch viel mehr zu sehen und zu erleben. Etwa am Stand des Jugendzentrums der Jüdischen Gemeinde in Bremen. Bei Dina Khordakova können die Besucher ihre persönlichen Ideen und Vorstellungen von Europa an eine Pinnwand heften. Gemeinsam mit Leon Klepokow (15 Jahre) klärt sie auch über das Thema Judenfeindlichkeit in Deutschland auf. „Viele denken, dass es das gar nicht mehr gibt, aber das stimmt nicht“, weiß die 25-Jährige.

Zur Diskussion anregen und Denkanstöße geben soll der Kurzfilm „Identität“, den Bremer Jugendbeiräte am Mittwochabend präsentierten. „Jugendbeiräte sollen Jugendlichen die Möglichkeit geben, ihren Stadtteil mitzugestalten“, sagt Luis Immendorf, der im Ortsamt Mitte/Östliche Vorstadt gerade ein freiwilliges politisches Jahr absolviert.

Ausstellungen, Workshops, Theater und Gespräche – kein leichtes Unterfangen, bei so viel Trubel die Erinnerung nicht in den Hintergrund treten zu lassen. Dafür sorgt unter anderem Petra Rosenberg, Schwester von Sängerin Marianne Rosenberg. Ihr Vater Otto Rosenberg hatte als einziger von elf Geschwistern die Konzentrationslager des NS-Regimes überlebt. Heute klärt seine Tochter über die Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland auf.

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