Innensenator Ulrich Mäurer im Interview zum Großeinsatz und zur Sicherheitslage im Land Bremen

„Evakuierung des Weserparks war alternativlos“

IUlrich Mäurer. - Foto: dpa

Bremen - Von Denise von der Ahé. Am Mittwoch hat die Polizei das Einkaufszentrum Weserpark evakuiert, weil dort ein in Niedersachsen zur Fahndung ausgeschriebener 19 Jahre alter algerischer Asylbewerber Mann vermutet wurde, der aus der Psychiatrie Bassum geflohen war. Zum Großeinsatz äußert sich im Interview Innensenator Ulrich Mäurer (SPD).

Können sich die Bürger in Bremerhaven und Bremen noch sicher fühlen?

Mäurer: Wir haben keine gespaltene Sicherheit in der Bundesrepublik. Wir sind so sicher oder auch unsicher wie in anderen Städten. Die Illusion, dass hier gar nichts passieren kann, haben wir nicht. Wir sind daher alle gut beraten, überall aufmerksam hinzuschauen. Es sind ja nicht von langer Hand geplante Anschläge aus dem Ausland, die Deutschland aktuell treffen, sondern wir haben es mit Psychopathen zu tun. Die gab es auch schon vor dem IS-Terror, aber aktuell werden sie – auch angeregt durch die Medien – zunehmend unberechenbarer. Deswegen muss man jeder Warnung hinterhergehen, wie wir es am Mittwoch im Weserpark getan haben.

Verschärfen Sie die Sicherheitsmaßnahmen?

Mäurer: Nein. Es ist eine trügerische Sicherheit zu glauben, dass man mit mehr Polizeipräsenz jeden Psychopathen erkennen kann. Es sind ja zum Glück wenige, die zu Gewalttaten neigen. Man kann nicht jeden Fall vorausahnen.

Waren Sie auf die Evakuierung im Weserpark vorbereitet?

Mäurer: Ja, die Evakuierung des Weserparks war für uns eine normale Standardsituation, wie sie schon x-mal trainiert worden ist. Der Einsatz ist mit großer Ruhe und ohne Panik abgelaufen. Auch, als es noch keinen IS-Terror gab, hatten wir Verrückte, die verkünden, dass sie irgendwo eine Bombe gelegt haben. So etwas passiert einmal in der Woche.

Wäre die Polizei in Bremen und Bremerhaven für eine Lage wie in München gerüstet?

Mäurer: Ich habe überhaupt keinen Zweifel daran, dass wir in der Lage sind, sehr schnell starke und ausreichend ausgestattete Polizeikräfte zu bekommen. Wir haben eigene Kräfte, aber auch eine sehr enge Kooperation mit Niedersachsen und Hamburg. Neben unserem eigenen SEK als Spezialeinheit können wir auf andere Sondereinsatzkommandos zugreifen und die Spezialeinheiten des Bundes abrufen.

Warum muss der psychisch kranke Mann, der den Einsatz im Weserpark ausgelöst hat, nicht zurück in die Psychiatrie? Er war dort doch abgehauen und galt als gefährlich.

Mäurer: Dafür ist die Polizei Diepholz zuständig. Wir waren nur involviert, weil Niedersachsen ihn zur Fahndung ausgeschrieben hatte. Wir haben unsere Aufgabe damit erfüllt, dass wir den Mann an Niedersachsen übergeben haben, nachdem ihn die Bundespolizei schnell am Bremer Hauptbahnhof festgenommen hatte. (...) Es war wohl ohnehin vorgesehen, den Mann aus der Psychiatrie zu entlassen. Ich vermute, dass sich bei den weiteren Ermittlungen herausgestellt hat, dass von ihm keine konkrete Gefährdung ausgeht

War der Mann denn vorher im Weserpark – und war der Polizeieinsatz dann nicht überzogen?

Mäurer: Ob die Zeugenaussage stimmt, dass der Mann zuvor im Weserpark war, kann ich nicht beurteilen. Aber der Einsatz war für uns ohne Alternative. Es handelte sich um einen psychisch kranken und drogenabhängigen Mann, der zur Fahndung ausgeschrieben war und der vorher geäußert hatte, dass er Menschen in die Luft sprengen will. Ob das dann zutrifft oder nicht, kann man vorher nicht beurteilen. Wir haben die Verantwortung für unsere Bürger. Im Zweifel gehe ich da auf die sichere Seite, und wir schauen nach.

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