„Nacht der Jugend“ am Mittwoch

Das Erinnern lebendig halten

Sie freuen sich auf die „Nacht der Jugend“: Derya Keissler (v.l.), Rapper Stunnah und Anne Kahaunen, die ebenfalls zum Organisationsteam gehört. - Foto: Gnuschke

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Etwa 500 Jugendliche haben sie neun Monate lang vorbereitet: die „Nacht der Jugend“. Es ist bereits die 19. Veranstaltung ihrer Art.

Und sie lockt jedes Jahr im November Tausende von jungen Menschen ins Bremer Rathaus. Motto in diesem Jahr: „Heimat Europa“. Am Mittwoch, 9. November, öffnen sich die Rathaustüren ab 18 Uhr zur „Nacht der Jugend“.

„Es ist die Botschaft an alle Jugendlichen: Ihr seid uns wichtig“, sagt Helmut Hafner von der Senatskanzlei mit Blick auf die Öffnung des historischen Gebäudes. Und er fügt gleich hinzu: „Natürlich sind auch Erwachsene willkommen.“ Die Nacht erinnert an die Verbrechen in der Nazi-Zeit und kämpft für eine menschenfreundliche Gegenwart. 78 Jahre nach der Reichspogromnacht haben die jungen Organisatoren diesmal das Motto „Heimat Europa“ gewählt. 

Sie wollen Diskussionen darüber anregen, was jeder tun kann, damit aus dem Traum Europa nicht ein Alptraum wird, wie die Verantwortlichen betonen. Und sie wollen für Europa werben, für Frieden und Freiheit, für Wohlstand und Demokratie, für Menschenrechte, Zivilisation und Kultur, für kulturelle und religiöse Vielfalt. Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) freut sich auf ein umfangreiches Programm mit Musik, Tanz, Ausstellungen, Diskussionen und vielen Informationen. Hafner betont, dass es jedes Mal eine Gratwanderung zwischen Gedenken und buntem Programm ist. „Es ist keine Party“, macht er klar.

Rund 500 junge Menschen kümmern sich um Organisation – vom Catering bis zum Saubermachen. Eine von ihnen, die schon seit Jahren mitmacht, ist Derya Keissler, aufgewachsen in Gröpelingen. „Mich hat die Idee von Anfang an gepackt. Jugendliche, die sonst keine Berührungspunkte mit dem ,unnahbaren' Rathaus haben, sind ins Haus eingeladen“, sagt sie. Und Rapper Stunnah alias Patrick Kuhn will als Moderator die „Brücke zwischen Jung und Alt schlagen“.

Eine Ehrengast der „Nacht der Jugend“ ist in diesem Jahr Petra Rosenberg aus Berlin, Schwester der Sängerin Marianne Rosenberg. Sieling: „Petra Rosenberg ist eine der prägenden Persönlichkeiten der Bürgerrechtsarbeit der deutschen Sinti und Roma. Ihr Vater, Otto Rosenberg, überlebte als einziger von elf Geschwistern die nationalsozialistischen Konzentrationslager.“ 

1998 veröffentlichte der Vater seine Autobiografie „Das Brennglas“, aus der Petra Rosenberg in vielen Veranstaltungen vorgelesen und dabei an Schulen über die Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland aufgeklärt hat. Auch in Bremen will sie das Erinnern lebendig halten, wie es heißt.

In besonderer Weise erinnert die Nacht diesmal an Karlrobert Kreiten. Er war ein hochbegabter Pianist, der am 7. September 1943 von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Sieling: „In diesem Jahr hätte er seinen 100. Geburtstag gefeiert.“ Florian Heinisch, ein junger Pianist, in Eisenach geboren, wird Teile des Konzerts spielen, das Karlrobert Kreiten nicht mehr spielen durfte.

Aufreten werden unter anderem auch Raoky, Denis Fischer, Julie Comparini, Sihäm, Armando Balke Ensemble, Stunnah, Janina Mau, Zako, Pago Balke, die „Zollhaus-Boys“ und „We are Riot“. Zudem hat sich Werder-Trainer Alexander Nouri angekündigt.

www.nachtderjugend.de

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