„Terror“ mit Scherf: Alt-Bürgermeister tritt in Ferdinand-von-Schirach-Stück auf

„Am Ende steht ein Urteil“

Eine Szene aus der Bremer „Terror“-Inszenierung – von links gesehen:Christian Aumer, Martin Leßmann, Franziska Mencz und Henning Scherf. - Foto: Hoppens

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Erst war er Politiker, dann schrieb er Bestseller wie das Buch „Grau ist bunt“, nun tritt er als Schauspieler auf – Bürgermeister a. D. Henning Scherf (SPD). Er spielt in dem Stück eines weiteren Bestsellerautors mit – in dem Stück „Terror“ des Schriftstellers und Strafverteidigers Ferdinand von Schirach („Verbrechen“).

Das Bremer Kriminaltheater, eigentlich noch in der Friesenstraße (Steintor) zu finden und demnächst in Walle, zeigt dieses Stück nicht an seiner bisherigen Stamm-Spielstätte, sondern zunächst einmal an einem Ort, den der Darsteller Scherf ziemlich gut kennt. Die Premiere ist am Donnerstag, 19. Mai, im Bremer Rathaus. Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr in der Oberen Halle – und damit unter anderem in Sichtweite des großen Wandgemäldes „Salomons Urteil“. Einlass ist ab 19.30 Uhr.

Zu sehen ist „Terror“ in der Regie von Christian Kaiser – und zwar als Benefizveranstaltung für „Pan y Arte“, das Nicaragua-Projekt, das Henning Scherf und seine Frau Luise seit vielen Jahren unterstützen.

Worum geht es? Darum: Ein Terrorist kapert eine Passagiermaschine und zwingt die Piloten, Kurs auf ein vollbesetztes Fußballstadion zu nehmen. Gegen den Befehl seiner Vorgesetzten schießt ein Kampfpilot der Luftwaffe das Flugzeug in letzter Minute ab, alle Passagiere sterben. Die Menschen im Fußballstadion sind gerettet. Der Pilot muss sich nun vor Gericht für sein Handeln verantworten. War es richtig? War es falsch? Autor von Schirach stürzt das Publikum mit Absicht in einen Zwiespalt. Es fällt schwer, hier neutral oder unbeteiligt zu bleiben. Vielleicht ist es sogar unmöglich. Ja, ist es – die Theaterbesucher sind die Schöffen, sie stimmen am Ende über Schuld oder Unschuld ab.

„Terror“ gilt als Erfolgsstück der Saison. Im Herbst vergangenen Jahres wurde es uraufgeführt, mindestens 33 Theater werden es bis Mitte 2017 herausgebracht haben. „Das Stück stellt die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen. Werden wir uns für die Freiheit oder für die Sicherheit entscheiden? Wollen wir, dass die Würde des Menschen trotz der Terroranschläge noch gilt? Gerade im Angesicht der jüngsten Anschläge gewinnt diese Frage noch an Brisanz“, so Perdita Krämer vom Bremer Kriminaltheater, das mit Stückauswahl und der prominenten Besetzung einen gleich doppelten Coup gelandet hat. Henning Scherf – von Haus aus ja Jurist – übrigens spielt den Vorsitzenden Richter.

In weiteren Rollen: Christian Aumer (Lars Koch, Angeklagter), Martin Leßmann (Biegler, Verteidiger), Franziska Mencz (Nelson, Staatsanwältin), Christian Kaiser (Christian Lauterbach, Zeuge) und Bianca Oostendorp (Franziska Meisner, Nebenklägerin).

„Das Stück sorgt für Furore. Unter anderem deshalb, weil es sein Publikum spaltet; es schafft Mehrheiten und Minderheiten“, so Perdita Krämer weiter. „Am Ende steht ein Urteil. Wie es aussieht, weiß man nicht. Aber ein Patt ist nicht vorgesehen.“ Und das ist im Theater ja mal was Neues – kein bekannter Schluss, kein offener Schluss. Sondern immer ein anderer Schluss – je nach Publikumsentscheidung.

Premiere: 19. Mai um 20 Uhr in der Oberen Rathaushalle. Voraufführungen: 17. und 18. Mai im Bremer Kriminaltheater (Friesenstraße, jeweils um 20 Uhr). Weitere Vorstellung im Kriminaltheater: Sonntag, 22. Mai, 19 Uhr. Informationen gibt es auf der Webseite.

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