70 Jahre CDU Bremen: Oppositionszeiten, Skandale und Regierungsbeteiligungen

Eine Versammlung im Haus „Vorwärts“

Bürgerschaftshandbuch und Fotoalbum auf dem Fernsehschrank – ein nostalgisches 50er-Jahre-Arrangement in der Ausstellung im Bremer CDU-Haus. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Abhörwanzen im Parteihaus, quälende Streitereien um Richtung und Vorsitz, Berichte über einen ehemaligen Finanzsenator auf der Flucht vor Gläubigern – in der Geschichte der Bremer CDU gibt es das eine oder andere ziemlich unangenehme Kapitel. Zugleich besinnen sich Volksparteien wie die CDU auf das identitätsstiftende Kapital, das ihrer Geschichte innewohnt – das ist wichtig, denn schließlich laufen den Volksparteien Mitglieder und Wähler davon. Die Bremer CDU feiert jetzt den 70. Jahrestag ihrer Gründung mit einer Ausstellung.

Der Fokus liegt dabei nicht auf den unangenehmen Kapiteln. CDU-Landeschef Jörg Kastendiek eröffnet die Schau mit dem Titel „70 Jahre CDU Bremen – Ansichten einer Volkspartei“ am Montag, 13. Juni, um 18 Uhr in der Parteizentrale (Am Wall 135). Kastendiek ist – wie der Fraktionsvorsitzende Thomas Röwekamp und der Bürgerschaftsabgeordnete Jens Eckhoff – einer von jenen, die sich Ende der 80er, Anfang der 90er aufmachten, ihre Partei deutlich zu verjüngen. Zugleich thronte Bernd Neumann parteiintern über allem; jedenfalls hatte er am Ende doch immer die entscheidenden Fäden in der Hand. Kritiker sagen, das „System Bernd Neumann“ habe der Partei Schaden zugefügt.

Ins Amt gekommen war der scharfzüngige Rhetoriker im Jahr 1979, als der damalige Bremer CDU-Vorsitzende Uwe Hollweg wegen der Kanzlerkandidatur von Franz Josef Strauß zurücktrat. Bis 2008 blieb Neumann dann Parteichef in Bremen. Er war der am längsten amtierende Landesvorsitzende in der Geschichte der Partei.

Karl Carstens (r.) anno 1950 auf USA-Reise mit Bürgermeister Wilhelm Kaisen (Mitte ). In Verhandlungen mit Amerikas Außenminister Dean Acheson (Mitte) ging es um die Freigabe des deutschen Schiffbaus. - Foto: Staatsarchiv Bremen

In Bremen wurde diese Partei an einem Ort gegründet, der seinen Namen von einem Arbeiterbildungsverein bekommen hat – im Haus „Vorwärts“ an der Sandstraße (heute: Haus der Wissenschaft). Am Sonntag, 16. Juni 1946, kamen hier 131 Bürger zusammen, um die Christlich-Demokratische Union für Bremen zu gründen. Ehemalige Anhänger der katholischen Zentrumspartei waren ebenso unter den Gründern wie evangelische Christen.

Die multimediale Ausstellung im CDU-Haus, die unter Leitung des Historikers Andreas Bösche entstanden ist, orientiert sich mit Bildern und Plakaten, Interviews und Videos vor allem an prägenden Köpfen der Jahre und Jahrzehnte seit 1946.

Ein Beispiel ist der Bremer CDU-Politiker Karl Carstens (1914 bis 1992), der von 1979 bis 1984 Bundespräsident gewesen ist. Während der NS-Zeit hatte er Rechtwissenschaften studiert, nach dem Krieg wurde er in Bremen als Rechtsanwalt zugelassen. Von 1940 bis 1945 war er Mitglied der NSDAP gewesen. 1955 trat er der CDU bei. Schon zuvor galt er als CDU-nah. Er wurde erster Landesbeauftragter Bremens beim Bund und setzte sich an der Seite von Nachkriegsbürgermeister Wilhelm Kaisen (SPD, 1887 bis 1979) für Bremens Eigenständigkeit ein.

Zukunft? Die Bremer CDU-Bahn fuhr lange Zeit hauptsächlich in Richtung Opposition. - Foto: Staatsarchiv Bremen

Kaisen plädierte im Sinne eines Neuaufbaus stets für das inzwischen sprichwörtliche „Bündnis von Kaufleuten und Arbeiterschaft“. Ab 1951 saß die CDU mit im Senat. Bis 1959 blieb die Union an der Weser mit in der „Regierungsverantwortung“, wie es immer so schön staatstragend heißt (auch in der Ausstellung). Regierungsverantwortung sollte die CDU in Bremen danach erst 1995 wieder übernehmen – in den Jahren der großen Koalition von 1995 bis 2007.

SPD-Bürgermeister Henning Scherf gewöhnte sich so sehr an die Union um Ulrich Nölle und Hartmut Perschau, dass manchmal – etwa im Wahlkampf – gar nicht mehr so genau zu erkennen war, zu welcher Partei er gehörte. In Scherfs eigener Partei kam das auf Dauer nicht durchweg gut an. Nach Scherfs Rückzug führte dessen Nachfolger Jens Böhrnsen die dritte Auflage der großen Koalition noch zu Ende, aber danach kam Rot-Grün.

Die Ausstellung „70 Jahre CDU Bremen“ ist bis August zu sehen. Öffnungszeiten: montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr.

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