Borgward will wieder Autos in Bremen bauen

Eine Legende kehrt zurück

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Der neue Borgward – ein SUV namens BX 7 – wurde vor gut einem Jahr auf dem Bremer Marktplatz präsentiert. Bislang wird das Modell nur in China produziert und verkauft. 

Bremen - Von Jörg Esser. Noch ist alles Spekulation. Doch die Anzeichen verdichten sich, dass der Automobilhersteller Borgward nach Bremen zurückkehrt und womöglich an der Weser wieder Autos produziert. Für Mittwoch jedenfalls haben Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) und die Borgward Group AG zu einer Pressekonferenz in den Festsaal des Rathauses eingeladen. Großes Kino also.

In der Stuttgarter Deutschland-Zentrale von Borgward heißt es: „Lassen Sie sich überraschen.“ Senat und Autobauer haben Stillschweigen vereinbart. Unter der Hand wird über ein „ganz großes Ding“ spekuliert. Die Rückkehr einer Legende.

Die Borgward Group fährt ihre Spitzenkräfte auf – Ulrich Walker, den Vorstandsvorsitzenden, und Christian Borgward, den Aufsichtsratsvorsitzenden. Christian Borgward ist der Enkel des einstigen Bremer Autokönigs Carl  F.  W. Borgward.

Borgward hat in Bremen eine große Vergangenheit. Das Unternehmen war lange einer der größten Autohersteller Deutschlands, bevor 1961 das Aus kam. Danach verschwand die Marke in der Versenkung. Borgward-Enkel Christian bastelte am Comeback – und fand in China Unterstützer. Im März 2014 kaufte der chinesische Lkw-Hersteller Beiqi Foton Motor die Namensrechte. Im Mai 2015 gründete Christian Borgward die Borgward Group AG als europäische Firmenzentrale. Der Sitz wurde nach Stuttgart verlegt. Auf der Automobilausstellung IAA 2015 in Frankfurt wurde der erste neue Borgward vorgestellt – ein SUV namens BX 7. Mit dem Rhombus am Kühlergrill. Autoexperten sprechen von einem „chinesischen Europäer“.

Die Produktion der ersten Fahrzeuge lief in diesem Jahr in einem neuen Werk in Peking an. Im Juli und August wurden nach Angaben der Firma mehr als 9. 000 Fahrzeuge verkauft. Auf dem Genfer Auto-Salon in diesem Jahr wurden der kleinere BX 5 und der BX 6 TS präsentiert.

Borgward plant nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie im kommenden Jahr die Rückkehr auf den europäischen Markt. Und sucht dafür eine Produktionsstätte in Deutschland, in der womöglich Hybrid-SUVs gebaut werden sollen.

Alles passt zur Einladung an die Presse. Inklusive Fototermin und Akkreditierungsaufforderung. Schon wird spekuliert, dass womöglich ein Montagewerk in Bremerhaven gebaut wird. Nach Informationen von Radio Bremen sollen vorgefertigte Autoteile aus China in die Seestadt verschifft und dann dort zusammengebaut werden. Andererseits werden Automarkt-Experten zitiert, die eher ein Auslieferungswerk oder ein Ausliefererungszentrum in Bremen erwarten.

Kehrt Borgward heim?

Details werden am Mittwoch verraten. Leuchtende Augen sind garantiert. Borgward ist Bremer Geschichte. Von 1938 bis zum Ende 1961 baute Borgward in der Hansestadt Personenwagen – die „Isabella“ in Sebaldsbrück, dort wo heute Mercedes Autos produziert, den „Goliath“ in Hastedt, den Kleinwagen „Lloyd“ in der Neustadt. Borgward stieg in den 50er Jahren zum viertgrößten deutschen Automobilhersteller auf. Zu Spitzenzeiten arbeiteten rund 23. 000  Menschen bei der Unternehmensgruppe.

Neue und alte Borgward treffen sich

Ende 1960 wurde dann bekannt, dass Borgward nur mit Millionenkrediten aus öffentlicher Hand bestehen konnte. Für das im Winter stagnierende Autogeschäft beantragte die Borgward-Gruppe vor allem bei der Bremer Landesbank einen Kredit über 30  Millionen DM, der in drei Monatsraten à zehn Millionen DM ausgezahlt werden und für den der Senat bürgen sollte. Doch die Bremer Landesregierung verweigerte die Unterstützung.

Am 28. Juli 1961 gingen bei Borgward die Lichter aus, die Automobilproduktion wurde eingestellt, 15. 200 Borgward-Mitarbeiter standen mit einem Schlag auf der Straße. Firmenchef Carl F. W. Borgward starb zwei Jahre später.

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