Das „Antikolonialdenkmal“ muss saniert werden

Eine Kur für den Elefanten

Der Elefant in der Nähe der Bürgerweide stammt aus den 30er Jahren. Er wurde zum „Antikolonialdenkmal“ umgewidmet – und ist mittlerweile in einem schlechten Zustand. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Dem Elefanten geht es nicht gut, aber jetzt soll ihm geholfen werden. Das steinerne „Antikolonialdenkmal“ an der Gustav-Deetjen-Allee – in Sichtweite der Bürgerweide – wird saniert, und das gründlich. Andernfalls könnte ihm buchstäblich der Rüssel abfallen.

180.000 Euro kostet die Kur. 60.000 Euro davon kommen aus einem Denkmalpflegetopf des Bundes, sagte Umwelt-Staatsrat Ronny Meyer gestern. Bis Jahresende sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Damit der Elefant unbeschadet durch den Winter kommt.

Selbstverständlich wäre das nicht. Denn gegenwärtig ist er stark „durchfeuchtet“, wie die Fachleute bildhaft sagen. Durch die Ausdehnung bei starkem und andauerndem Frost könnten Teile des Elefanten herausbrechen. Der Frost würde die zehn Meter hohe Figur mit dem 50 Zentimeter dicken Mauerwerk förmlich sprengen.

So wird der Elefant nun, im Sommer, erst einmal komplett eingerüstet, um wetterunabhängig an ihm arbeiten zu können. Nach einer Hochdruck-Grundreinigung beginnt eine ganz genaue Schadenaufnahme. Anschließend werden defekte Steine ausgetauscht. Dann wird die monumentale Figur aus dunkelrotem Oldenburger Klinker, die seit 2008 unter Denkmalschutz steht, neu verfugt. Zudem soll die Entwässerung verbessert werden. Die Podeste werden praktisch neu errichtet, damit das Wasser in Zukunft ordentlich abfließen kann.

Aus dem Kopf des Elefanten wuchert das Grün. Jetzt wird das Denkmal saniert. - Foto: Kuzaj

In den 80er Jahren, als man sich dem politischen Erbe des Kolonialismus wieder zuwandte und sich verstärkt damit zu beschäftigen begann, war der Elefant schon einmal gründlich saniert worden – leider (aus der Sicht von heute) nach dem damaligen technischen Kenntnisstand. Unter der in den 80ern eingefügten Abdichtung gegen den Regen sammelt sich heute das Wasser und setzt dem Elefanten zu.

Der Elefant, nicht nur zu Freimarktszeiten ein beliebter Treffpunkt, ist 1931/32 als „Kolonialdenkmal“ errichtet worden. Mit dem Verlust der Kolonien nach dem Ersten Weltkrieg konnte so manch vermögender Bremer sich nur schwer abfinden, hatte die Hansestadt doch (auch) vom Kolonialhandel profitiert. Der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz (1834 bis 1886) etwa hatte Deutsch-Südwestafrika (heute: Namibia) „erworben“. „Der Elefant war ein Symbol für die Forderung, dass Deutschland seine Kolonien zurückbekommt“, sagt Ralph Saxe (Grüne). Der Bürgerschaftsabgeordnete ist Vorsitzender des Vereins, der sich um den Elefanten kümmert.

Entworfen hatte die Figur der Bildhauer Fritz Behn (1878 bis 1970), der für seine Tierdarstellungen bekannt war. Politisch stand er nicht auf der Seite der Demokraten:1927 wurde er Mitarbeiter des NSDAP-Organs „Völkischer Beobachter“. Den Bau des Elefanten führte Behn nicht selbst aus, das machte der Bremer Architekt Otto Blendermann (1879 bis 1944).

1989 wurde beschlossen, das Denkmal umzuwidmen. 1990 ist der Elefant dann als „Antikolonialdenkmal“ neu eingeweiht worden. In Sichtweite des Elefanten wurde 2009 ein Herero-Mahnmal für die Opfer deutscher Truppen in Namibia eingeweiht. Die Grünfläche rund um den Elefanten heißt seit Sommer 2014 Nelson-Mandela-Park.

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