Matthias Wolff über die Galapagosinseln

„Ein Labor in der Natur“

Matthias Wolff vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT) zeigte die Einzigartigkeit, aber auch Verwundbarkeit der Galapagosinseln auf. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Einzigartig und bedroht: Die Galapagosinseln sind das wohl unberührteste Archipel der Welt und doch gefährden menschliche Einflüsse die Natur dort zusehends. Bei der Vortragsreihe „Wissen um 11“ im Haus der Wissenschaft referierte Matthias Wolff am Sonnabend über die Inselgruppe und ihre einzigartige Natur – und versuchte die Frage zu klären, ob Galapagos ein Modell für nachhaltige Entwicklung sei.

Drei Jahre hat er selbst dort verbracht, kennt die Natur, die wohl an keinem Ort der Welt so faszinierend und widersprüchlich ist, wie auf der Inselgruppe, die auch Kolumbusarchipel genannt wird. Matthias Wolff, Professor am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT), weiß, wie zerbrechlich das natürliche Konstrukt dort sein kann. Aus Vulkanausbrüchen über Millionen Jahre geformt, beeinflusst durch ihre spezielle Lage am Äquator und dem kalten, aber sehr nährstoffreichen Wasser des Humboldtstroms, hat sich ein Lebensraum entwickelt, der einmaliger kaum sein kann. Fast die Hälfte der dort ansässigen Flora und Fauna ist endemisch, das heißt, sie kommen nur dort vor.

„Es ist ein Labor in der Natur“, so Wolff, der damit die Artenvielfalt auf überschaubaren Raum meint. Bis heute leben auf den 13 Inseln nicht mehr als 40 000 Menschen, dennoch musste und muss sich die Natur immer wieder gegen eingeschleppte Tiere wehren – zum Teil mit Erfolg, sagt Wolff, der einige Maßnahmen aufzeigt.

So werde jeder Tourist bei der Einreise penibel untersucht, mitgebrachte Pflanzensamen und Nahrungsmittel bei Auffinden sofort vernichtet. Viele einzelne Interessengruppen seien im stetigen Austausch und pflegten ein „partizipatives Management“. Neben ausgeklügeltem Recycling werden den einzelnen Inseln außerdem laut Wolff klare Nutzungen zugewiesen. 97 Prozent der Landfläche sind heute Nationalpark, industrielle Fischerei ist verboten.

Gemeinsame Visionen

In Zukunft sei es wichtig, eine „gemeinsame Vision für die Inseln zu schaffen“, meint Wolff und spricht damit auch den Massentourismus an, den es zu vermeiden gelte. In den vergangenen Jahren hätten besonders eingeschleppte Tiere das natürliche Gleichgewicht immer wieder auf die Probe gestellt. Noch heute stellten zum Beispiel Feuerameisen eines der größten Probleme dar. „Die fressen sogar Eier der berühmten Galapagos-Schildkröte.“ Aktuell sei zudem das unkontrollierte Ausbreiten von Brombeerbüschen eine große Gefahr für das Archipel. Die Forschungen dazu laufen gerade auf Hochtouren.

Mehr zum Thema:

Mobiler Massagesalon: Wohlfühloase Auto 

Mobiler Massagesalon: Wohlfühloase Auto 

Weihnachtsmarkt in Twistringen

Weihnachtsmarkt in Twistringen

Feuer in Mehrfamilienhaus in Bremen

Feuer in Mehrfamilienhaus in Bremen

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Meistgelesene Artikel

Feuer in Mehrfamilienhaus - 25 Bewohner verletzt

Feuer in Mehrfamilienhaus - 25 Bewohner verletzt

Weltkriegsbombe in Bremen entschärft

Weltkriegsbombe in Bremen entschärft

Sparkasse Am Brill: Käufer gesucht

Sparkasse Am Brill: Käufer gesucht

Drei Meter dicke Mauern

Drei Meter dicke Mauern

Kommentare