Was aus den Testreihen der Modellregion Bremen/Oldenburg geworden ist

E-Auto: Lange Leitung

+
Zu wenig Zapfsäulen? Zu hohe Subventionierung der Automobilindustrie? Über die Zukunft der Elektromobilität wird leidenschaftlich gestritten.

Bremen - Von Heinrich Kracke. Als unter der Woche die ersten Nachrichten von Bundeszuschüssen für den Kauf von Elektroautos durchsickerten, da hatte er keine Zeit. „Dienstreisen, viele Termine,“ sagt Dr. Gerald Rausch. Als die Dinge rund um die Stromer, die jeden Autofahrer interessieren, aber kaum jemand kauft, in aller Heftigkeit auf den Tisch kamen, und jeder seinen Senf dazugab, da hielt er sich zurück.

Er, der vor einem halben Jahrzehnt die Schrittmacherdienste in Sachen Elektromobilität geleistet hatte und die Modellregion Bremen/Oldenburg aus der Taufe hob und wortreich für die lautlose Form der Fortbewegung warb und eine Testreihe nach der anderen leitete, er blieb erstaunlich stumm. „Wir haben die technische Machbarkeit in vielen Testreihen unter Beweis gestellt,“ sagt er. Und belässt es dabei. Leidenschaftlich streiten sie über die 4000 Euro, die mal in der Schublade „wichtige Anschubfinanzierung“, mal in der Schublade „schönes Geschenk an die Autokonzerne“ landen. Dann streiten sie über die Infrastruktur, über die Elektrozapfsäulen, die zu rar gestreut seien, weil die Stromer mit ihren kurzen Reichweiten immer noch nicht von einer Säule zur nächsten kommen. Rausch äußert sich nicht dazu. Der Forscher am Fraunhofer-Institut in Bremen wirft nur noch gelegentlich einen Blick in die Elektroauto-Zukunft. „Glauben Sie, dass in zehn Jahren noch irgend jemand sein Kabel in eine Säule steckt?“

Er jedenfalls glaubt es nicht. Muss er auch nicht. Er hat Versuchsreihen geleitet, in denen alternative Stromversorgungen getestet wurden. „Dynamische induktive Energieübertragung“ hieß eine dieser Testreihen. Über Induktionsspulen dem Auto während der Fahrt Strom zuzuführen, lautete der Ansatz. Wie bei kleineren Haushaltsgeräten, bei der elektrischen Zahnbürste zum Beispiel, die ebenfalls berührungslos „aufgetankt“ wird, versuchten es die Forscher nun mit einem Bus, den sie auf eine 25 Meter lange Teststrecke in Papenburg rollen ließen. Und kurze Zeit später auch mit einem Sportwagen.

„Beides funktioniert. Fahrzeuge können tatsächlich während der Fahrt aufgeladen werden.“ Die Testergebnisse liegen nicht etwa wenige Tage zurück, die Testreihe wurde vor drei Jahren abgeschlossen. In Serie gegangen ist die Technik noch nirgends, obwohl damit das leidige Problem der mickrigen Batterie-Ladungen endlich beseitigt wäre. Stattdessen wird weiterhin an leistungsstärkeren Batterien getüftelt, seit Jahren schon, und seit Jahren keine nennenswerten Fortschritte. Auch Straßenabschnitte mit Induktionsschleifen werden noch nirgendwo geplant. Am Geld kann es nicht liegen. In Deutschland vertanken Auto- und Lastwagenfahrer 60 Milliarden Euro pro Jahr. Etwa die Hälfte landet in der Staatskasse.

Die tatsächlichen Probleme liegen woanders. Der Diepholzer Wilhelm Paradiek zum Beispiel. Er gehörte zu den vielen Autofahrern, die einen Stromer erhielten, um ihn auf seine Alltagstauglichkeit zu testen. In der Modellregion Bremen/Oldenburg wurden ausdrücklich Fahrer außerhalb der Großstädte gesucht. „Kein Problem,“ sagt der Diepholzer Testpilot, „das Auto lief zuverlässig, es versah die Aufgaben, für die es gedacht war.“ Auch das Problem der geringen Reichweite sei gar keines. „Es gibt höchstens eine falsche Fahrplanung.“ Der Wagen sei nie irgendwo auf halber Strecke liegengeblieben.

Und warum hat er nicht nach der zeitlich begrenzten Testphase ein eigenes E-Auto erworben? „Zu teuer, es rechnet sich nicht im Vergleich mit einem Benziner oder Diesel.“ Und schon war es wieder da, das ewige Problem, und es hat sich sogar noch verschärft. „Die E-Autos sind zu teuer,“ sagt Forscher Rausch. „Wir sind im Jahr 2009 gestartet. Damals lagen die Spritpreise schon hoch. Aber auch damals war schon klar, dass die Spritpreise weiter steigen müssen, wenn sich E-Autos eines Tages rechnen sollen. Aber was passiert? Der Spritpreis ist gesunken.“

Alles also vergebliche Liebesmüh, die gegenwärtig mit Kaufanreizen eine nächste Stufe erklommen hat? Ganz hat Rausch die Hoffnung nicht aufgegeben. „Das Fahren im Elektro-Auto muss bequemer, es muss attraktiver gemacht werden.“ Es müsse „sexier werden.“ ‹

Mehr zum Thema:

Immer mehr Wohnungslose in Deutschland

Immer mehr Wohnungslose in Deutschland

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Weihnachtsmarkt in Nordwohlde

Weihnachtsmarkt in Nordwohlde

Klaus Allofs' Erfolge

Klaus Allofs' Erfolge

Meistgelesene Artikel

Feuer in Mehrfamilienhaus - 25 Bewohner verletzt

Feuer in Mehrfamilienhaus - 25 Bewohner verletzt

32-Jähriger bei versuchtem Diebstahl schwer verletzt

32-Jähriger bei versuchtem Diebstahl schwer verletzt

Großbrand zerstört Gebäude vollständig

Großbrand zerstört Gebäude vollständig

Maffays Rockspektakel „Es lebe die Freundschaft“ wartet mit Staraufgebot auf

Maffays Rockspektakel „Es lebe die Freundschaft“ wartet mit Staraufgebot auf

Kommentare