Bremer Schüler besuchen Partnerstadt Izmir / Auseinandersetzung mit Vorurteilen

Döner und Kopftücher

Acht Schüler der Neuen Oberschule Gröpelingen haben mit ihren Lehrern Haluk Könen und Katja Locklair Bremens türkische Partnerstadt Izmir besucht. - Foto: Reineking

bremen - Von Viviane Reineking. Welche Vorstellungen haben wir von der Türkei, welche Vorurteile bestimmen unser Bild? Das haben sich acht Bremer Neuntklässler gefragt. Ihre Gedanken und Ideen sind der Stoff für ein binationales Theaterprojekt. Das Besondere: Eine Hälfte des Bühnenstückes entstand an ihrer Schule, die andere erarbeiteten türkische Schulkameraden in Bremens Partnerstadt Izmir.

„Alle Frauen tragen Kopftücher, alle Menschen essen Döner und sind verschlossen“, nennt Orfe Beispiele für vorgefasste Meinungen über die Menschen in der Türkei. Auch der 15-Jährige und seine Schulkollegen haben solche Vorurteile gehabt. Sie besuchen die Neue Oberschule Gröpelingen (NOG) in einem Stadtteil, der seit den 60er Jahren stark geprägt wurde von türkischen Arbeitern, die sich im Bremer Westen ansiedelten. An der NOG selbst haben etwa 75 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund, viele von ihnen einen türkischen, wie Direktorin Sabine Jacobsen sagt.

Ob ihre Vorstellungen sich mit der Wirklichkeit decken, das wollten die acht Schüler genauer wissen. Finanziert von der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke, eine Initiative der Stiftung „Mercator“, reisten sie für einige Tage an die türkische Ägäisküste. Dort trafen sie Schüler der Partnerschule „Güzelyal Ortaokulu“, arbeiteten am gemeinsamen Theaterprojekt und lernten das Leben in ihren Gastfamilien kennen.

Zuvor aber kreierten die Bremer Jugendlichen zusammen mit ihren Lehrern Haluk Könen und Katja Locklair sowie mit der Theaterpädagogin Julie Käßner ihren Part des deutsch-türkischen Theaterstücks. Noten gibt es dafür keine, trotzdem engagieren sich die Schüler mit viel Herzblut. In einem kreativen Prozess ist eine Geschichte über eine in Deutschland geborene Schülerin mit türkischen Wurzeln entstanden, deren Vater in der Türkei einen Job annimmt. Das Mädchen sieht sich mit zahlreichen Vorurteilen konfrontiert, sowohl von seinen deutschen als auch von den türkischen Mitschülern.

Im September folgt der zweite Teil des Austausches: Dann kommen die Schüler aus Izmir nach Bremen. Gemeinsam wollen sie ihr Theaterstück aufführen. Die Städtepartnerschaft zwischen Bremen und Izmir besteht seit 1996. „Die Idee war, mit diesem Projekt auch auf der schulischen Ebene zusammenzuarbeiten“, so die Bio- und Englischlehrerin Katja Locklair.

Im Mittelpunkt des Projektes aber steht nicht das Spiel auf der Bühne, sondern die Begegnung im Alltag. Aus Izmir haben die Bremer Jugendlichen denn auch wichtige Erkenntnisse mitgebracht: Religion spielt für die Menschen in der Türkei häufig nicht so eine große Rolle wie für die Türken, die etwa in Bremen leben, so ihre Erfahrung. „Kopftücher tragen dort hauptsächlich ältere Frauen“, sagt die 16-jährige Sophie. „Und viele laufen so wie wir in kurzen Hosen und T-Shirts herum.“ Döner haben sie während ihres Austausches nur einmal gegessen: Die werden dort ganz anders zubereitet als hier, so die Jugendlichen. Von aktuellen politischen Spannungen zwischen den beiden Ländern habe man dort übrigens nichts gespürt, so Jason (15).

Eines aber hat die Schüler besonders beeindruckt: „Wir alle haben nicht mit dieser Offenheit und Herzlichkeit gerechnet, mit der man uns dort begegnet ist“, strahlt der gleichaltrige Fabio. Und Jason ist begeistert: „Wir wurden so behandelt, als würden wir zur Familie gehören.“

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