Die Bremer SPD hat jetzt eine Chefin

Deutliches Votum für Sascha Aulepp

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Applaus und rote Nelken für die neue SPD-Chefin Sascha Aulepp. Links applaudiert ihr Vorgänger Dieter Reinken.

Bremen - Die SPD in Bremen hat sich neu aufgestellt. Mit einer Frau an der Spitze will die Regierungspartei an der Weser für mehr soziale Gerechtigkeit, gegen Arbeitslosigkeit und gegen die AfD kämpfen. Die Bürgerschaftsabgeordnete Sascha Karolin Aulepp wird in den nächsten zwei Jahren die Bremer SPD führen.

Sie wurde am Sonnabend beim Parteitag im BLG-Forum (Überseestadt) mit 87,4 Prozent der Delegiertenstimmen zur neuen Landesvorsitzenden der Sozialdemokraten gewählt. 194 Delegierte stimmten mit „Ja“, 17 mit „Nein“, elf enthielten sich – ein deutliches Votum.

„Ich bin glücklich und stolz“, sagte die Juristin, die erst seit 2015 in der Bürgerschaft sitzt. Im BLG-Forum war sie die einzige Kandidatin, nachdem sie sich – wie berichtet – zuvor in einer Mitgliederbefragung klar gegen Mustafa Güngör durchgesetzt hatte. Und Ex-Vulkan-Chef Friedrich Hennemann (79) hatte dann doch auf eine Kandidatur verzichtet.

Sascha Aulepp ist die dritte Frau an der Spitze der Bremer SPD seit 1949. Die Jugendrichterin ist verheiratet, Mutter zweier Kinder (zehn und 18 Jahre) und lebt seit 25 Jahren in Bremen. Von 2005 bis 2008 war sie Referentin im Büro des damaligen Bürgermeisters Jens Böhrnsen (SPD). Ihre Tätigkeit als Richterin am Amtsgericht Bremen ruht für die Zeit der Mandatsausübung. Die Gewerkschafterin ist seit 2005 SPD-Mitglied.

Aulepp hat sich mehr soziale Gerechtigkeit auf die Fahnen geschrieben sowie den „entschiedenen und lautstarken Kampf“ gegen Rechts. „Die Populisten von der AfD spielen sich als Vertreter der kleinen Leute auf, hetzen gegen Flüchtlinge und Ausländer auf widerliche, völkische und rassistische Art und Weise“, sagte die 45-Jährige. Da müsse die SPD inhaltlich gegenhalten.

Glückwünsche bekam Aulepp auch von Bürgermeister Carsten Sieling (SPD), der seine Partei an der Weser selbst als Landeschef von 2004 bis 2006 führte. Die Menschen in Bremen und Bremerhaven erwarteten, dass die SPD der stabile Faktor sei. Die rot-grüne Koalition, die in Bremen bereits in dritter Legislaturperiode regiert, trage eine sozialdemokratische Handschrift.

Sieling kritisierte mit Blick auf die Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen die Haltung der Bundesregierung. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) habe nur seine „schwarze Null“ vor Augen und denke nicht daran, wie es weitergehen könne. Sparen sei wichtig, aber wer auf Bildung und Investitionen verzichte und Integration unterlasse, der versündige sich an zukünftigen Generationen. „Die ,schwarze Null‘ überlassen wir den schwarzen Nullen“, so Sieling.

Das kleinste deutsche Bundesland ist mit mehr als 21 Milliarden Euro verschuldet. Aulepp hatte bereits vor ihrer Wahl eingeräumt, dass der Spielraum eingeengt sei. Allerdings gibt es aus ihrer Sicht „Schlimmeres“ als einen hohen Schuldenstand: „Und das ist, den jetzt in Bremen und Bremerhaven lebenden Menschen und auch den nachfolgenden Generationen eine soziale Infrastruktur zu hinterlassen, die kaputtgespart worden ist.“

Der Parteitag gedachte auch des am 21. April im Alter von 87 Jahren gestorbenen ehemaligen Bremer Regierungschefs Hans Koschnick. Ein Banner neben dem Rednerpult zeigte ein schwarz-weißes Koschnick-Porträt. Der scheidende SPD-Vorsitzende Dieter Reinken, der nach zwei Jahren nicht mehr zu Wahl antrat, erinnerte an die klare Haltung, die Hans Koschnick stets an den Tag gelegt habe. „Nie belehrend, nie von oben herab, nie anbiedernd, sondern auf Augenhöhe“ – so beschrieb Reinken Koschnick.

Am Mittwoch werden zu einer Gedenkfeier und einem Staatsakt für Koschnick etwa 1.000 Gäste im Bremer Dom erwartet.

dpa/kuz

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