Daimler will neues Elektroauto bei Mercedes-Benz in Sebaldsbrück bauen

Von Bremen aus in die Zukunft

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Daimler wird im Bremer Mercedes-Benz-Werk sein erstes Serienmodell der neuen Generation von Elektrofahrzeugen bauen: Daimler-Chef Dieter Zetsche (2.v.r.), Markus Schäfer (Mercedes-Benz Cars, r.), der Bremer Standortleiter Peter Theurer (2.v.l.) und der Bremer Betriebsratschef Michael Peters (l.) mit dem EQ-Showcar, das in Paris Weltpremiere feierte.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Bingo! Nach der geplanten Rückkehr von Borgward an die Weser eine weitere gute Nachricht für Bremen: Daimler wird das erste neue Elektroauto im Mercedes-Benz-Werk in Sebaldsbrück bauen. Das Fahrzeug der Produktmarke EQ im Look eines sportlichen SUV-Coupés soll zum Ende des Jahrzehnts in Bremen vom Band laufen und eine Reichweite von 500 Kilometer haben. Damit peilt Mercedes eine ordentliche Strecke an, denn die Reichweite ist bisher der große Nachteil von E-Autos.

Was sich vor wenigen Tagen bereits andeutete, ist seit Donnerstag Gewissheit: Daimler-Vorstand Dieter Zetsche gab auf einer Konferenz an der Jacobs-Universität in Grohn bekannt, dass das neue Elektroauto EQ im Werk an der Weser gebaut werden soll. Damit fiel die Wahl auf den volumenstärksten Produktionsstandort von Mercedes-Benz weltweit. Mehr als 360.000 Automobile liefen hier 2015 vom Band. Und es werden immer mehr.

Sebaldsbrück ist das führende Werk für die Produktion von C-Klasse und GLC auf vier Kontinenten und nimmt damit eine Schlüsselposition ein. Die Freude bei den Bremer Autobauern und der Politik über die Nachricht von Zetsche ist groß. Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) sagte: „Diese zukunftsweisende Entscheidung von Daimler schafft erneut Chancen für Arbeitsplätze und Wachstum in Bremen und für den ganzen Nordwesten. Die Entscheidung ist aber auch ein großartiges Kompliment für den starken Wirtschaftsstandort Bremen.“ Bremen sei damit nicht nur Teil der digitalen Epochenwende im Automobilbau, „sondern wir sind ganz vorne mit dabei“, so der Bürgermeister.

Vorteilhafte Infrastruktur

Und Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) sagte, Bremen punkte mit seiner vorteilhaften Infrastruktur. Die Daimler-Entscheidung bedeute, dass Bremen bei der Entwicklung des Autos der Zukunft eine Spitzenposition einnehme. „Insofern hat dies für den Industriestandort Bremen eine durchaus historisch zu nennende Dimension. Und es zeigt, wie wichtig es ist, die Entwicklung eines Unternehmens wie Mercedes-Benz über Jahrzehnte kontinuierlich zu begleiten. Mit den Entscheidungen zur Weiterentwicklung des Gewerbegebietes Hansalinie haben wir gerade in der jüngeren Vergangenheit wesentliche Voraussetzungen für eine optimale Infrastruktur getroffen“, betonte Günthner, der am Vortag bei der Borgward-Präsentation gesagt hatte, „Bremen hat Auto im Blut“. Wie berichtet, will auch Borgward in Bremen Elektroautos montieren.

Zetsche betonte am Donnerstag in Bremen: „Emissionsfreie Automobile sind die Zukunft.“ Daimler vertraue bei der Serienfertigung des ersten elektrischen EQ-Modells mit Bremen auf einen der wichtigsten Partner im globalen Produktionsnetzwerk. Zetsche: „Das Bremer Werk liefert uns maximale Flexibilität, hohe Geschwindigkeit sowie von Anfang an Mercedes-Qualität auch für unsere Elektro-Modelle.“ Mercedes plane, bis 2025 mehr als zehn vollelektrische Fahrzeuge auf dem Markt zu haben. Die neuen Elektroautos könnten an Standorten auf vier Kontinenten gebaut werden. In Bremen hätten die Vorbereitungen für die neue Produktion bereits begonnen.

Das bestätigte auch der Bremer Betriebsratschef Michael Peters und sagte: „Wir sind stolz und glücklich über den Zuschlag.“ Das sei eine Anerkennung „für die tolle Leistung der Kollegen in den vergangenen Jahren“. Standortleiter Peter Theurer sprach von einem „enormen Vertrauensbeweis und einer echten Auszeichnung für unseren Standort“. Als Lead-Werk für die C-Klasse und den GLC habe Bremen seine Anlaufstärke, Flexibilität und das technische Know-how immer wieder unter Beweis gestellt. Theurer: „Jetzt gehen wir einen weiteren entscheidenden Schritt in Richtung Mobilität der Zukunft und bauen unsere Vielfalt auch beim Thema Antriebe weiter aus.“

Die Batterie für das neue Elektrofahrzeug wird von der hundertprozentigen Daimler-Tochter „Accumotive“ entwickelt und in Kamenz (Sachsen) gebaut.

Größer privater Arbeitgeber

Mit gut 12.500 Mitarbeitern, darunter etwa die Hälfte aus dem Umland, ist das Mercedes-Benz-Werk Bremen größter privater Arbeitgeber in der Region. Aktuell werden am Standort zehn Modelle produziert: die Limousine, das T-Modell, das Coupé und das Cabriolet der C-Klasse, das Coupé und Cabriolet der E-Klasse, der Gelände-wagen GLC, das GLC Coupé sowie die beiden Roadster SLC und SL. Im Jahr 2015 wurde das Werk als „Fabrik des Jahres“ in der Kategorie Großserienfertigung ausgezeichnet.

Als Lead-Werk für die C-Klasse lenkt das Bremen die weltweite Produktion der volumenstärksten Baureihe von Mercedes-Benz in den Auslandswerken Tuscaloosa (USA), Peking (China) und East London (Südafrika). Auch die Produktion des GLC wird von Bremen als Hauptproduktionsstandort gesteuert.

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