Torfkahnfahrten gibt es nun auch im Winter / Gelungene „Generalprobe“

Bremischer Pferdeschlitten

Das Segel wird nur für die Fotografen gehisst. Auf diesem Stück gibt es zu viele Brücken, so dass auf den Winterfahrten mit leise tuckerndem Motor gefahren wird.
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Das Segel wird nur für die Fotografen gehisst. Auf diesem Stück gibt es zu viele Brücken, so dass auf den Winterfahrten mit leise tuckerndem Motor gefahren wird.

Bremen - Von Ralf Sussek. „Jan vom Moor“ ist aus dem Winterschlaf erwacht. Mit anderen Worten: Er hält ihn erst gar nicht. Ab heute werden Torfkahnfahrten nämlich auch das Winterhalbjahr über gemacht.

Brote, Heißgetränke und ein Weidenkorb als Dekoration gehören zur Winterfahrt.

Es hat ein bisschen was vom Fahren mit dem Pferdeschlitten: eingemummelt in Decken, die Wärmflasche auf dem Schoß und fast lautlos durch die Landschaft zu gleiten. Dies ist nun regelmäßig auf einem Torfkahn des Beschäftigungsträgers Bras (Bremer Arbeitslosenselbsthilfe) möglich. Sieben Kähne betreibt die Bras; sie liegen im Torfhafen in Findorff. Der achte Torfkahn ist im Bau, sagt Betriebsleiter Ulrich Mickan.

In Bremen scheitert eine Pferdeschlittenfahrt oft genug an mangelndem Schnee. Wasser gibt’s dagegen genug. Von oben oder unten – könnte man meinen. Doch die Torfkanäle führen im Winter weniger Wasser. 80 bis 90 Zentimeter sollten es sein, sagt August Kötter vom Deichverband; er ist ebenfalls bei dieser Probe-Winterfahrt mit Journalisten dabei. Nächste Woche wird die Strecke nochmal gründlich inspiziert und an prekären Stellen ausgeschlammt.

Drei Auftritte: der „Vertragsreiher“. ·

Die „Generalprobe“ geht glatt. Die Mitarbeiter haben alles gut vorbereitet, auf die Fahrgäste warten Sitzkissen, auf den Plätzen liegen Decken und Wärmflaschen. Es gibt Glühwein und Fliederbeer-Punsch, Leberwurst- und Schmalzbrote (letztere auch in der veganen Variante) mit Gewürzgurken und Spekulatius. Ein kurzfristig ernannter „Steward“ reicht sie herum.

Mast und Segel wurden zwischenzeitlich am Ufer entsorgt; sie waren nur für die Fotografen gesetzt worden. Jetzt tuckert der Kahn mit einer gefühlten Motordrehzahl von 100 Umdrehungen pro Minute ganz leise über das Wasser.

Derart entschleunigt, können die Mitfahrer mehrfach einen Reiher direkt am Ufer bewundern (Mickan: „Das haben wir so vereinbart“) oder Geschichten lauschen. Ulrich Mickan erzählt vom Überlebenskampf der Torfbauern, „Tine aus dem Moor“, wie das Teufelsmoor zu seinem Namen kam. Da hören auch die Schauspieler „Gräfin Emma“ und Landjäger „Diederich Peters“ genau zu.

Die erste Wintertorffahrt findet heute statt. Die eineinhalbstündigen Fahrten starten von nun an regelmäßig sonnabends und sonntags um 14 Uhr am Torfhafen in Findorff.

http://www.torfkaehne-bremen.de

http://www.bras-bremen.de

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