Vielfältige Genüsse auf der Breminale

Kreativität statt Konsum am Osterdeich

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Nichts für Frostbeulen: eine Fahrt mit der „Vespaqua“ über das Gelände der Breminale.

Bremen - Von Ulla Heyne. Nieselregen hin, frische Temperaturen her – auch bei herbstlichem Wetter hat die Breminale mehr zu bieten als Konzerte und Fressstände. Eine Vielzahl kleiner Entdeckungen und Erlebnisse jenseits der Zeltbühnen macht den Bummel am Osterdeich zu einer Entdeckungstour mit dem einen oder anderen ungewohnten Erlebnis.

Fündig wird man vor allem auf der „Himmlischen Wiese“. Dort schlägt nicht nur das Kinderherz, sondern auch das der Junggebliebenen höher. Bei sommerlichen Temperaturen eher wenig beachtet, fällt dem regenbeschirmten Besucher die „Fluchtkunst“-Sauna sofort ins Auge. Das „fahrbare Kunstlabor“ mit finnischer 85-Grad-Sauna für bis zu 16 Personen wird von vielen Besuchern zunächst mit Zurückhaltung beäugt. Davor stehen Badezuber zum Abkühlen, Schwedenfeuer und Chillout-Bänke samt dezenter DJ-Beschallung und „Anheizer“ im Outfit ähnlich dem eines Zirkusdirektors. 

Christina Nymbach und der Musiker „Gitam“ wagten sich erstmals in die Performance-Sauna.

Christina Nymbach und ihr Begleiter Gitam haben sich getraut, zum ersten Mal. Die regelmäßigen Breminale-Gäste, die nun im Leihhandtuch auf der Wiese stehen, sind begeistert: „Einfach mal etwas Verrücktes machen – genau das Richtige für so ein Pisswetter!“, findet die junge Frau. Auf einen weiteren Aufguss verzichten die beiden. „Erstmal etwas essen“, meint Musiker Gitam, der am Sonnabendabend ein Stück weiter mit seiner Band „Mio“ das Jurtenzelt bespielen wird. Der Sauna-Betreiber mit dem Künstlernamen „Hamster Damm“ mag die Bremer: „Hier haben wir eine richtige Fangemeine.“ Auch wenn die Bremer eher verklemmt seien: „Mit Einbruch der Dunkelheit wird es hier voll!“

Mit der Vespa-Badewanne um die Altmannshöhe

Wer von Badezubern noch nicht genug hat, frönt dem Motto „Bath and Ride“ und lässt sich von einer Vespa im Badewannenkonvoi rund um die Altmannshöhe ziehen.

Auch wenn die Mitstreiter des Kollektivs gleich nebenan sich den Titel „Nude“ gegeben haben, ist Nacktheit hier weniger wörtlich zu nehmen. Die raumgroßen Holzgestelle, die hier vor allem von Kindern mit Plastikfolien, Klebeband und Seilen bespannt und anschließend beklettert werden, stehen symbolisch für die Gestaltbarkeit von Raum. „Wir wollen dazu anregen, seine Umgebung aktiv mitzugestalten“, verrät Geronimo Bujny vom Oldenburger Kollektiv vornehmlich aus Architekturstudenten. Bei der Gestaltung der Kuben gehe es mehr um den Prozess als um das Ergebnis: „Man muss nichts so nehmen, wie es ist!“ Kreativität statt Konsum – auch wenn sich dieses Konzept den hier Aktiven, nämlich vornehmlich Kindern, nicht sofort erschließe, wie Mitstreiter Melf Oetzmann zugibt: Ein Riesenspaß ist es allemal – und was zählt, sei schließlich der Prozess und nicht das Ergebnis.

Hängematten fehlen in diesem Jahr

Es fehlt in diesem Jahr der chillige Hängemattenpark. Stattdessen hängt man nun in den Seilen, balanciert auf einer Slackline oder hangelt sich zwischen Mehlsäcken von Baum zu Baum. Ein Dauerbrenner: der 3D-Siebdruck. Alte Breminale-Hasen bringen ihre ältesten Kleidungsstücke, um sie mit einem der rund 50 Motive aufwerten zu lassen, darunter Jimmy Hendrix ebenso wie die Tigerente oder Spontisprüche. Was am häufigsten gefragt wird? Es sei noch zu früh, Prognosen zu stellen, meint eine der Betreiberinnen. „Gut geht im Moment die neue kleine Feder, und ‚Kein Mensch ist illegal“, während sie einem Mittvierziger die abgewetzte Stoffjacke aus den 80ern, nun mit quietschgrünem Slogan „Yala Yala“, zurückgibt.

29. Breminale - der Donnerstag

Auftakt der 29. Breminale

Der Besuch des Stands der Stadtbibliothek ist ein echter Geheimtipp. Neben dem „Speeddate mit einem Buch“ im Liegestuhl mit jeweils einer einseitigen Leseprobe setzt man nun auf Digitales. Sämtliche Auszüge der „Bücherdates“ stammen in diesem Jahr aus E-Books. Auch mit Trickfilmworkshops oder dem Ausmalen von Vorlagen, die dank i-Pad und entsprechender App zum Leben erweckt werden, lässt sich der geplante Imagewechsel gut vermitteln. Mit ihrer Aktion der 3D-Bilder wollen die Macher zeigen: „Wir sind nicht von gestern, auch bei uns gibt es Cooles zu entdecken“, so Sprecherin Anika Schmidt. Der Renner hat jedoch einen eher altertümlichen Namen: Bei „Corpus libri“ verschmilzt der Körper mit dem Cover eines Buchs, und das ganz ohne Photoshop. Das Ergebnis, der eigene Körper mit Messi- oder Tiger-Kopf, darf als Foto sofort mit nach Hause genommen werden.

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