Das Focke-Museum zeigt das Schaffen und Wirken von mehr als 60 Frauen

Bremens weibliche Seiten

Jil Kempa (v. l.), Julianna Kiss und Emilia Kepkowski von der Hochschule für Künste sind drei von insgesamt acht Studentinnen, die sich am Fotoprojekt „Outstanding Bremerin“ beteiligt haben. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Sie prägten und prägen noch heute Bremens Historie, doch ist über viele bisher nur ein Bruchteil bekanntgewesen: Frauen, deren Biographien eng mit der Hansestadt verbunden sind. Das Focke-Museum will mit der neuen Sonderausstellung „Bremer Frauen-Geschichten“ eine Annäherung an neue Perspektiven der Bremer Geschichte schaffen.

Die Verantwortlichen des Focke-Museums haben den Ausstellungsstücken einprägsame Namen gegeben. „Unbekannte“, „Angepasste“, „Pionierin“, „Bescheidene“ und „Begabte“ sollen neugierig machen auf die Geschichten hinter den insgesamt 61 Frauen – und auf die mit ihnen verbundenen Objekte, die im ersten Stock des Museums ab Sonntag, 1. Mai, zu sehen sind.

Ein Wort ist oft zu wenig, um die Geschichten hinter den Stücken zu verstehen. Doch da haben sich die Organisatoren etwas einfallen lassen. Zu allen 61 Frauen finden sich in einem zeitungsähnlichen Heft Kurzbeschreibungen – Texte zu Leben und Wirken der weiblichen Protagonisten.

So vielfältig das Leben, so unterschiedlich auch die Schicksale und Vermächtnisse der Frauen. Wie zum Beispiel jenes von Gesche Gottfried, die zwischen 1813 und 1827 insgesamt 15 Menschen mit Arsen ermordet hatte. Kurz vor ihrer Enthauptung im Jahr 1831 veröffentliche ihr damaliger Strafverteidiger Lithografien von ihr. Außerdem finden sich Originalbriefe und Profilzeichnungen der „Giftmörderin“ in der Ausstellung.

Weniger mörderisch, dafür umso schlagfertiger zeigte sich Lucie Flechtmann, auch „Fisch-Lucie“ genannt, deren Begräbnis 1921 zum Großereignis wurde. Die resolute Dame war eine Institution auf den Fischmärkten, versorgte trotz Knochenarbeit insgesamt 17 Kinder. Von ihr sind Fotografien zu sehen.

Eine Kämpferin, deren Vermächtnis noch bis 1983 in Bremen bestand hatte, war Ottilie Franziska Hoffmann. Die Pädagogin war eine Galionsfigur der Abstinenzbewegung und das letzte nach ihr benannte alkoholfreie Speisehaus am Osterdeich, heute das Café „Ambiente“, schloss erst vor 33 Jahren. Ein Suppenteller zeugt von dieser Zeit.

Doch die Ausstellung widmet sich nicht nur der Vergangenheit. Geht man durch den Glastunnel, erreicht man die Gegenwart – und 24 Porträt-Fotografien mit dem Titel „Outstanding Bremerin“ erwarten den Besucher. In Kooperation mit der Hochschule für Künste (HfK) haben acht Studentinnen unter Leitung der Künstlerin Sandy Volz 24 Bremer Frauen aus Politik, Sport und Wirtschaft porträtiert und Fragebögen ausfüllen lassen.

Mit ihren Arbeiten wollen sie „aktuelle Lebenswege und Perspektiven aufzeigen“, wie Museumsdirektorin Dr. Frauke von der Haar ausführte. Einen dritten Teil der Ausstellung bildet schließlich eine Geschichtswerkstatt. Diese soll dazu dienen, in Gesprächen auch über bislang vollkommen unbekannte Frauen mehr zu erfahren, denn auch Frauke von der Haar weiß: „Es fehlt bestimmt etwas.“

Das Focke-Museum an der Schwachhauser Heerstraße 240 zeigt die „Bremer Frauen-Geschichten“ von Sonntag, 1. Mai, bis zum 21. August.

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