Ohne die Europäer geht's nicht

Rückkehr zum Mond

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Ein Modell veranschaulicht das künftige US-Europäische Mondprogramm. Im Hintergrund ist die neue Struktur für das Servicemodul des künftigen US-Europäischen Raumschiffs "Orion" zu sehen.

Bremen - Mond, Asteroiden, Mars: Jahrzehnte nach der letzten Mondlandung wollen die USA wieder Astronauten in die Tiefen des Alls schicken. Diesmal sollen auch die Europäer mit an Bord sein - zunächst jedoch nur mit Technik.

Der Leiter von Airbus DS für orbitale Dienste, Bart Reijnen, schaut sich im Werk von Airbus Defence & Space in Bremen die neue Struktur für das Servicemodul des künftigen US-Europäischen Raumschiffs "Orion" für Flüge zum Mond aus der Nähe an.

Der erste neue Schritt der Menschheit in die Tiefen des Weltalls kommt ziemlich unspektakulär daher. Noch ist nur ein vier Meter hoher Zylinder aus Aluminium zu sehen, nackte Zwischenwände und leere Kammern. In den nächsten Monaten sollen sich diese mit Triebwerken, Tanks, meterlangen Kabelsträngen und Röhren füllen - 25.000 große und kleine Bauteile, ohne die das US-Raumschiff "Orion" nicht ins All fliegen könnte. Ob erneut Raumfahrtgeschichte geschrieben werden kann, liegt damit auch in europäischer Hand.

Mit der "Orion"-Kapsel will die US-Raumfahrtbehörde Nasa ab 2021 Astronauten zum Mond, zu Asteroiden und später auch zu weiter entfernten Zielen wie den Mars bringen. Ein Service-Modul wird das Raumschiff antreiben, ihm Energie liefern und die Besatzung mit Luft und Wasser versorgen. Dieses baut das Raumfahrtunternehmen Airbus Defence and Space gerade im Auftrag der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Anfang 2017 soll es fertig sein.

Die nackte Struktur des Service-Moduls steht bereits seit Ende April im Bremer Airbus-Werk bereit. In den nächsten Wochen sollen auch die vielen Tausend Komponenten von den Zulieferern eintreffen. Im Reinraum werden dann 30 bis 40 Techniker - in drei Schichten rund um die Uhr - alles montieren. Eine millimetergenaue Maßarbeit, die die Ingenieure bisher nur mit einer 3D-Brille an einem Computermodell testen konnten.

Spannend wird deshalb sein, ob auch in der Praxis alle Bauteile hineinpassen werden. "Das kann ich mir auch noch nicht vorstellen", sagt Projektleiter Oliver Juckenhöfel am Donnerstag. Eine entscheidende Rolle wird spielen, in welcher Reihenfolge die Techniker die Komponenten einbauen werden. Denn bald wird im Innern kaum ein Kubikzentimeter mehr frei und das Hantieren mit Werkzeug äußerst schwierig sein.

Haben sich das Modell angesehen (von links): Nasa-Mitarbeiter Jim Free, ESA-Generaldirektor Johann Dietrich Wörner, Bremens Regierungschef Carsten Sieling (SPD), und Bart Reijnen, Leiter von Airbus DS für orbitale Dienste.

Doch damit haben sie in Bremen Erfahrung: Dort hat die ESA die fünf Modelle ihres europäischen Raumtransportes produzieren lassen, der bis 2015 die Internationale Raumstation ISS mit Nachschub versorgte. Auf dessen Technik basiert auch das 390 Millionen Euro teure Service-Modul. Eine Herausforderung ist es trotzdem für die Europäer. "Der kritische Part einer Mission zu sein ist für uns sehr neu", sagt ESA-Generaldirektor Jan Wörner. 2018 soll "Orion" zu einem ersten Testflug ins All starten, der die Kapsel 64 000 Kilometer über den Mond hinaus führen wird. Ein Meilenstein selbst für die Nasa: So weit sei noch nie ein für Menschen vorgesehenes Raumschiff ins All vorgedrungen, sagt Jim Free, der bei der Nasa für die bemannte Raumfahrt zuständig ist. Glückt die dreiwöchige Mission, könnten bereits drei Jahre später Astronauten mit "Orion" zum Mond fliegen. Damit würden zum ersten Mal seit der letzten Mondlandung 1972 wieder Menschen zum Erdtrabanten reisen - und dieses Mal könnte auch Europa mit an Bord sein: neben der Technik auch gerne mit eigenen Astronauten, wie Wörner betont.

Deshalb hofft die ESA nach dem Modell für den Testflug noch weitere Service-Module für "Orion" liefern zu können. Das müssen die Amerikaner und die ESA-Mitgliedsländer jedoch erst noch entscheiden.

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