Nach Brand im Containerdorf für Flüchtlinge

Spontandemo gegen Fremdenfeindlichkeit

+

Bremen - Nach den Brandanschlägen auf ein noch unbewohntes Containerdorf für Flüchtlinge haben in Bremen rund 500 Menschen gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert.

Wie ein Polizeisprecher in der Nacht zum Mittwoch sagte, verlief die Spontan-Demonstration in der Neustadt am Dienstagabend friedlich. Mit Sprechchören und Bannern sowie Plakaten setzten die Demonstranten „ein weiteres Zeichen gegen rechten Terror", sagt Sebastian Rave, Mitorganisator der Demonstration.  Zu der Demo hatte das Bündnis gegen Rechtspopulismus und Rassismus im Internet aufgerufen. „Es hat sich total schnell verbreitet, die Leute haben es weitergesagt“, so Rave.

Unbekannte Täter hatten in der Nacht zum Dienstag ein noch nicht komplett fertiggestelltes – und damit unbewohntes – Containerdorf für Flüchtlinge in Huchting angezündet. Die Polizei richtete eine Ermittlungsgruppe unter Beteiligung des Staatsschutzes und der Fachdienststelle für Branddelikte ein. Die Ermittler halten einen politischen Hintergrund für wahrscheinlich, hieß es. Menschen wurden nicht verletzt, wie eine Polizeisprecherin weiter berichtete.

Das Containerdorf mit Platz für 135 Flüchtlinge sollte Anfang November an die Behörde übergeben werden. Ob der Anschlag diesen Zeitplan verzögert, lasse sich derzeit noch nicht beurteilen, hieß es. Derweil richtet die Polizei „ein verstärktes Auge auf Flüchtlingsunterkünfte in Bremen“, so die Polizeisprecherin. Schutzmaßnahmen würden „anlassbezogen intensiviert“.

Reaktionen aus der Politik zum Brandanschlag

Etliche Reaktionen kamen aus der Politik. Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) bei einem Ortstermin an der Einrichtung: „Dieser feige Anschlag ist abscheulich und ekelhaft. Er ist ein Angriff auf die Schwächsten der Gesellschaft, und er trifft die Gesellschaft mitten ins Herz.“ Und: „Wer sich von dieser feigen Tat verspricht, dass Bremen sich weniger um die Aufnahme von Flüchtlingen kümmert, erliegt einem schweren Irrtum.“ 

Sükrü Senkal (SPD): „Wer meint, dass mit Brandanschlägen die Weltoffenheit und Toleranz unseres Bundeslandes infrage gestellt werden kann, dem müssen wir zeigen, wie wehrhaft unsere Demokratie ist.“

„Nicht Flüchtlinge bedrohen unsere Demokratie, sondern diejenigen, die gegen Schutzsuchende hetzen und Flüchtlingsunterkünfte niederbrennen“, sagte der Grünen-Abgeordnete Wilko Zicht. 

Die Huchtinger CDU sprach von einem „hinterhältigen und feigen“ Anschlag. Yvonne Averwerser, Vorsitzende der CDU-Beiratsfraktion: „Hass und Gewalt sind und bleiben absolut inakzeptabel.“ Er sei „fassungslos“ – zumal „Übergriffe auf Einrichtungen für Flüchtlinge auch in Bremen zunehmen“, erklärte Michael Horn, Huchtinger Beirat und Mitglied im Landesvorstand der Linken.

Der Vorfall schlage zudem „ein neues Kapitel in Sachen Gebäudesicherung auf“, sagte Senatorin Stahmann. Bislang seien Sicherheitsdienste eingesetzt worden, sobald eine Immobilie an die Sozialbehörde übergeben worden ist. Es gelte nun, über Sicherheitskonzepte nachzudenken, die vorher greifen.

dpa/kuz/vik

Lesen Sie auch

Friedliche Demo in der Innenstadt: Rotenburg ist bunt – nicht braun

Demo in Bremen: Mehr Wohnungen für Flüchtlinge

Flüchtlingsheim brennt: Spuren deuten auf Brandstiftung hin

Mehr zum Thema:

Mercedes E-Klasse T-Modell

Mercedes E-Klasse T-Modell

Asiatische Nudeln Ramen, Soba, Udon

Asiatische Nudeln Ramen, Soba, Udon

Der Herzschlag ist durcheinander

Der Herzschlag ist durcheinander

Bilder: So machen sich die Bayern fit für Atletico

Bilder: So machen sich die Bayern fit für Atletico

Meistgelesene Artikel

Zicht legt Mandat nieder

Zicht legt Mandat nieder

Abends eine E-Mail an den Prof

Abends eine E-Mail an den Prof

3.000 Euro Belohnung ausgesetzt

3.000 Euro Belohnung ausgesetzt

„Venuslauf“ mit neuer Rekordmarke

„Venuslauf“ mit neuer Rekordmarke

Kommentare