„Mein Kunst-Stück“ mit Rainer Weber: „Föhn II“ aus „Krieg der Welten“

Plastik trifft auf Plastiken

Die Skulptur „Föhn II“ von Rainer Weber gehört zur Reihe „Krieg der Welten“. Darin treffen Gebrauchsgegenstände aus Plastik auf künstlerische Plastiken ohne Gebrauchswert. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Föhn II“ heißt Rainer Webers Skulptur aus der Reihe „Krieg der Welten“, die er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Dabei treffen Gebrauchsgegenstände aus Plastik auf künstlerische Plastiken ohne Gebrauchswert.

„Dynamisch sind Föhn und Plastik zu einem Ganzen vereint“, beschreibt Rainer Weber seine Skulptur von 2010. „Sie ringen miteinander und in diesem Fall sieht es so aus, als hätte die Kunst die Oberhand. Typisch für Webers Arbeiten sind gequollene Formen. Sie werden nicht aus einem Block herausgehauen, sondern entstehen, indem Weber durch mineralisch gebundenes Acrylharz oder auch Beton in Ballons presst und aushärten lässt. So produziert der Künstler sehr organische Formen.

„Die nach außen gespannte Membran ist Teil des Entstehungsprozesses und als gespannte gewölbte Fläche ein Grundelement der Bildhauerei“, sagt Weber. So sei der menschliche Körper auf ähnliche Weise durch die Haut als Membran und den inneren und äußeren Druck begrenzt.

Bei der Herstellung könne ihm allerdings eben wegen des Drucks und der gespannten Membran auch mal ein Objekt um die Ohren fliegen. Geht alles gut, dann entstehen „Krieg-der-Welten“-Plastiken mit Rotlichtlampe und Bügeleisen oder griechische Skulpturen mit aufgeblähten Gesäßen und Bäuchen.

Über seine Atelierarbeiten hinaus engagiert sich Weber in vielen soziokulturellen Projekten. Im Sommer bauten er und andere Künstler gemeinsam mit 100 Jugendlichen einen Minigolfplatz in Walle.

Auf die Kunst ist Rainer Weber durch seinen älteren Bruder gekommen. Der schleppte den damals zwölfjährigen Rainer mit zu einem Volkshochschulkurs fürs Aktzeichnen. Nach einer Schlosserlehre und später dem Abitur experimentierte Weber in der Kulturwerkstatt Westend in Walle an Stuhlkonstruktionen. Als die immer unbequemer, aber dafür mehr und mehr zur Skulptur wurden, entschied er sich für ein Kunststudium. Zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn beschäftigte er sich mit Installationen, baute Maschinen und inszenierte Unfälle.

Heute ist sein Künstleralltag gut strukturiert. Mit zwei Kindern braucht es klare Absprachen, um seine Verpflichtungen an der Uni, in Projekten und die Arbeit im Atelier unter einen Hut zu bekommen. Die größte Herausforderung ist es für ihn immer noch, seine Arbeit zu präsentieren. Vor Publikum zu sagen, „guckt, das habe ich gemacht“, sei eine schwere Übung. Hingegen habe sich die anfängliche Qual der Wahl zwischen all den künstlerischen Freiheiten im Laufe der Zeit gelegt.

Wozu wir Kunst brauchen? „Um uns auf Neues einzulassen, nicht in alten Gedankengängen zu verharren und Abstand vom vermeintlichen Gebrauchswert zu bekommen“, sagt der Künstler. Kunst schaffe eine gemeinsame kulturelle Identität und sei eine Kollektiverfahrung.

Zu den Künstlern, die für Weber besonders bedeutend sind, zählen der zeitgenössische Schweizer Aktionskünstler Roman Signer und den britischen Bildhauer Henry Moore (1898 bis 1986). Moores organische Formen haben Weber inspiriert und Signers Performances zeigten eine „trockene Komik, gepaart mit einer ehrfurchtsvollen Haltung und ohne pompös dabei zu werden“. Etwa, wenn Signer auf einem Berg stehend eine Silvesterrakete zündet, die mit einem langen Faden an seiner Mütze befestigt ist.

Wenn Weber jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge ein Fünf-Kilo-Tonklumpen an einen unbestimmten Adressaten. So geschah es schon einmal in dem Projekt „15 Minuten zu modellieren, ist wie ein kleines Schnitzel“, wo die Adressaten ihre Vorstellung von einer besseren Welt formen sollten. „Das würde ich gerne wieder machen“, sagt der Bremer.

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