Landesbank wird für nur 262 Millionen Euro verkauft

Bremen macht Verluste

Die Bremer Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) spricht a im Innenhof der Bremer Landesbank (BLB) neben dem Vorstandsvorsitzenden der NordLB, Gunter Dunkel (Mitte), sowie dem niedersächsischen Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD). Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) wird die angeschlagene Bremer Landesbank (BLB) komplett übernehmen. Das teilten die BLB-Träger in der Nacht zu Donnerstag mit. - Foto: dpa

Bremen - Es dauerte bis weit in die Nacht, und dann waren die Entscheidungen gefallen. Bremen verliert Millionen und ein (weiteres) Stück seiner Eigenständigkeit. Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) wird die Bremer Landesbank (BLB) komplett übernehmen. Für einen Preis, der weit unter dem liegt, was Bremen sich erhofft hatte.

Bremen bekommt für den Verkauf seiner Landesbank-Anteile nur 262 Millionen Euro. Davon sind 180 Millionen Euro Geldleistungen. Die strategisch wichtigen Beteiligungen an der „hafensensiblen“ Bremer Lagerhaus-Gesellschaft (BLG) und den Wohnungsgesellschaften Gewoba und Brebau werden aus der BLB herausgelöst und bleiben bei Bremen. Der Wert dieser drei Beteiligungen wurde auf insgesamt 82 Millionen Euro taxiert.

„Mit dem Ergebnis sind wir zufrieden. Aber ich will nicht verhehlen, dass dies für Bremen ein Verlust ist“, sagte Bremens Finanzsenatorin und Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne). NordLB-Chef Gunter Dunkel betonte, das sei für die NordLB ein schwieriges, aber vertretbares Ergebnis. Auch der dritte Träger, der Sparkassenverband Niedersachsen, erklärte, dass er seinen knapp vierprozentigen BLB-Anteil an die Nord-LB verkaufen werde.

Der bisherige Vorstandschef der BLB, Stephan-Andreas Kaulvers und sein Stellvertreter Heinrich Engelken werden ausscheiden. Über den Wechsel soll bei einer außerordentlichen Aufsichtsratsitzung Ende September oder Anfang Oktober entschieden werden. „Vor dem Hintergrund der nunmehr anstehenden Gesellschafterveränderung haben wir zur Kenntnis genommen, dass es personelle Veränderungen geben soll. Dem wollen wir nicht im Wege stehen“, heißt es in einer Erklärung von Kaulvers und Engelken Folglich haben wir dem Aufsichtsrat unseren Rücktritt zu gegebener Zeit angeboten.

Die Träger haben dieses Angebot mit Bedauern entgegengenommen und uns gebeten, bis zur Benennung und Einarbeitung der Nachfolger an Bord zu bleiben.“

Für die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Bremer Landesbank erklärte Jörg Walde, Vorsitzender des Gesamtpersonalrats: „Aus meiner Sicht hätte es keinen Grund für die Beendigung der Verträge gegeben. Aber ich respektiere diese Entscheidung.“

Unmittelbar nach der Verständigung legte die BLB ihre Halbjahresbilanz vor, die erwartungsgemäß tiefrote Zahlen auswies. Die ersten sechs Monate schloss die zweitkleinste deutsche Landesbank mit einem Verlust von 384 Millionen Euro nach Steuern ab. Damit weise die BLB erstmalig Verluste aus. Im ersten Halbjahr 2015 hatte die Bank noch ein Plus von 56 Millionen Euro erwirtschaftet.

Die Lage an den Schiffsmärkten habe sich seit Jahresbeginn nicht gebessert, so die BLB. Deshalb habe die Bank bereits im ersten Halbjahr eine Risikovorsorge von insgesamt 449 Millionen Euro gebildet. Das Halbjahresergebnis sei alles andere als zufriedenstellend, erklärte Kaulvers.

Das Schiffsportfolio will die BLB weiter „wertschonend“ bereinigen. „Unser Halbjahresergebnis können wir jedoch nicht eins zu eins hochrechnen“, so Kaulvers. „Für das Gesamtjahr erwarten wir, wie bereits veröffentlicht, einen Verlust, der Kapitalmaßnahmen der Träger erfordert, um die angestrebte harte Kernkapitalquote von 11,5 Prozent zu erreichen.“

Bis 2020 will die Bremer Landesbank ihr Portfolio für Schiffsfinanzierungen um 2,5 Milliarden auf vier Milliarden Euro reduzieren. Derzeit liegt das Volumen bei 6,5 Milliarden Euro. Seit 2008 reduzierte die Bank ihr Portfolio bereits von rund 1000 auf 650 Schiffe.

Um den Preis für den 41-prozentigen Anteil des Bundeslandes Bremen wurde in den vergangenen Monaten hart gerungen (wir berichteten). Bremens CDU-Opposition hatte ein Mindestlimit von 480 Millionen Euro angesetzt. Um diesen Betrag stockte Bremen 2012 seinen 7,5-Prozent Anteil auf 41,2 Prozent auf. Die SPD hatte dagegen den Betrag von 290 Millionen Euro als Messlatte formuliert. Das Verhandlungsergebnis ist unter beiden Erwartungen geblieben. Für Bremen bleiben nun vor allem: Verluste – Verluste finanzieller Art, Verluste an Eigenständigkeit.

kuz/dpa

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