„Forum Innenstadt“ zeigt unterschiedliche Einsichten auf

Bremen leidet an der Länge

Wo lang? Architekturprofessor Stefan Rettich findet, hier werden Besucher eher in die Knochenhauerstraße (rechts) als die Sögestraße (geradeaus) gelotst. - Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. Innenstädte verändern sich langsam, und dabei müssen viele Faktoren berücksichtigt werden. Beim „Forum Innenstadt – Bremen 2025“ im Haus der Bürgerschaft wurde daher am Montagabend eine gründliche Bestandsaufnahme gemacht – mit überraschenden Ergebnissen mehrerer Fachleute.

Stefan Rettich, Architekt und Professor aus Leipzig, widmete sich den Zuwegungen in die Altstadt. Er kennt Bremen gut, da er fünf Jahre an der Bremer Hochschule gelehrt hat. Sein Hauptbefund: Die Probleme der Altstadt hängen stark mit der Form der Stadt Bremen zusammen. „Für eine Stadt mit 550.000 Einwohnern ist Bremen einfach zu lang. Die daraus entstehenden Probleme gipfeln in der Innenstadt“, sagte Rettich. „Viele Trassen durchtrennen die Innenstadt, etwa die Bürgermeister-Smidt-Straße oder auch die Martinistraße.“ Diese Straßen nehmen die starken Verkehre entlang der Längsachse der Stadt auf. Es entstünden so regelrechte „Schalen“ um den Altstadtkern.

Die Altstadt ist nach Meinung Rettichs in fünf „Räume“ aufgespalten: den Breitenweg, den Wall, die Obernstraße, die Martinistraße und die Schlachte. Beim Weg in die Altstadt treffe man laufend auf sogenannte „Doppeltorsituationen“, bei denen auf dem Weg zwei „Zugänge“ hintereinander wahrgenommen werden. Geglückt sei dies beim Weg über die Wilhelm-Kaisen-Brücke. „Tradition und Moderne verbinden. Es ist schade, dass der ,Kühne-&-Nagel‘-Bau verändert wird. Danach fügt sich die neugebaute Bremische Volksbank gut ein. Sie leitet die Menschen in Richtung Fußgängerzone“, erklärte Rettich. Hier zeige sich, wie gut solche „Doppeltore“ mit Nah- und Fernwirkung punkten könnten.

Weniger positiv sieht er den Zugang im Bereich Am Wall, Herdentor und Sögestraße. Das erste Tor hinter Straße Am Wall sei ein gelungener Zugang. Danach würde es aber problematisch. „Ankommende werden eher in die Knochenhauerstraße gelenkt. Um das auszugleichen, hat man über der Sögestraße groß den Straßennamen angebracht. Auch die Schweinefiguren haben eine anziehende Wirkung“, sagte Rettich.

Dirk Kühling, Raumplaner beim Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, gab einen Überblick zu aktuellen Projekten. „Viele Projekte laufen sehr gut, da stehen alle Ampeln auf Grün. Wir sind dabei, den Schnoor sichtbar zu machen. Die Bremer kennen ihn wie selbstverständlich. Wenn man aber Besuchern den Weg erklärt, ist er kaum aufzufinden“, berichtete Kühling und zeigte Bilder von relativ jungen Hinweisschildern.

Gute Fortschritte mache auch die Neuanordnung des Marktes auf dem Domshof. „Auf dem Markt stehen keine Lieferfahrzeuge und Reststoffbehälter mehr. Die Aufbauzeiten an den verschiedenen Tagen werden mittlerweile variabel gehandhabt“, so Kühling. Positiv wertet er auch die erfolgte Verlegung der „Alexander von Humboldt“ an die Schlachte, deren Eröffnung am 7. November ansteht.

Perspektivisch sei die Belebung des Lloydhofs ein wichtiges Thema. Stolz verwies er auf die zunehmende Erschließung der Innenstadt mit freiem W-Lan. Zudem würden mittlerweile überall Passanten-Zählsysteme Zahlen zum Besucheraufkommen erheben. Kühling bedauerte, dass noch kein Zeitplan für den Wiederaufbau des durch ein Großfeuer vernichteten Harms-Gebäudes am Wall vorliege und auch die Umgestaltung der Discomeile nicht in Gang komme.

Veränderungen wünscht sich der Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, Dr. Matthias Fonger. „Nur 16 Prozent von Bremens Gesamtverkaufsfläche befinden sich in der Innenstadt. In anderen Städten, beispielsweise in Hannover, sind es 30 Prozent“, so Fonger. Es sollen aber nicht „irgendwelche Geschäfte“ in die Innenstadt kommen. Die Stadt solle sich als Einkaufs-, Erlebnis, Arbeits- und Wohnraum profilieren.

Angela Mensing-de Jong, Architektin und Professorin in Dresden, attestierte Bremen in einigen Bereichen einen Nachholbedarf. „Es gibt in der ganzen Stadt keinen Apple-Store. Woran liegt das? Die Innenstadt ist nachts oft tot und leblos“, sagte sie.

Mehr zum Thema:

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Verden: Tanz macht Schule 

Verden: Tanz macht Schule 

Atemberaubender Sonnenuntergang: Das sind die schönsten Leserfotos

Atemberaubender Sonnenuntergang: Das sind die schönsten Leserfotos

Outdoor-Typ: Mercedes E-Klasse All-Terrain

Outdoor-Typ: Mercedes E-Klasse All-Terrain

Meistgelesene Artikel

Werder geht nicht unter: „Die Gefahr ist gebannt“

Werder geht nicht unter: „Die Gefahr ist gebannt“

15 Einbrüche auf dem Bremer Weihnachtsmarkt

15 Einbrüche auf dem Bremer Weihnachtsmarkt

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Kommentare