„Jeder Tag mehr zerstört Existenz“

Harms-Prozess zieht sich weiter hin

Bremen - Von Steffen Koller. Der Prozess um den Großbrand bei „Harms am Wall“ wird sich hinziehen. Wie das Landgericht Bremen am Freitag mitteilte, wird das Verfahren gegen den ehemaligen Geschäftsführer des Textilhauses, Hans Eulenbruch (64), und den Mitangeklagten Thomas M. (53) voraussichtlich noch bis März 2017 laufen.

Ursprünglich wurde mit einem Urteil für Mitte Dezember gerechnet. Auf Anregung der Verteidigung soll im Prozess wegen schwerer Brandstiftung, Versicherungsbetrugs und Vortäuschens einer Straftat ein zweites Ganggutachten eingefordert werden. Eulenbruch und sein Verteidiger Erich Joester hatten die „wissenschaftliche Aussagekraft“ des Gutachtens bemängelt. Es beruhe auf subjektiven Einschätzungen, nicht auf messbaren Ergebnissen. 

Dazu, so berichtete am Freitag die Vorsitzende Richterin, soll unter anderem das Bundeskriminalamt (BKA) das Videomaterial untersuchen, auf dem am Tatabend des 6. Mai 2015 ein maskierter Täter im Geschäft zu sehen ist. Den Angeklagten wird vorgeworfen, das Feuer selbst gelegt zu haben, um Geld für vernichtetes Inventar von der Versicherung zu kassieren.

„Rest-Existenz wird zerstört“

Sie sollen, so die Staatsanwaltschaft, zunächst einen Raubüberfall fingiert und danach das Gebäude mit Grillanzündern angesteckt haben. Eulenbruch und M. weisen alle Vorwürfe zurück. Eulenbruch äußerte seinen Unmut über die Verlängerung des Prozesses. „Mit jedem neuen Verhandlungstag wird meine Rest-Existenz zerstört“, sagte der 64-Jährige. 

Er und seine Frau hätten bereits ihre Rentenversicherungen auflösen müssen, um unter anderem die Rechtsanwaltskosten zu bezahlen. Finanziell sei er „am Ende“, so Eulenbruch. 

Um Finanzen soll es am nächsten Verhandlungstag gehen. Am Dienstag, 22. November, soll ein Wirtschaftsgutachter dem Gericht seine Ergebnisse bezüglich der finanziellen Lage des Geschäfts präsentieren. Eulenbruch, dem das Gutachten bereits vorliegt, sagte, es werde beweisen, dass er kein Motiv für die Tat gehabt habe. 

Beweise wurden, so schilderte es ein Kriminalbeamter (47) vor Gericht, auch bei der Durchsuchung von Eulenbruchs Privathaus nicht gefunden. Man habe „keine tatrelevanten Erkenntnisse erlangt“, so der Ermittler. 

Das Gericht hat für Dienstag, 29. November, eine weitere Lippenleserin als Zeugin geladen. Sie soll ein Video untersuchen, welches, so vermutet die Staatsanwaltschaft, die beiden Angeklagten dabei zeige, wie sie „Tatvorbereitungen treffen“. Ein erstes Gutachten hatte ergeben, dass der Mitangeklagte den Satz sagte: „Ich glaube, das wird nichts.“

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Rubriklistenbild: © dpa

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