Fünf Jahre Haft

Nach Urteil: Geldwäscheverdacht gegen Ex-Pflegechefin

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Bleibt wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Fluchtgefahr zunächst hinter Gittern: Die ehemalige Chefin (rechts) der „Nordsee Pflege“ ist am Freitag zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe von 300.000 Euro verurteilt worden.

Bremen - Von Steffen Koller. Spektakuläre Neuigkeiten im Verfahren gegen die ehemalige Chefin (37) der Bremerhavener „Nordsee Pflege“: Das Landgericht Bremen hat die Frau am Freitag wegen gewerbsmäßigen Betrugs in mehr als 900 Fällen zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe von 300.000 Euro verurteilt.

Doch das ist womöglich nicht alles. Laut Staatsanwaltschaft sollen 460.000 Euro von einem Firmen- auf das Privatkonto des Lebensgefährten der Angeklagten geflossen sein. Es bestehe der Verdacht auf Geldwäsche sowie Fluchtgefahr. Die 37-Jährige bleibt – anders als von der Kammer zunächst beschlossen – weiter in Untersuchungshaft. 

Im Urteil heißt es, dass der Frau Haftaufschub gewährt werde, da sie Ende des Jahres ihr erstes Kind erwartet. Doch durch die neuen Vorwürfe müsse das Gericht erst prüfen, wie es zu der mutmaßlichen Überweisung von fast einer halben Million Euro gekommen ist und welchen Hintergrund diese hat. „Es steht zu befürchten, dass sich die Angeklagte und ihr Lebenspartner durch Flucht entziehen könnten“, sagte Staatsanwältin Antje Kück.

Hohe Überweisung zur Fluchtvorbereitung?

Das Gericht prüft nun, ob es etwaige Fluchtvorbereitungen bereits gegeben habe und inwieweit die 37-Jährige involviert gewesen sei, sagte Gerichtssprecher Manfred Kellermann. Die Frau, die kurzzeitig „leicht kollabiert“ war, so Kellermann, gab an, sie habe „damit nichts zu tun“. Mitte nächster Woche will das Gericht eine Entscheidung treffen. Kellermann betonte, dass es sich bei der Überweisung um einen „ganz legitimen Vorgang“ handeln könne, der zeitlich dennoch „sehr erstaunlich“ sei. 

Am Donnerstag, einen Tag, nachdem vor der Großen Wirtschaftskammer mehrere Zeugen gegen die Angeklagte ausgesagt hatten, soll die Überweisung veranlasst worden sein. Sollte sich der Verdacht bestätigen, so Kellermann, werde der Haftaufschub wieder aufgehoben und „sie bringt ihr Kind im Gefängnis zur Welt“. Am Urteil ändere der neue Verdacht aber nichts. 

Gegen den Lebensgefährten der Angeklagten laufen parallel Ermittlungsverfahren wegen Abrechnungsbetrugs. Er soll die Geschäftsführung übernommen haben, nachdem die 37-Jährige diese abgegeben hatte.

Berufsverbot in leitenden Positionen

Zurück zum Urteil: Neben der Haft- und Geldstrafe wurde der gelernten Krankenschwester ein Berufsverbot in allen leitenden Positionen des Pflegebereiches von fünf Jahren auferlegt. In einem vorher stattgefundenen Verständigungsgespräch hatten die Verfahrensbeteiligten einen Strafrahmen von viereinhalb bis fünfeinhalb Jahren festgelegt.

Vorsitzender Richter Thorsten Prange hob strafmildernd das umfassende Geständnis der Frau hervor. Dennoch habe die Angeklagte „großen Schaden“ über alle Beteiligten gebracht und dabei besonders das „Vertrauen und die altersbedingten Schwächen der Patienten bewusst ausgenutzt“. 

Sie habe ihre Mitarbeiter „regelrecht zum Abrechnungsbetrug ausgebildet“, sagte Prange. Mit Blick auf Dauer und Anzahl der „systematischen Betrugsmaschinerie“ sowie den Schaden habe das Gericht keinen Spielraum beim Strafmaß gehabt. 

Die Ex-Chefin der „Nordsee Pflege“ hatte zwischen 2009 und 2016 in 918 Fällen Leistungen bei Krankenkassen abgerechnet, die gar nicht oder nur zum Teil erbracht wurden. Der Schaden beläuft sich auf mehr als 600.000 Euro. Im Hintergrund, so die Staatsanwältin, laufen weitere Verfahren gegen die Frau. Auch gegen Mitarbeiter werde in 30 Fällen ermittelt.

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