OLG setzt Haftbefehl wieder in Vollzug

Valentin: Zurück hinter Gitter

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Der 21-jährige Ultra Valentin muss wieder hinter Gitter. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen seine Freilassung aus der Untersuchungshaft Beschwerde eingelegt. Jetzt bekam sie vor dem OLG Recht.

Bremen - Der 21-jährige Valentin muss zurück hinter Gitter. Das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG) hat den Haftbefehl gegen den Bremer Ultra wieder in Vollzug gesetzt, wie heute ein Sprecher berichtete. Dem jungen Mann werden unter anderem acht Fälle von gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen.

Staatsanwaltschaft und Polizei verdächtigen ihn, an der Randale nach dem Fußballspiel Werder gegen Hamburger SV im April beteiligt gewesen zu sein. Die acht Taten soll Valentin zwischen März 2014 und April 2015 begangen haben. Laut Anklage sei er „zum Teil mit erheblicher Rücksichtslosigkeit und Brutalität vorgegangen“. Unter anderem soll der 21-Jährige bei Ausschreitungen im Zusammenhang mit Protesten gegen eine NPD-Demo in Rostock einen Stein geworfen und einen Pressefotografen verletzt haben. Das Amtsgericht Bremen hatte Ende Juni wegen Wiederholungsgefahr Haftbefehl gegen Valentin erlassen. Sein Anwalt hatte zunächst vergeblich versucht, ihn freizubekommen. Im November hatte dann das Landgericht den Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Seitdem war Valentin auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft legte Beschwerde ein und bekam jetzt vor dem OLG Recht. Der 1. Strafsenat schickt den Anhänger der (in Bremen linken) Ultras damit wieder in Untersuchungshaft.

Er begründet seine Entscheidung damit, dass die „von dem Angeklagten ausgehende Gefahr für die Allgemeinheit nicht durch weniger einschneidende Maßnahmen, insbesondere nicht durch Erteilung von Weisungen“, beseitigt werden könne. Die Taten des Angeklagten seien „regelmäßig entweder im voraus geplant gewesen oder zeichneten sich dadurch aus, dass die spontan angetroffenen Geschädigten in das Feindschema des Angeklagten und seiner Mittäter passten“, nämlich der Zuordnung zu einer „gegnerischen Fangruppe oder zum rechten politischen Spektrum“, sagte der OLG-Sprecher. Dabei habe es für einen körperlichen Angriff teilweise schon ausgereicht, dass die vermeintliche rechte Gesinnung sich im Tragen von Bekleidungsstücken oder Accessoires geäußert habe. Es bestehe die Gefahr, dass der 21-Jährige wieder „erhebliche körperliche Gewalt“ ausüben könne, wenn er auf Menschen treffe, bei denen er eine „abweichende rechte Gesinnung“ vermute. Eine „glaubhafte innere Distanzierung von seinen bisherigen Gewalttätigkeiten“ sieht das OLG nicht.

Einer der Hauptpunkte, die die Anklage dem 21-Jährigen vorwirft, sind Auseinandersetzungen nach dem Nordderby Werder gegen HSV vor dem Lokal „Verdener Eck“. Ein Hooligan soll dabei geschlagen, getreten und mit einem schweren Kübel beworfen worden sein. Es geht um neun Angreifer, von denen einer Valentin gewesen sein soll. Sein Anwalt bestreitet das. Insbesondere der Grüne Wilko Zicht hatte sich massiv für Valentin eingesetzt und seine Freilassung aus der U-Haft gefordert. Der Grüne hatte im Verlauf seiner Stellungnahme von „friedliebenden Ultras“ und einer „hochgradig gefährlichen Nazihool-Szene“ gesprochen. Er war der Auffassung, das Gericht dürfe bei Valentin keine Wiederholungsgefahr unterstellen. Zicht war schließich selbst ins Fadenkreuz der Ermittler geraten. Ihm war vorgeworfen worden, die Pächterin des „Verdener Ecks“ verbal dazu gedrängt haben, sich von der rechtsextremen Hooligan-Szene zu distanzieren. Für die Ermittlungen war im September seine Immunität als Bürgerschaftsabgeordneter aufgehoben worden. Im Oktober wurden das Verfahren gegen Zicht eingestellt. Eine Nötigung sei nicht nachzuweisen, so die Staatsanwaltschaft. Zudem hatten mehrfach Sympathisanten der linken Bremer Ultra-Szene mit Kundgebungen die Freilassung des 21-jährigen Valentin erreichen wollen. gn

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