Bremens Privatzoo schließt / Neues Zuhause für Weißhandgibbons

Botanika nimmt Affen auf

Weißhandgibbon-Mädchen „Wody“ kuschelt sich in die Arme von Renate Anders. Ebenso wie ihre Eltern „Buby“ und „Lucy“ sowie ihr Bruder „Knuppy“ wird die eineinhalbjährige „Wody“ in der Botanika ein neues Zuhause finden. - Foto: Bahlo

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. „Wody“ kuschelt sich eng an Renate Anders. Schließlich steht da ein fremder Mann und will sie fotografieren. Allerliebst ist es, das eineinhalb Jahre alte Weißhandgibbon-Mädchen, eine eigene Nachzucht im Gartencenter Vida in Huchting. Aber ebenso wie ihr Bruder „Knuppy“ (4) und die Eltern „Buby“ (44) und „Lucy“ (14) wird „Wody“ in ein paar Wochen in ein neues Zuhauses ziehen – ins grüne Wissenschaftscenter Botanika in Horn. Denn Bremens einziger Zoo schließt seine Pforten.

Für Josef Vida und seine Frau Renate Anders – im Augenblick im Dauerstress – gehen turbulente Jahre zu Ende. Vor allem in den 80er und 90er Jahren machte das Gartencenter Vida in Huchting von sich reden, schließlich beherbergte es einen großen Privatzoo. „Zeitweise hatten wir 256 Tiere hier, darunter 100 Papageien“, sagt Vida. Auch Löwen und Elefanten gehörten zur Schau. Das Gelände ist 10.000 Quadratmeter groß. „Wir wollten Leute ins Center holen, und Bremen hatte keinen Zoo“, erzählt Vida über die damalige Motivation zur Anlage.

Seit 38 Jahren leben im grünen Paradies mitten in der Stadt Weißhandgibbons. Die kleine „Wody“ und ihr Bruder „Knuppy“ sind eigene Nachzuchten im Hause Vida. Daher sind die Gefühle derzeit „sehr gemischt“, wie Renate Anders sagt. Viel, viel Arbeit haben sie und ihr Mann in den Privatzoo gesteckt. Doch mittlerweile ist Josef Vida 73 Jahre alt und muss sich schweren Herzens aus gesundheitlichen Gründen auch von den letzten verblieben Tieren und der gesamten Anlage trennen. Gartencenter, Tierschauanlage und Wohnung, alles ist verkauft, sagt der 73-Jährige, ein Nachfolger für das kleine Paradies wurde nicht gefunden. In ein paar Wochen ist das Center dicht, „wir suchen eine neue Bleibe“. Und was dann? „Erstmal ruhen wir uns aus. Wir haben 45 Jahre keinen Urlaub gemacht“, sagt Vida. Was aus der leeren Anlage wird, ist noch offen, heißt es.

Das ist „Knuppy“, gut vier Jahre alt und eine eigene Nachzucht im Gartencenter Vida in Huchting. - Foto: Bahlo

Bereits seit etwa zehn Jahren haben Vida und Anders den Tierbestand abgebaut. Zuletzt gab es noch Nandus und Javaneräffchen, die eine neue Bleibe in einem Tierpark im Südwesten gefunden haben. Bleiben die vier Weißhandgibbons, die dem Paar besonders am Herzen liegen. Die kleinen Menschenaffen sollten in gute Hände kommen, die Bremer weiter die Möglichkeit haben, „ihre Gibbons“ zu besuchen. Der Huchtinger wandte sich an die Botanika, die bereits Erfahrung mit der Haltung von Tieren als Ergänzung zu ihren großen Schaugewächshäusern hat. Für eine Unterbringung der Gibbons in einem deutschen oder ausländischen Zoo bestand nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, da „eine Integration der Tiere in eine bestehende Gruppe schwierig bis unmöglich ist“, wie Philipp Kleppe, Tierpfleger in der Botanika, erklärt. Zudem ist Männchen „Buby“ ein ganz besonderes Exemplar: Mit seinen 44 Jahren ist er laut Kleppe wohl einer der ältesten Gibbons der Welt. Ein langer Transport sei daher für den betagten Primatenmann mit einem großen Gesundheitsrisiko verbunden.

Die Botanika sieht eine inhaltliche Verbindung zwischen den Tieren und dem Science-Center. Weißhandgibbons kommen unter anderem im südlichen China (Yunnan) sowie in Myanmar vor – beides Gebiete, die bereits Teil der Ausstellung sind. Die Primaten seien Symbol für den Erhalt der Wälder in Südostasien und ließen sich gut in die Umweltbildung der Botanika integrieren, sagt Geschäftsführerin Petra Schäffer. Die Gibbons seien in Bremen aufgewachsen und hätten in der Region viele Fans, so Schäffer zu den Beweggründen der Aufnahme. Da die Art stark gefährdet sei, seien die Gibbons auch Botschafter der Artenvielfalt, die die Botanika thematisiere. Die tierschutzrechtlichen Aspekte wurden unter anderem mit dem Tierschutz- und Veterinärdienst abgeklärt. Laut Schäffer befürworteten alle zu Rate gezogenen Organisationen den Einzug in die Botanika. Auf der Anlage leben bereits Chamäleon, Pfeilgiftfrösche, Geckos, Fische sowie Insekten. In Sonderausstellungen waren immer mal wieder Säugetiere zu Gast.

Auf den Freiflächen hinter der Botanika entsteht bis Ende September zunächst ein tiergerechtes Provisorium, von dem Teile später für das endgültige neue Zuhause der Gibbons genutzt werden können, wie Armin Schlüter sagt. Das soll dann 150 Quadratmeter (bis vier Meter hoch) groß sein, aus zwei Käfigen mit jeweils Innen- und Außengehege bestehen. Viele Äste, Stangen, Seile, Bambus, Sitzgelegenheiten und Spielgeräte für die 60 bis 80 Zentimeter großen Affen werden eingebaut.

Die Kosten für das endgültige Gehege werden auf 100.000 Euro geschätzt. Dafür sucht die Botanika dringend Spender.

www.botanika-bremen.de

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