Kriminaltheater zeigt Werner Schwabs „Die Präsidentinnen"

Das Böse kommt von unten

Das Stück „Die Präsidentinnen“ lebt nach 20 Jahren am Kriminaltheater wieder auf. Unser Foto zeigt Marion Freundorfer (v.l.), Nomena Struß und Liz Hencke. - Foto: Claudia Hoppens

Bremen - Von Martin Kowalewski. Werner Schwabs Radikalkomödie „Die Präsidentinnen“ kommt in keiner Weise präsidial daher. Vielmehr zeigt sie drei Putzfrauen, die gefangen in ihren Vorurteilen und den Widrigkeiten des Lebens, immer wieder aufeinander losgehen. Eine von ihnen überlebt einen netten gemeinsamen Abend nicht. Bereits vor 20 Jahren inszenierte das „Junge Theater“ das Stück. Das Team um Regisseur Ralf Knapp beschloss, es jetzt wieder aufleben zu lassen. Zu sehen ist es diesmal im Bremer Kriminaltheater in der Union-Brauerei in Walle.

Es ist eng auf der Bühne. Das in ihrer Mitte aufgebaute Wohnzimmer mit Röhrenfarbfernseher nutzt nur einen Teil des Raums. Gute Voraussetzungen, um kräftig aneinanderzugeraten. Gute Voraussetzungen dafür bringen auch Greta (Nomena Struß), Erna (Marion Freundorfer) und Mariedl (Liz Hencke) mit. Sie alle sind Gefangene ihrer Zwänge und mehr oder weniger offensichtlich bösartig.

Greta hat nicht verarbeitet, dass ihre Tochter sich nach Australien abgesetzt hat und keinen Kontakt will. Am Rande erfährt man von einer Vergewaltigung durch den Vater. Dennoch ist Greta oberflächlich lebensfroh, wenn auch etwas derb in ihrer Ausdrucksweise. Die leicht zurückgebliebene Mariedl ist brav und gläubig. Ihr besonderer Stolz: Sie reinigt verstopfte Toiletten ohne Handschuhe. Ihre Erzählungen machen das Stück zu einer schweren Kost für Menschen, die sensibel auf fäkale Vorstellungen reagieren. Ansonsten lebt Mariedl, wie es dem Pfarrer gefällt. Das tut auch Erna. Sie ist verliebt in den Fleischer Woityla, gebürtiger Pole und im Kirchenvorstand. So hieß zufällig auch der zur Zeit der Werkentstehung 1991 amtierende Papst mit bürgerlichem Namen. Am Rande erfährt man, dass Leute, die sich von der kirchlichen Obrigkeit abgewendet haben, in die Wurst gehören. Das stört aber nicht, denn Verständnis und Nächstenliebe werden zwar beschworen, sind aber wahrlich keine Stärke der drei Damen mittleren und fortgeschrittenen Alters.

„In dem Stück sind Dinge drin, die mir inzwischen nähergerückt sind. Es wird am Rande über Inzest gesprochen. Später zeigen das die Medien in der Realität“, sagt Regisseur Ralf Knapp. Die Inszenierung sei diesmal etwas distanzierter geworden. „Wir haben uns damals einen analfixierten Spaß daraus gemacht. Die Inszenierung im ,Jungen Theater‘ war körperlicher“, sagt Knapp. Geändert habe sich aber seitdem die Gegenwart.

Janina Receveur hat vor 20 Jahren die Aufführung des ,Jungen Theaters' gesehen. „Die Schauspielerinnen haben die Rollen noch besser ausgefüllt als vor 20 Jahren. Die sind ja auch älter geworden und haben in der Zwischenzeit Lebenserfahrungen gesammelt. Das war wieder einfach toll“, sagt Receveur. Auch Annemarie Suwe war damals dabei und ist zum zweiten Mai begeistert. „Die haben schon den Stil von damals wiederaufleben lassen. Ich habe das Stück selber anders gesehen als damals, weil ich seitdem auch viel erlebt habe“, sagt Suwe.

Das Premierenpublikum spendete tosenden Applaus. „Die Präsidentinnen“ läuft bis zum 22. Oktober im Bremer Kriminaltheater, Theodorstraße 13 a.

www.bremer-kriminaltheater.de.

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