Schaffermahlzeit:

Böhrnsens Verzicht

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Kein Platz für Frauen? Tische der Schaffermahlzeit. ·

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Es wird eine Premiere, und es wird voll – mehr als 200 Frauen wollen bei der Schaffermahlzeit am Freitag, 8. Februar, ein Spalier zwischen Schütting und Rathaus bilden.

Just dann, wenn die Herren der Schaffermahlzeit vom Schütting ins Rathaus wechseln. Der Protest richtet sich gegen den Ausschluss von Frauen aus der Männerrunde (wir berichteten).

Organisiert hat ihn Bremens Frauenbeauftragte Ulrike Hauffe. „Es kommen immer noch regelmäßig Anmeldungen dazu“, sagte eine Mitarbeiterin Hauffes gestern. Ein Beleg dafür, dass die Protestaktion einen Nerv trifft. Diskutiert wird das Thema „Frauen bei der Schaffermahlzeit“ seit Jahren – auch überregional. Und natürlich in Bremen. Vieles davon blieb bislang hinter den Kulissen. Durch Hauffes Protestankündigung, ebenfalls überregional wahrgenommen, ändert sich das nun. Das Thema rückt weiter in die Öffentlichkeit. Veranstaltungen wie die Schaffermahlzeit gelten als Imagewerbung und Kontaktbörse. Netzwerkarbeit zum Wohle Bremens, aber ohne Frauen? Das wird zunehmend als unpassend und grotesk wahrgenommen.

Die Spatzen pfiffen es vor zwei Jahren vom Rathausdach, dass Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) sein Vorschlagsrecht für die Schaffermahlzeit 2011 gerne genutzt hätte, um die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) einzuladen, die damals gerade als erste Frau Deutschlands Bundesratspräsidentin geworden war. Auch die Kraft-Foods-Chefin Irene Rosenfeld aus den USA konnte sich Böhrnsen – immer mit dem Blick auf eine gute Netzwerk arbeit für den Standort Bremen – vorstellen.

Doch die Stiftung Haus Seefahrt, die die Schaffermahlzeit organisiert, signalisierte dem Rathaus, dass man so weit noch nicht sei. Für dieses Jahr hat Böhrnsen auf sein Recht, Gäste vorzuschlagen, verzichtet.

Im Jahr 2011 war es auch, als ein paar Unternehmerinnen aus dem Plenum der Handelskammer zum Treffen der Schaffermahlzeit-Teilnehmer im Schütting gingen. Das fiel auf. Zum Essen durften sie dann natürlich nicht mit.

Und sonst? Frauen dürfen an der Schaffermahlzeit in der Oberen Rathaushalle teilnehmen, sofern sie ein Kapitänspatent besitzen – in diesem Jahr, so war zu hören, werden auch Kapitäninnen erwartet. Und Frauen können dabei sein, wenn sie Bundeskanzlerin sind.

Unternehmerinnen werden durch diese Praxis praktisch ausgeschlossen. Dagegen richtet sich am 8. Februar der Protest der Frauen, die in schwarzen Anzügen und weißen Blusen erscheinen wollen. „Es soll so etwas wie eine fröhliche Mahnwache werden“, sagte eine Sprecherin Hauffes.

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Kommentare

ChrisWo
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Ja ja, da stehen die Frauen natürlich Spalier, um den Mänern auch den letzten Spaß zu vertreiben. Sollen die Feministinnen doch eine eigene Schaffermahlzeit organisieren, dann kommen die auch zu ihren Essen.

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