40-köpfige Bremer Raumfahrtdelegation schaut in Kalifornien über den Tellerrand

Blick ins Silicon Valley

Raumfahrttechniker arbeiten im Reinraum von Airbus Safran Launchers in Bremen an einem der Triebwerksmotoren für die oberste Stufe einer Ariane-5-Rakete. Heute reist eine Bremer Raumfahrtdelegation in die USA, um in Sachen Raumfahrt über den Tellerrand zu schauen. - Foto: dpa

Bremen - Besuche im Forschungszentrum der Nasa, bei Start-ups und anderen führenden US-amerikanischen Firmen der Raumfahrtbranche stehen in den nächsten Tagen auf dem Programm von Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD).

Zusammen mit einer 40-köpfigen Delegation reist er heute nach Kalifornien, um in Sachen Raumfahrt über den Tellerrand zu schauen. Die Delegation bereist bis zum 21. August San Francisco, Los Angeles und das Silicon Valley.

Auf den Fensterbänken des Wirtschaftssenators ist nicht mehr allzu viel Platz. Dort stehen Modelle von Galileo- Satelliten, Ariane-5-Raketen und ein Dutzend Flugzeuge der Airbus-Familie. Die Luft- und Raumfahrtbranche zählt für Günthner neben der Autoindustrie, der maritimen Wirtschaft, der Logistik und der Windkraft zu den zentralen Säulen der bremischen Wirtschaft. „Bremen gehört zur Weltspitze in der Raumfahrt“, sagt Günthner und betont, wie wichtig es ist, neue Entwicklungen intensiv zu begleiten und sich mit Experten auszutauschen.

So steht beispielsweise die Frage nach der kommerziellen Raumfahrt mit privaten Reisen ins All auf dem Programm der Delegation. Geplant ist unter anderem ein Besuch des Strahlenantriebslabors der Nasa und des Ames Zentrums für Grundlagenforschung im Bereich Luftfahrttechnik.

Auch der privatwirtschaftliche Raumfahrzeugentwickler „Space X“ sowie der Hersteller von Miniaturerdbeobachtungssatelliten „Planet“ öffnen den Bremer Besuchern ihre Türen. Auf dem Programm steht zudem die „Singularity University“. Sie wurde 2008 auf dem Gelände des Nasa Research Park in Kalifornien gegründet, hat heute das Renommee einer Denkfabrik und gilt als wichtiges Zentrum für Technologie-Gründungen, heißt es aus dem Wirtschaftsressort.

Organisiert hat den Arbeitsausflug die Wirtschaftsförderung (WFB). Das Silicon Valley gilt als ausgezeichnetes Ökosystem für Unternehmensgründungen in der IT- und Hightech-Branche und ist zudem führend im Bereich der kommerziellen Raumfahrt, auch „New Space“ genannt, betont Günthner.

Die Raum- und Luftfahrt entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem Markenzeichen der Hansestadt. Die Kennziffern: 140 Unternehmen, 20 Top-Institute, 12.000 Beschäftigte und ein Jahresumsatz von vier Milliarden Euro.

In der Airbusallee unmittelbar am Bremer Airport werden nicht nur Flügel der A 330 und A 350 mit allen Systemen ausgerüstet. Dort wird auch die Oberstufe der Rakete Ariane 5 produziert, also das obere Bauelement, in dem Tanks und Steuerungstechnik untergebracht sind. Besucher müssen Schutzkappen, einen hellblauen Kittel und Überschuhe tragen, wenn sie die mit Hightech gespickten riesigen Bauteile aus der Nähe sehen wollen. „Klasse 100.000“, erläutert die Sprecherin von Airbus Safran Launchers in Deutschland, Kirsten Leung, den Reinraum. 

„Maximal 100.000 Staubpartikel pro Kubikmeter Luft sind erlaubt.“ Das im Januar 2015 gegründete deutsch-französische Joint-Venture Airbus Safran Launchers ist der industrielle Hauptauftragnehmer für die Ariane 5, die Satelliten ins All befördert. Bislang gab es 72 erfolgreiche Starts in Folge. Auch die Oberstufe der neuen, insgesamt 62 Meter hohen Ariane 6 wird in Bremen gebaut (geplanter Erstflug: 2020). Insgesamt ein Milliarden-Auftrag der Europäischen Weltraumagentur ESA.

In der ersten „Weltraum-Liga“ spielt auch der europäische Raumfahrt- und Technologiekonzern OHB SE. Das Bremer Unternehmen um die Familie Fuchs gehört zu den Raumfahrtpionieren und ist seit Jahren auf Expansionskurs. Unter dem Dach des seit 2001 börsennotierten Unternehmens werden die Galileo-Satelliten entwickelt, gebaut und getestet. Von den 14 Galileo-Satelliten im All stammen zehn von OHB.

Wo Raumfahrtindustrie arbeitet, ist Wissenschaft und Forschung ein zentraler Baustein, wie im Zentrum für Angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) mit seinem Fallturm, in dem Schwerelosigkeit erreicht wird. Im Innern sausen bis zu dreimal am Tag Kapseln in die Tiefe oder werden per Katapult in die Höhe geschossen. Ein Abwurf kostet 5.000 Euro. „Und meistens sind wir auf ein Jahr ausgebucht“, sagt Physiker Prof. Claus Lämmerzahl. - gn/dpa

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