„Mein Kunst-Stück“ mit Katharina Berndt: „Witterungen“

Blättrige Farbe

Die scheinbaren Landschaften auf Katharina Berndts Bildern sind verwitterte Oberflächen. „Witterungen“ heißt die Serie, die sie hier präsentiert. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Witterungen“ heißt Katharina Berndts Dreierpack, den sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Alle Kunstwerke basieren auf den Formen und Farben verwitterter Oberflächen, die sie in Frankreich fotografierte.

Während eines Auslandssemesters in Frankreich stieß Katharina Berndt an der Straße, auf Friedhöfen und Werften auf unterschiedliche Strukturen von korrodiertem Metall und abgeblätterter Farbe. „Ich war geradezu beseelt davon“, sagt sie und beschreibt sich als eine Art „Motiv-Entdecker“ in der Natur. „Solche Oberflächen auf Türen oder Toren findet man in Deutschland selten.“ Mit den Aufnahmen der verwitterten Flächen wollte sie eine thematische Ausstellung machen. Sie digitalisierte die Fotos und fügte grafische Elemente hinzu.

Die teils grell-bunten Mikrostrukturen mit bizarren Formen und Mustern verwandelte Berndt in räumliche Umgebungen. Durch grafische Elemente wie etwa kleine menschliche Silhouetten veränderte sie die Proportionen. Krater, Risse und phantastische Formen werden zur Umwelt der Figuren. „Es ist ein Bühnenbild, frei für Assoziationen“, freut sich Berndt. Deswegen verzichtete sie auf Einzeltitel der „Witterungsbilder“. Wie unterschiedlich das ist, was die Betrachter in den Bildern sehen, ist spannend. 

Es seien regelrechte Psychogramme, sagt sie. Wo der eine Betrachter eine unendlich traurige Landschaft sieht, sehe ein anderer eine Hure, die auf einen Freier wartet. In einem anderen Bild lässt sich ein Mann mit Bart erkennen – oder auch ein küssendes Paar. Für Berndt füllen die eigenen Erinnerungen das Bild, beispielsweise vom Schloss Sanssouci bei Regen: „Das ist stimmungsvoll, wie Musik.“

Die Rahmen sind bewusst für jedes einzelne Bild gewählt. Berndt arbeitet als Grafikerin; für ihre Lichtinstallationen an Gebäuden wurde sie ausgezeichnet. Mit ihrer jungen Familie lebt sie auf dem als Hotel ausgebauten Küstenkreuzer „Ronja“ im Hohentorshafen. Dort hängen auch ihre Witterungsbilder. Menschen mit Bildern und Musik zu berühren, das treibt sie an. „Die ‚Witterungen‘ bringen Ruhe in unsere schnelle digitale Zeit“, meint Berndt, „und die Schiffsgäste reden darüber.“

Schon als Kind war Berndt fasziniert, wenn ihre Mutter, die Landschaftsarchitektin war, zeichnete. Freie Kunst wollte sie dennoch nicht studieren. Denn sie befürchtete, dabei von ihren ganz eigenen Ideen abzukommen.

Eine zentrale Herausforderung des Künstlerlebens ist das Geld. „Es ist eine Gratwanderung, so viel Freiheit wie möglich für die Kunst zu haben und dabei gleichzeitig die materiellen Grundbedürfnisse zu befriedigen.“ Berndt sieht das Leben als Phasen. Steckt man in einem Projekt, sei man rund um die Uhr damit beschäftigt. Zurzeit, mit Kind und Schiff, sei es allerdings schwieriger mit der kreativen Unbedingtheit. „Man kann in zwei Stunden nicht wahnsinnig kreativ sein“, stellt die Bremerin lakonisch fest. Künstler sei man aber in seinem Wesen, auch wenn man gerade weniger produziere.

Ob wir Kunst brauchen? Berndt hält es mit Pablo Picasso – „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“ Ihre Lichtkunst beispielsweise verwandelt Orte und Gebäude in Phantasieräume.

Zu den Künstlern, die für Berndt besonders bedeutend sind, zählen der norddeutsche Zeichner und Grafiker Horst Janssen (1929 bis 1995) sowie der zeitgenössische Illustrator Felix Scheinberg. Janssen mag Berndt als „großartigen Zeichner, mit einem tollen, lebendigen Strich“ und Scheinberg, weil er sie selbst beeinflusst habe – ebenso wie der Jazzpianist Brad Mehldau, zu dessen Musik sie gern arbeitet.

Wenn Berndt jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge eins an die Pianistin Hélène Grimaud, die als Synästhetikerin Klänge gleichzeitig als Farben wahrnimmt. „Wäre ich Klavierspielerin, würde ich so spielen wie sie. Ihre Musik ist mir sehr nah.“

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