Buch über Hauffs Ratskeller-„Phantasien“

Ein Besuch mit Nachwirkungen

+
Blick in das Hauff-Buch von Thomas Elsmann: „Zum Wohle Bremens“ behandelt Geschichte und Rezeption der „Phantasien im Bremer Ratskeller“.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Ein „Herbstgeschenk für Freunde des Weines“ sind sie im Untertitel, die 1827 erschienenen „Phantasien im Bremer Ratskeller“ des schwäbischen Dichters Wilhelm Hauff (1802 bis 1827). Geschenk? Ja, es geht auf Weihnachten zu! Und da füllen sich die Neuheitentische in den Buchhandlungen auch wieder mit allerlei neuen Bremensien.

Eine von ihnen hat Hauffs berühmte Ratskeller-Novelle zum Thema: „Zum Wohle Bremens“ von Dr. Thomas Elsmann behandelt Geschichte und Rezeption der „Phantasien im Bremer Ratskeller“. Mal hintergründig, mal anekdotisch, stets versiert und kenntnisreich schreibt Elsmann über Hauffs Bremen-Besuch im Sommer 1826 – und dessen Nachwirkungen. Erschienen ist der Band im Schünemann-Verlag (174 Seiten, Preis: 22,90 Euro).

Im Hotel „Zur Stadt Frankfurt“ am Domshof hatte Hauff Quartier genommen. Elsmann beschreibt, wer den jungen Dichter nach Bremen gelockt hatte, wer ihn in den Ratskeller schleppte und in wen er sich – obwohl ja eigentlich schon verlobt – hier leidenschaftlich verguckt hatte.

Der Ratskeller übrigens, so Elsmann, war in jenen Tagen eine – wie man heute sagen würde – Touristenattraktion. Bremer gingen da kaum hin. Die Bremer mochten den deutschen Wein auch nicht mehr so gern. Nach der „Franzosenzeit“, die erst wenige Jahre zurücklag, waren französische Weine an der Weser gefragt. Hauff macht sich in seinen „Phantasien“ (auch) darüber lustig – und so ist seine berühmte Novelle auch eine Art Werbeschrift für den Rheinwein. Und das ja auf literarischem Niveau. Über die Jahre und Jahrzehnte wurde der Text zugleich zu einer (wenn man das noch einmal so profan sagen darf) Werbeschrift für Bremen und den Ratskeller.

Elsmann beschreibt die Geschichte der Hauff-Verehrung und widmet sich ausführlich verschiedenen bremischen und nicht-bremischen literarischen Werken, die auf Hauffs Novelle Bezug nehmen und denen die „Phantasien“ als Inspiration dienten. Das ist höchst vergnüglich zu lesen – zumal der Autor eine Fülle faszinierender Details zu berichten weiß.

Elsmann selbst ist von Berufs wegen ein Mann der Bücher. Er ist Leiter der Abteilung für Handschriften und Rara in der Staats- und Universitätsbibliothek. Elsmann kennt sich in der bremischen Geistes- und Kulturgeschichte des 16. bis 19. Jahrhunderts bestens aus. Im Schünemann-Verlag hat er unter anderem die Biographiensammlung „Im Schatten des Kaufmanns – Bremische Gelehrte 1600 bis 1900“ veröffentlicht (2012).

Skurrile Blüten und ein Tollhaus im Teufelsmoor

Nicht in den Ratskeller, sondern nach Worpswede führt das neue Buch der Bremer Schriftstellerin Betty Kolodzy: „Im Sommer kommen die Fliegen“ (Verlag: Michason und May, 204 Seiten, Preis: 14,90 Euro) erzählt die groteske Geschichte des Archivars Knorp, der zur Erholung nach Worpswede reist, dort allerdings überhaupt keine Erholung findet. Im Gegenteil. Er verliert sich in Phantasien und Phantastereien und entwickelt eine ungesunde Angst vor seiner Zimmerwirtin, der kontaktfreudigen Witwe Peters.

Kolodzy lässt die Geschichte wild fabulierend skurrile Blüten treiben – ein Tollhaus im Teufelsmoor, sozusagen. Nichts ist, wie es scheint, manches hingegen scheint, wie es ist. Einmal mehr beweist Kolodzy („Lux und Leben“) dabei einen Sinn für starke Bilder, als Beispiel dafür sei nur der Teufelshuf des Protagonisten Knorp genannt.

Am Ende führt die Erzählerin alle Fäden des wilden Treibens wieder zusammen. Zwischendurch gelingen ihr – beinahe nebenbei – starke Sätze wie: „Der Mensch erfindet das Rad nicht neu, aber immer neue Räder.“

Die Geschichte einer Bremer Liebe

Die Liebe, angeblich ja ein seltsames Spiel, ist wieder und wieder ein Thema für schöne Bücher. „Irmchen und der Prinz“, das – so der Untertitel – „Tagebuch einer Bremer Liebe“, ist ein Beispiel dafür. Henrich Wilckens hat im Haushalt seiner Mutter zwischen alten Fotos ein grünes Heft gefunden, das er nach ihrem Tod transkribiert und mit Bildern und Briefen zu dem Band „Irmchen und der Prinz“ (Schünemann-Verlag, 176 Seiten, Preis: 14,90 Euro) erweitert hat.

Das Buch erzählt eine (wahre!) Liebesgeschichte: 1932 entspann sich zwischen der lebenslustigen Irmgard Flohr und Prinz Friedrich, Enkel des letzten deutschen Kaisers, eine Romanze. In dem grünen Büchlein hatte die junge Frau ihrer Erinnerungen daran niedergeschrieben. Ein Zeitdokument, das viel Zauber in sich hat.

Mehr zum Thema:

Hannover festigt Rang drei - St. Pauli holt Punkt

Hannover festigt Rang drei - St. Pauli holt Punkt

Weihnachtsmarkt in Diepholz

Weihnachtsmarkt in Diepholz

Mitmachtag der Kita Dörverden

Mitmachtag der Kita Dörverden

Unfälle auf der A1 in Richtung Bremen

Unfälle auf der A1 in Richtung Bremen

Meistgelesene Artikel

Weltkriegsbombe in Bremen entschärft

Weltkriegsbombe in Bremen entschärft

Brennende Zigarette sorgt für Feuerwehreinsatz 

Brennende Zigarette sorgt für Feuerwehreinsatz 

24-Jähriger schießt auf Frau

24-Jähriger schießt auf Frau

Drei Meter dicke Mauern

Drei Meter dicke Mauern

Kommentare