„Mein Kunst-Stück“ mit Gudrun Salgmann: „Birken“ in zarten Farben

Beseelte Natur

Gudrun Salgmann präsentiert ihr Ölbild „Birken“. Es gehört zu einer Reihe von Bildern und Drucken, in denen sie sich mit Bäumen und Baumstrukturen beschäftigt. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Birken“ heißt Gudrun Salgmanns Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Das Motiv zeigt die weißen Stämme eng beieinanderstehender Bäume. Die Konturen sind geglättet, die Farben zart. Bei längerem Hinschauen lockt es den Betrachter förmlich, in die kleine Baumgruppe hineinzuschreiten.

Das Ölbild „Birken“ gehört zu einer Reihe von Bildern und Drucken, in denen sich Gudrun Salgmann mit Bäumen und Baumstrukturen beschäftigt. Sie verzichtet auf üppigen Farbauftrag und kann so feine Übergänge schaffen, die man sonst eher von Airbrush-Bildern gewohnt ist. Diese Feinstofflichkeit und die Motive aus der Natur zögen sich durch ihre Werke, sagt Salgmann. Die Verfremdung und Abweichung von einer realistischen Darstellung fordere zum erneuten Hinsehen auf, zum Staunen und Nachdenken.

„Bäume sind mit einer uralten Symbolik besetzt“, sagt die Künstlerin. „Sie verbinden Himmel und Erde.“ Birken siedelten sich beispielsweise als Pionierpflanzen vor anderen Arten auf Brachland an. In der Natur sieht Salgmann eine Welt, die neben der kurzweiligen Konsumwelt existiert. Die Achtung der Natur, allem Lebendigen und eine damit verbundene Zugehörigkeit zur Natur gingen verloren. „Wir werden von Strukturen beherrscht, die keine Rücksicht auf die grundlegenden Bedürfnisse ein jeder Kreatur nehmen“, sagt die Künstlerin. Insofern seien ihre Bilder auch kritisch. Dabei ist Salgmanns künstlerische Umsetzung immer sehr präzise. Diese Hingabe bis ins Detail bestimmt Zeichnungen, Ölbilder, Drucke und Cartoons.

Gezeichnet und gemalt hat die Bremerin schon immer. „Ich bin nicht auf die Kunst gekommen, sondern die Kunst ist zu mir gekommen“, sagt sie und lacht. Außer einer Tante sei sie die einzige Künstlerin in der Familie. Ihre aus Vernunft begonnene Ausbildung in der Verwaltung beendete Salgmann vorzeitig. Sie machte ihr Abitur nach und studierte Kunsttherapie in Ottersberg.

Wozu wir Kunst brauchen? „Eine Welt ohne Kunst wäre für mich gar nicht vorstellbar“, sagt Salgmann. Kunst sei Seelenerhalt. Es habe sie schon immer gegeben. Selbst bei den Höhlenmenschen entschieden sich einige zu malen, statt mit auf die Jagd zu gehen. „Das hat etwas mit Spiritualiät, der Achtung allen Lebens und dessen Wertschätzung zu tun.“

Der Künstleralltag Salgmanns sieht neben der Arbeit als Angestellte einen festen Ateliertag pro Woche vor. Notizen, Skizzen und Tagebucheinträge werden auch zwischendurch zu Hause gemacht. Bei einer neuen Idee intensiviert sich die künstlerische Arbeit. Wein und Muse seien nicht nötig, versichert Salgmann: „Die Droge ist die Kunst selbst.“

Eine Herausforderung sei die ständige Diskrepanz zwischen dem, was man gern täte und dem, was man tun muss, um über die Runden zu kommen. Dass Künstler meist besonders empfindsame Menschen sind, die viel wahrnehmen, mache es nicht unbedingt einfacher. Wichtig aber sei der Austausch mit anderen Künstlern. Zu den Künstlern, die für Salgmann besonders bedeutend sind, zählen die deutsche Malerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz (1867 bis 1945) und die US-amerikanische Malerin Georgia O’Keeffe (1887 bis 1986). Kollwitz findet Salgmann faszinierend, auch wegen der sozialen Aspekte ihrer Arbeiten. Ihre Kinderzeichnungen steckten voller Liebe. O’Keeffe hingegen widmete sich einfachen Dingen aus der Natur und das konsequent bis ins hohe Alter.

Wenn Salgmann jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge das sozialkritische Bild „Die Randerscheinung“ an Kanzlerin Angela Merkel (CDU). „Viele fallen durchs soziale Raster“, sagt Salgmann. Die Menschen bekämen nicht die Unterstützung, die sie bräuchten. Das produziere kaputte Familien, Eltern, die zu viel arbeiteten, und Kinder, die zu kurz kämen.

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