„Mein Kunst-Stück“ mit Kathrin Massarczyk: „Cerro de siete colors“

Begegnungen ohne Worte

Nach japanischer Tradition malte Massarczyk eine argentinische Landschaft. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Cerro de siete colors“ heißt Kathrin Massarczyks Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es erscheint wie ein bunter Textildruck. Doch jede Wiederholung wurde nach der Bingata-Technik so exakt wie möglich von Hand ausgeführt.

Der Hügel der sieben Farben (Cerro de los siete colores) ist eine Berglandschaft im Nordwesten Argentiniens. Gemalt hat Kathrin Massarczyk das Textilbild in der traditionellen Kimono-Malerei Japans, der sogenannten „Bingata-Technik“. Im Schneidersitz saß sie vor dem gespannten Stoff. Auf ihn wird zuerst durch eine Schablone Reispaste aufgebracht. Es entstehen Konturen aus weißen Linien, die sich beliebig wiederholen lassen.

Für die Farbe wird Sojamilch mit Pflanzenpigmenten gemischt. Dann wird mit zwei Pinseln gearbeitet, einer zum Auftragen der Farbe und einer für die Schaffung weicher Übergänge. Während die Gleichförmigkeit der Konturen durch die Schablone gesichert wurde, verlangt die Bingata-Technik, dass jedes der Elemente einzeln ausgearbeitet wird. „Für jedes einzelne Element muss also die Farbe neu gemischt werden“, sagt Massarczyk. Das Mischen und Malen gleichmäßiger Übergänge sei das Kniffeligste gewesen. Die Technik erlernte Massarczyk während eines Auslandssemesters im japanischen Okinawa. Rund sechs Wochen arbeitete sie an „Cerro de siete colors“.

Die meisten Bilder Massarczyks erzählen von ihren Aufenthalten im Ausland. Mit 19 Jahren ging sie für anderthalb Jahre nach Argentinien. Während ihres Kunstsemesters in Japan merkte die Bremerin, wie wichtig einerseits die Sprache ist und wie menschliche Begegnungen dennoch mit anderen Kommunikationsmitteln stattfinden. Massarczyk achtete genau darauf, was solche Situationen in ihr auslösten und wie sich ihre Sicht auf die Welt innerhalb eines anderen Kulturkreises veränderte. Diese Momente hielt sie in Bildern oder Fotos fest.

Ihre Liebe zum Malen begann schon als Kind. Sie zeichnet Studien von Pferden, Kühen, Hunden, Katzen und später Stillleben. Dann stellte Massarczyk fest, dass sie eigene Themen hatte, für die das Malen die richtige Sprache bot. Ihr Studium der Kunst und Ethnologie brach sie ab, um an der Hochschule für Künste „Integriertes Design“ zu studieren. Illustration, Fotografie und Film gehörten dazu.

Die größte Herausforderung sei es, durch die Kunst genug Geld zu verdienen, stellt Massarczyk fest. Sie arbeitet drei Tage die Woche für ihren Lebensunterhalt, um dann zwei Tage hochdiszipliniert im Atelier verbringen zu können. „Mit existenzieller Angst im Rücken ist es schwer, schöpferisch tätig zu sein“, stellt sie lakonisch fest. Für die Arbeit brauche sie viel Muße und Inspiration. Wenn es mit der Umsetzung einer Idee losgeht, könne sie nur schwer wieder aufhören: „Das ist ein großes Glücksgefühl.“ Kunst ist für Massarczyk ein Seelenspiegel: Der Künstler habe einen Kanal um etwas, das in ihm brennt, auszudrücken. Der Betrachter wiederum könne sich mit dem Resultat identifizieren, obwohl er darauf ganz eigene Erfahrungen und Gefühle projiziere.

Zu den Künstlern, die für Massarczyk besonders bedeutend sind, zählen Gerhard Richter und Joseph Beuys. Richter aufgrund seiner nüchternen Herangehensweise an die Kunst sowie die Perfektion seiner Farben und Kompositionen. Beuys auf der ideellen Ebene, für seinen Gedanken, dass jeder Mensch ein Künstler ist.

Wenn Massarczyk ein Bild als Botschaft schicken oder platzieren sollte, dann hinge eines ihrer Bilder von lateinamerikanischen Kindern neben einem Spendenplakat für Entwicklungsländer an einer Litfaßsäule. „Ich frage mich, warum die Kinder auf diesen Plakaten immer auf die gleiche Weise, mit nach oben gerichteten großen Augen, dargestellt werden“, sagt Massarczyk.

Massarczyks Bilder sind bis zum 27. Mai, montags bis donnerstags von 11 bis 14 Uhr, im Lagerhaus (Schildstraße) zu sehen.

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