Silbermond bietet im Pier 2 eine perfekte Show

Grenzenlose Spielfreude

Bremen - Von Ulf Kaack. Dynamischer Rock, abgrundtiefe Sentimentalität und fast pubertäre Leichtigkeit waren die prägenden Elemente beim Auftritt von Silbermond am Donnerstagabend im Pier 2 in Gröpelingen. Mit etwa 2 000 Fans sehr gut besucht, war der Auftritt des angesagten Quartetts aus Bautzen von der ersten Note an eine emotionale Party, die ihresgleichen sucht.

An dieser Stelle einfach nur von einem Konzert zu sprechen, würde der Sache nicht gerecht. Es war übrigens gestern Abend das Zusatzkonzert, der eigentlich geplante Auftritt heute Abend ist mit 2 800 Zuschauern ausverkauft.

Was Silbermond im Pier 2 abliefert, ist ein Ereignis. Allein der Auftakt sucht in der Rock’n’Roll-Branche seinesgleichen: Frontfrau Stefanie Kloß betritt die Bühne vom Ende der Halle aus, bahnt sich ihren Weg im Licht von zwei grellen Verfolgerspots quer durch die Menge der dichtgedrängt stehenden Fans. Dabei singt die 31-jährige das Intro „Die Mutigen“, das auch das aktuelle Album „Leichtes Gepäck“ der Gruppe einleitet. Wow, das hat was!

Mit viel Power steigt Silbermond ins Programm ein: Mit den Songs „Für Dich schlägt mein Herz“, „Lass' mal“, „Meer sein“ und „Keine Angst“ bringt die Band die Halle zum Sieden. Überhaupt, kommt das Repertoire des Quartetts, diesmal ergänzt um einen Gastmusiker an den schwarz-weißen Tasten, um einiges energetischer und rockiger rüber als gewohnt. Erst mit „Das Leichteste der Welt“ wird das Tempo an diesem Abend erstmals ein wenig gedrosselt.

Die Bühne ist riesig, aber die Musiker agieren fast immer an ihrem vorderen Rand. Publikumsnähe ist angesagt, Distanzlosigkeit und grenzenlose Spielfreude. Da wirken Schlagzeuger Andreas Nowak und der Gastkeyboarder im Hintergrund schon fast ein wenig verloren. Wie die Derwische wirbeln Gitarrist Thomas Stolle und sein älterer Bruder Johannes am Bass über die Bretter.

Faszinierend das Pensum, das Stefanie Kloß absolviert. Sie wirbelt pausenlos von Bühnenrand zu Bühnenrand, posiert mit den Bandkollegen, turnt über die Monitorboxen. Ständig ist die Frontfrau im Dialog mit den Fans. Freundlich, aufgeschlossen, ungekünstelt. „Außer in unserer Heimatstadt Bautzen haben wir es nur hier bei Euch Bremen geschafft, dass wir ein Zusatzkonzert organisieren müssen“, spricht Stefanie Kloß euphorisiert ins Mikrofon. „Bremen – wir lieben es, heute und morgen für Euch zu spielen!“ Mit den Balladen „Irgendwas bleibt“, „Allzu menschlich“ und „Heut hab' ich Zeit“ wird den Fans eine kurze Ruhepause gegönnt, bevor Silbermond mit „Himmel auf“ den Saal erneut unter Starkstrom setzt. Die Laut-Leise-Abfolge elektrisiert. Favoriten des Publikums sind eindeutig „Symphonie“, „Indigo“ und „Leichtes Gepäck“, die am Ende des Ereignisses als Dreiersalve auf die Fans abgefeuert werden, bevor es mit „Zeit zu Tanzen“ im Konfettiregen ausklingt.

Silbermond im Pier 2

Silbermond bot eine perfekte, aber stets authentische Show, die mitzureißen wusste. Die Musik der Sachsen war dabei erstklassige Handarbeit, frei von elektronischen Gimmicks. Ein sehr bekömmlicher Abend!

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