Deponieberg in den Wiesen

Baggern im Baggergut

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Auf der Baggergutdeponie in Seehausen lagern riesige Mengen von Hafenschlick. Unser Foto zeigt ein Entwässerungsfeld, auf dem der Schlick trocknet.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Zwischen Strom und Seehausen ragt ein Deponieberg aus den Wiesen. Er besteht aus entwässertem Hafenschlick. Nebenan, auf der Baggergutentsorgungsanlage der Hafengesellschaft Bremenports, werden die Sedimente zuvor getrocknet und aufbereitet.

Klemens Behrends auf dem Mietenwender. Mit diesem Gerät wird der Hafenschlick umgeschichtet.

Damit das flüssige Baggergut aus Bremens Häfen entsorgt werden kann, muss es erstmal trocknen. 200 Meter mal 100 Meter messen die Felder, auf denen der Schlick anfangs mit einem Pegel von bis zu 260 Zentimeter steht. Eine gute Drainage und regelmäßiges Wenden der Schlickmassen lassen das Volumen des Baggerguts innerhalb eines Jahres von 340 000 Kubikmetern auf 210 000 Kubikmeter schrumpfen. Der Clou: Mit Sand und Kalk gemischtes sogenanntes „konditioniertes“ Baggergut zeigt gute Dichtungseigenschaften. Selbst zur Deicherhöhung kann es verwendet werden. Allerdings will der konditionierte Schlick vor Frost geschützt werden, sonst zerbröselt er. Baggergut, das nicht für Deiche oder Wege auf dem Gelände genutzt wird, kommt auf die 32 Hektar messende Deponie.

„60 Kilometer hat der Schlick zurückgelegt, bis er aus Bremerhaven hier ankommt“, erklärt Ingenieur Arnd Manshusen von Bremenports. Was mit dem Eimerkettenbagger bei Bremerhaven vom Grund geholt wurde, kommt mit der Schlickschute die Weser aufwärts nach Seehausen. Ein sogenannter „Spüler“ pumpt das grauschwarze Nass mit einem Rüssel auf die Felder der Baggergutentsorgung. Die Sedimente setzen sich langsam, und das schadstoffbelastete Wasser wird in einen Entwässerungspolder gepumpt. Ein Teil des Wassers wird als Jetwasser für den Spüler genutzt. Das restliche Wasser aus dem Polder kommt in eine nachgeschaltete Pflanzenkläranlage. Anschließend kommt das gereinigte Wasser über einen sogenannten Vorfluter wieder in die Weser. Von den Sedimenten bleibt ein etwa 110 Zentimeter hoher Brei, der weiter trocknen muss.

Genau diesen Vorgang beschleunigt Klemens Behrends, indem er mit dem Mietenwender sehr langsam durch die Reihen halbtrockenen Baggerguts fährt. Auf einem Nachbarfeld werden derweil Proben genommen. 15 Stück pro Feld. Ohne Motorengeräusche ist es sehr still. „Im Sommer kann die Luft in den tiefergelegenen Entwässerungsfeldern ganz schön stehen“, sagt Behrends.

Wasserfelder, Deponie und Polder sind abgedichtete Systeme. Denn chlorid-, also salzhaltiger Schlick sei vor dem Deich zwar Weltkulturerbe, aber hinterm Deich Sondermüll, erklärt Manshusen. Neben Salz und Sulfat verunreinigten auch Tributylzinn-Verbindungen (TBT) den Hafenschlick. Seit dem Verbot von TBT-haltigen Schiffsanstrichen sei der TBT-Gehalt im Schlick aus dem Bremerhavener Überseehafen zwar gesunken, aber nicht völlig verschwunden. Baggergut das stärker belastet sei, komme auf die Deponie. Deren ursprünglich geplante Laufzeit verlängere sich durch die Aufbereitung des Schlicks um rund 25 Jahre, meint Manshusen. Außerdem komme kein Schlick aus Bremen mehr hinzu. Der werde im Hafen von den Schiffen „Hol Blank“ oder „Hol Deep“ aufgewirbelt und mit der Strömung fortgetrieben.

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