Ausstellung: Fotos des Dissidenten Ivan Kyncl

Bilder der Verfolgung

Gefängnis in Opava im Jahr 1980.
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Gefängnis in Opava im Jahr 1980.

Von Thomas Kuzaj. „Rebellion mit der Kamera“ – was sich heute so leicht und flott dahinsagt, konnte in Zeiten des real existierenden Sozialismus ein Akt des Widerstands sein. Der Prager Fotograf Ivan Kyncl (1953 bis 2004) hat die Kamera zum Instrument des Widerstands gemacht, und es gelang ihm obendrein noch, internationale Aufmerksamkeit zu erregen. All das in einer Zeit, als es so etwas wie die allgegenwärtige Smartphone-Knipserei nicht gab, und so etwas wie Verbreitungsmöglichkeiten über soziale Netzwerke auch nicht.

Die Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen widmet Kyncl nun eine Ausstellung, die vom 11. Juli bis zum 17. August in der Unteren Rathaushalle zu sehen sein wird. Zu Eröffnung am Donnerstag, 10.Juli, kommt der tschechische Botschafter Rudolf Jindrak (19Uhr). Schirmherr der Schau, die täglich von 11Uhr bis 18Uhr öffnet, ist Bürgermeister a.D. Hans Koschnick (SPD).

Die Ausstellung präsentiert das Werk Kyncls „erstmals einer breiten Öffentlichkeit“, so Dr. Ulrike Huhn von der Forschungsstelle Osteuropa. „Sie würdigt den Ideenreichtum und den Mut, mit dem dieser widerständige Fotograf gegen die verordnete Ansicht der ‚schönen neuen Welt‘ des Sozialismus rebellierte. Die Fotografien stammen aus dem fotografischen Nachlass Ivan Kyncls, der im Archiv der Forschungsstelle Osteuropa aufbewahrt wird.“ Anfang Juli erscheint ein dreisprachiger Begleitkatalog.

Der Dissident Ivan Kyncl gehörte zu den Unterzeichnern der „Charta 77“. Mit der Kamera dokumentierte er die Verfolgung der tschechischen Dissidenten und die Überwachung durch den repressiven Staatsapparat. Zudem zeigte er, wie die Ausstellungsorganisatoren es formulieren, „den Alltag sozialer Randgruppen“ in den Jahren nach der Niederschlagung des Prager Frühlings von 1968.

Fotografien sind wirkungsvoll, sie tragen einen Wahrheitsanspruch in sich. Bildbearbeitung, Bildmanipulation – in der digitalen Welt der Gegenwart weit verbreitet. In Zeiten des real existierenden Sozialismus war die Herrschaft über die Bildproduktion ein Machtinstrument – verbunden mit dem Versuch, festzulegen, was als „wahr“ gelten sollte.

Kyncl, Bildchronist der tschechischen Bürgerrechtsbewegung, schaffte es, der Überwachung und Zensur etwas entgegenzusetzen. Wirkung hatten seine Fotografien nicht allein in Dissidentenkreisen, in der kritischen „Parallelkultur“ der Opposition. Wirkung hatten sie auch weit darüber hinaus, weil Kyncl es schaffte, seine Fotografien im Westen zu publizieren – in der „Sunday Times“ zum Beispiel und im „Stern“. 1980 ging Kyncl ins Exil nach London, wo er ein gefeierter Theaterfotograf wurde.

Zu der Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm. So spricht die Kuratorin Dr. Heidrun Hamersky bereits am Sonnabend, 5.Juli, im Haus der Wissenschaft (Sandstraße) über Kyncls „Rebellion mit der Kamera“ (11 Uhr). Eine Kuratorenführung mit Hamersky beginnt am Montag, 14. Juli, um 17.30 Uhr in der Unteren Rathaushalle. Am Montag, 21. Juli, folgt ein Rundgang mit Professor Wolfgang Schlott (17.30 Uhr). Es werden studentische Führungen für Schulklassen und Jugendgruppen angeboten. Rundgänge für Einzelpersonen und freie Gruppen gibt es täglich um 15 Uhr. Treffpunkt: am Tresen in der Ausstellung.

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