„Bremen zur See“: Laeisz bereedert fünf Forschungsschiffe

Außenseiter erhält den Zuschlag

Rund 40 Mann Besatzung befinden sich an Bord des Forschungsschiffs „Polarstern“. Dazu kommen auf jeder Polarreise zusätzlich 50 Wissenschaftler. Das Management des Schiffs hat die Bremerhavener Dependence der Laeisz-Reederei übernommen. - Foto: AWI

Bremerhaven - Von Ulf Kaack. Der Name Laeisz hat Gewicht in der Seefahrt. Seit 1824 zeigen die Schiffe der Hamburger Reederei Flagge auf allen Weltmeeren. Seit 1996 unterhält der Global Player in der Seestadt eine Tochtergesellschaft, die aktuell fünf Forschungsschiffe bereedert. Das ist heute das Thema unserer Reihe „Bremen zur See“.

Weltberühmt wurden die Flying P-Liner der Laeisz-Reederei – große und schnelle Frachtsegler wie die „Padua“, „Pamir“ oder „Passat“ – mit ihren sagenumwobenen Kap- Hoorn-Umrundungen in der Salpeterfahrt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs existierte die Flotte des Unternehmens nicht mehr.

Zu Beginn der 50er Jahre etablierte sich Laeisz in der Fahrt mit Kühlcontainerschiffen, ab 1972 im Containergeschäft. 1993 wurden die Schiffe der Deutschen Seereederei der DDR mit Ausnahme der Kreuzfahrtschiffe in dem Hamburger Unternehmen zusammengeführt. Heute betreibt die Reederei Containerschiffe, Massengut-, Gas- und Car-Carrier.

Die Bundesrepublik Deutschland ließ für das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) 1996 die Bereederung des Forschungsschiffs „Polarstern“ neu ausschreiben. Laeisz beteiligte sich als Außenseiter an dem Verfahren und erhielt unerwartet den Zuschlag. Seitdem erfolgen die nautisch-technische Betreuung des Forschungsschiffs sowie die Koordinierung der Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand von Laeisz in Bremerhaven aus.

Das Konsortium „Polarforschungsschiff“ realisierte von 1980 bis 1982 den Bau der „Polarstern“ bei der Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel und der Nobiskrug-Werft in Rendsburg. Die Baukosten des seinerzeit weltweit modernsten Forschungsschiffs betrugen umgerechnet rund 96 Millionen Euro.

Die 118 Meter lange und 4.800 PS starke „Polarstern“ ist als Eisbrecher mit der deutschen Eisklasse ARC  3 konstruiert.

Neben nahezu permanenten Forschungsreisen mit renommierten internationalen Wissenschaftlern dienst sie als Versorgungseinheit des AWI für die ganzjährig besetzten Forschungseinrichtungen Koldewey-Station in der Arktis und Neumayer-Station III in der Antarktis. Knapp 60.000 Euro kostet die Reederei das Schiffsmanagement täglich.

Auch das 2013 gebaute Forschungsschiff „Mya II“ fährt unter der Laeisz-Flagge. Von Sylt aus übernimmt es wissenschaftliche Aufgaben im Wattenmeer. Ebenso werden die Einheiten der Biologischen Anstalt Helgoland des AWI bereedert: der mit einem Trocken- und einem Nasslabor ausgerüstete Forschungskutter „Uthörn“ sowie das Holzmotorboot „Aade“, das rund um Helgoland unterwegs ist und täglich Proben für Langzeituntersuchung nimmt. Die Forschungstaucher des Instituts stechen hingegen mit dem neun Meter langen Alu-Motorboot „Diker“ in See.

Unsere Serie

Eng verbunden ist die Hansestadt Bremen seit Jahrhunderten mit der Schifffahrt. In unserer Reihe „Bremen zur See“ berichten wir über das maritime Erbe der Hansestadt, über Schiffe, Werften und Reedereien von der Wese.

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