Experte: Es war definitiv Brandstiftung

Harms-Prozess: 183 Aufnahmen im Fokus

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An Tag drei im Prozess gegen den früheren Inhaber von „Harms am Wall“, Hans Eulenbruch (links), und den zweiten Angeklagten Thomas M. (rechts) begann gestern die Beweisaufnahme. Zudem im Bild: Eulenbruchs Verteidiger Erich Joester (2.v.l.) und der Anwalt von M., Wilfried Behrendt. 

Bremen - Von Steffen Koller. Mit den Aussagen zweier Brandexperten und dem Abspielen mehrerer Videosequenzen aus Überwachungskameras hat gestern am Landgericht die Beweisaufnahme im Prozess gegen den früheren Geschäftsführer des Modehauses „Harms am Wall“, Hans Eulenbruch (64), und den zweiten Angeklagten Thomas M. (53) begonnen. Beiden wird besonders schwere Brandstiftung und Versicherungsbetrug vorgeworfen.

183 Fotoaufnahmen werden nach und nach auf eine Videoleinwand geworfen. Auf diesen ist die immense Zerstörung zu erkennen, die das Feuer am 6. Mai 2015 im Bremer Modehaus Harms angerichtet hat. Verkohlte Kleider hängen von Kleiderbügeln herab, Regalreste ragen aus Schutthaufen hervor, der Putz ist an vielen Stellen von den Wänden geplatzt. Hans Eulenbruch scheint der Anblick zuzusetzen. Er wischt sich Tränen aus den Augen, schüttelt immer wieder mit dem Kopf. Thomas M. starrt hingegen stoisch geradeaus, keine Regung vom 53-Jährigen.

Und die Fotos zeigen nach Aussagen eines Brandsachverständigen und eines Brandermittlers noch eines: Es war definitiv Brandstiftung. An mindestens acht Stellen in mehreren Etagen wurde mittels Grillkohleanzünder Feuer gelegt, sind sich die Gutachter sicher. Für Brandstiftung typische trichterförmige Verfärbungen an den Wänden würden darauf hindeuten. Zudem hätten sowohl spezielle Messgeräte wie auch ein Spürhund Reste eines Brandbeschleunigers entdeckt. An weiteren Stellen sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ebenfalls „nachgeholfen“ wurde.

Das Feuer sollen der Inhaber des Geschäftes, Hans Eulenbruch, und sein langjähriger Bekannter Thomas M. gelegt haben, heißt es in der Anklageschrift. Anklagevertreter Jan Möhle ist davon überzeugt, dass die Männer einen Raubüberfall vorgetäuscht und die Räume in Brand gesetzt haben, um die Versicherungssumme für Kleidung und Inventar zu kassieren. Besitzer der zerstörten Immobilie ist Eulenbruch nicht, er war lediglich Mieter im Gebäude.

Ein Hauptindiz, auf das sich sowohl Polizei als auch Staatsanwalt bei ihren Ermittlungen stützen, sind Videoaufnahmen der beiden Angeklagten, die etwa drei Wochen vor dem Feuer entstanden sind. Die Aufnahmen sollen die beiden bei der „Tatortbegehung“ zeigen, so die Anklage. Tatsächlich ist auf den Aufnahmen bislang nichts anderes zu erkennen, als dass sich die Männer in einem Seiteneingang des Hauses unterhalten. Nach Aussage von Eulenbruch habe man über eine defekte Tür gesprochen, durch die einige Monate zuvor ein bislang unbekannter Mann in das Geschäft eingedrungen war und Wertgegenstände von Mitarbeitern gestohlen haben soll.

Auf anderen Sequenzen sieht man, wie Thomas M. nach Ladenschluss Hemden und Hosen anprobiert, Eulenbruch ihn anscheinend bei der Auswahl der Sachen berät. Von Hinweisen, die auf eine Tatvorbereitung schließen lassen, ist bisher nichts feststellbar.

Für Eulenbruch würde, wäre er der Täter, das alles auch keinen Sinn ergeben, sagt er. „Würde ich die Türen vorher reparieren, wenn ich mein eigenes Geschäft überfallen wollte?“ fragt er rhetorisch. „Würde ich mich bei der Vorbereitung von meinen eigenen Kameras filmen lassen?“ Und auch Richterin Schneider muss gestern zugeben: „Da sieht man an keiner Stelle etwas davon, dass jemand was verstecken will.“

Da alle Aufnahmen ohne Ton sind, soll am Freitag, 19. August, eine Lippenleserin dem Gericht ihre Ergebnisse der Videoanalyse präsentieren. Außerdem wurde von der Kammer ein Ganganalyst angefordert, der die Bewegungsabläufe der Angeklagten mit denen der maskierten Täter vergleichen soll.

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