Der Aufbruch in die Zukunft 

Bremische Bürgerschaft erinnert an die erste Parlamentssitzung vor 70 Jahren

Mit einer Sondersitzung blickte die Bremische Bürgerschaft am Sonntag auf ihre erste Nachkriegssitzung vor 70 Jahren zurück. Bürgerschaftspräsident Christan Weber rief dazu auf, „die Erinnerung an die Geschichte wachzuhalten“. - Foto: dpa

Bremen - Mit einem ökumenischen Gottesdienst und einer Sondersitzung hat die Bremische Bürgerschaft am Sonntag an ihre erste Nachkriegssitzung nach freien Wahlen vor 70 Jahren erinnert. „Der 30. Oktober 1946 markiert den Wiederbeginn repräsentativer Demokratie und bremischer Selbstverantwortung nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reichs und der Befreiung vom Faschismus“, heißt es in einer gemeinsamen Resolution von SPD, CDU, Grünen, Linken und FDP.

In der alten Ratskirche Unser Lieben Frauen blickte der katholische Propst Martin Schomaker auf den Tag zurück, an dem die Bürgerschaft nach ihrer erzwungenen Selbstauflösung im Jahr 1933 zum ersten Mal als frei gewähltes Landesparlament zusammengetreten war. „Nach den Schrecken der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, nach Krieg und Vertreibung, nach Orientierungslosigkeit in manchen Teilen der Gesellschaft und gleichzeitig der Sehnsucht nach einen friedlichen Zukunft war Neues angebrochen“, sagte er. Der leitende Theologe der Bremischen Evangelischen Kirche, Renke Brahms, mahnte im Rückblick auf die NS-Geschichte zur Wachsamkeit „gegenüber jeder Entwicklung, die in Diskriminierung und Ausgrenzung endet, die Gerechtigkeit hindert und Frieden gefährdet“. Die Frage nach Gerechtigkeit sei Dreh- und Angelpunkt eines gelingenden gesellschaftlichen Zusammenlebens, sagte Brahms. Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD) betonte, es sei wichtig, die „Erinnerung an die Geschichte wachzuhalten“.

Die Parlamentarier bekannte sich laut eingangs bereits erwähnter Resolution dazu, für die Grundrechte, für Frieden, Freiheit, Respekt und Toleranz einzutreten und sich gegen jede Form von Extremismus zu werden: „Wir sind davon überzeugt, dass Menschen unterschiedlicher religiöser und weltanschaulicher Bekenntnisse, verschiedener Herkunft und Kulturen sowie gegensätzlicher politischer Ansichten in Frieden und Respekt zusammenleben können“, heißt es. „Unser politisches Handeln richtet sich auf ein Leben in sozialer Gerechtigkeit, wirtschaftlicher und ökologischer Verantwortung und mit Grundrechten auf Würde, Bildung, Meinungsfreiheit, Gleichheit, Sicherheit und körperlicher Unversehrtheit.“

Nach den ersten freien Wahlen nach dem Zweiten Weltkrieg konstituierte sich am 30. Oktober 1946 die erste frei gewählte Bürgerschaft mit 80 Delegierten aus der Stadt Bremen. Die Sitzung fand im Festsaal des Rathauses statt, das ehemalige Parlamentsgebäude „Die Börse“, war zerstört. Bürgermeister Wilhelm Kaisen (SPD) leitete die Sitzung, auf der schließlich mit August Hagedorn ein anderer Sozialdemokrat zum Bürgerschaftspräsidenten gewählt wurde. Die SPD hatte bei den Wahlen 51 der 80 Mandate gewonnen. Jeweils zwölf Abgeordnete gehörten der CDU und der Demokratischen Volkspartei (später: FDP) an. Drei Sitze gewann die Kommunistische Partei (KPD), zwei gingen an unabhängige Kandidaten. 20 Abgeordnete aus Bremerhaven kamen dann am 13.  Februar 1947 in die Bremische Bürgerschaft – wenige Tage nach der offiziellen Vereinigung mit der Stadt Bremen zum Land Bremen.

An der ersten freien Wahl nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligten sich übrigens mehr als 80 Prozent der Bremer. Bei der Wahl 2015 waren es nur noch gut 50 Prozent. Parlamentspräsident Weber sieht darin eine äußerst problematische Entwicklung. 

dpa/epd/je

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