Kunsthalle hält Bienenvölker

Arbeiterinnen auf dem Dach

So sah es Ende Juni aus, als die Bienenvölker auf das Dach der Kunsthalle kamen. Inzwischen haben sie sich dort, wenn man das so sagen darf, gut eingelebt. - Foto: Röker/Kunsthalle Bremen

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Kunsthonig? Nein, echter Honig wird es sein. Mit Kunst hat er dennoch zu tun. „Kunsthallenhonig“ will die Bremer Kunsthalle nämlich ab Herbst in ihrem Museumsshop anbieten. Honig, der aus Bienenstöcken auf dem Dach des Hauses stammt.

So verbindet sich die süße Kunst des Imkers ganz en passant mit der Kunst an sich. Die Verbindung von Kunst und Honig hat eine lange Tradition. Professor Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle, spannte gestern einen Bogen von der mittelalterlichen Symbolik bis zur Kunst von Joseph Beuys. Bienen zierten auch einmal das Bremer Wappen, erwähnte Grunenberg noch.

Das war in der „Franzosenzeit“ zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als Bremen für einige Jahre zu Napoleons Reich gehörte. Napoleon hatte die Biene ja zu seinem Wappentier gemacht. Später verschwanden Napoleons goldene Bienen aber wieder aus dem Bremer Wappen.

Zurück in die Gegenwart. Bienen verlieren Lebensräume, gerade auf dem Land – Monokulturen und Pflanzenschutzmittel zählen zu den Ursachen. Immer öfter werden Völker deshalb auch in der Stadt angesiedelt, in Bremen zum Beispiel auf Hoteldächern. Bienen sind bedroht, und so möchte auch die Kunsthalle dieser Insektenart einen geschützten Lebensraum bieten.

Der Imker und Künstler Dieter Schmal (l.) und Kunsthallen-Direktor Christoph Grunenberg. - Foto: Kuzaj

Auf dem Dach eben, wo üblicherweise kein Besucher hinkommt. Der Imker und Künstler Dieter Schmal, 1991 Gründer des Design-Labors Bremerhaven, war vor zwei Jahren aber „zufällig“ dort gelandet, wie er sagt. Und er habe gleich gedacht: „Das ist ein toller Platz für Bienenstöcke.“ Seine Liebe zu den Bienen hatte er übrigens aufgrund des Hörbuchs „Der Bien“ von Professor Jürgen Tautz entdeckt, dass seine Frau vor einigen Jahren – ausgerechnet – im Shop der Kunsthalle für ihn gekauft hatte.

Auf dem Dach der Bremer Kunsthalle richtete Schmal nun zwei Bienenstöcke ein – mit je einem Volk von 35.000 bis 40.000 Carnica-Bienen und Drohnen. Die haben nun einen wahrlich zentralen Wohnsitz, können sich in den Wallanlagen austoben, Pollen und Nektar sammeln und auch die Neustadt auf der anderen Weserseite gut erreichen. „Sie haben einen Radius von fast zwei Kilometern“, sagt Schmal.

Ein Volk produziert 25 bis 30 Kilogramm Honig pro Jahr. „Mit ihren vielen Grünflächen und Blühpflanzen bietet die Stadt Bremen nicht nur Menschen einen attraktiven Lebens- und Wohnraum, sondern auch ist eine überaus bienenfreundliche Umgebung“, heißt es blumig-euphorisiert in der Kunsthalle.

Eine Kamera überträgt derweil das emsige Summen und Brummen vom Dach ins Innere des Museums. Um den Besuchern schon mal Appetit zu machen auf den Honig, den es da bald gibt. Und Appetit auf Kunst natürlich ohnehin.

Die Beschäftigung mit den Bienen reiche in Europa bis in die vorchristliche Zeit zurück, hieß es gestern bei der offiziellen Präsentation der Bienenstöcke auf dem Dach der Kunsthalle. Der römische Naturforscher Plinius der Ältere (23/24 bis 79 nach Christi Geburt) habe als erster zoologische Beobachtungen von Bienen gemacht. Beobachtungen, wie sie sich nun ja auch auf und in der Kunsthalle machen lassen.

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