„Mein Kunst-Stück“ mit Kerem Liske

Angeknackste Idylle

In Kerem Liskes Morgenidyll „stimmt etwas nicht“: Sein Bild „Blaue Pferde“ präsentiert eine angeknackste Idylle mit einem störenden und gefährlichen Licht. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Blaue Pferde“ heißt Kerem Liskes Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. In gleißendem Zwielicht zeigt es eine Wiesenlandschaft zu früher Stunde. In zartem Nebel erscheinen die Pferde blau.

Mit Öl und Acryl malte Kerem Liske 2015 sein großformatiges Bild „Blaue Pferde“. Das Motiv stammt aus dem Bremer Umland. Dennoch ist es nicht einfach ein vertrautes Landschaftsbild. Die Lichtquelle zeigt ein reines astrales Weiß. „Es ist eine angeknackste Idylle“, sagt Liske. Das Licht habe einen störenden, gefährlichen Charakter. 

Die Unnatürlichkeit des von ihm verwendeten Weiß sei technisch betrachtet einfach nur eine Spektralverschiebung, sagt der Maler. Es löse aber Assoziationen zu einer gewaltigen Energie, einer Urkraft aus. Schönes Licht könne also umschwenken und kalt und bedrohlich werden. Die Erwartungshaltung des Betrachters einer gefälligen Landschaft wird durch das sphärische Element irritiert.

Liske hat eine Reihe von landschaftlichen Motiven, die in der erwarteten Farbgebung trotz mächtiger Himmel vielleicht einfach „schön“ wären. Durch Abweichungen vom Realen aber arbeitet er eine Dimension der unbelebten Natur hervor, die von ungeheurer Größe und Kraft ist.

Liske will mit dem Unheimlichen auch darauf hinweisen, dass kleine Abweichungen, beispielsweise des Klimas, die wärmende Sonne zu etwas Gewaltigem und Zerstörerischem machen können. Einige Arbeiten zeigen astronomische Motive in Form gigantischer Energiequellen oder Phänomene aus dem Bereich der Elektrizität. 

In Liskes Werk gibt es aber auch Motive, die verträumt oder verzaubert wirken. Farbe und Technik sorgen aber immer wieder für Effekte, die den Blick fesseln. Liske will nicht gefallen, sondern etwas sagen. Die Aufgabe, die er sich stellt, ist ein Thema so aufzubereiten, dass andere es mit ihren Sinnen erkennen.

Wie der Bremer auf die Kunst gekommen ist? Er lacht: „Künstler wird man nicht, Künstler ist man. Ich habe ein künstlerisches Bedürfnis nach Aussage und vielleicht habe ich auch etwas von meinen Eltern geerbt.“ Einen Künstleralltag erlebt Liske selten, denn er arbeitet Vollzeit und ist Vater. Wenn er Zeit zum Malen hat, dann malt er. 

Als Morgenmensch am liebsten früher als später. Die große Herausforderung ist es für ihn, einen Weg zu finden, wie er einen Gedanken künstlerisch umsetzen kann, ohne dabei über den Verstand des Betrachters wirken. „Das Bild ruft etwas in den Betrachter hinein, es erzeugt Schwingungen auf der emotionalen Ebene“, sagt Liske. Der Künstler sei wie ein Musiker, der ein Instrument spiele und dessen Saiten zum Schwingen bringe.

Wozu wir Kunst brauchen? So wie der einzelne Betrachter in Schwingung versetzt werde, so wirke die Kunst auch allgemein anregend auf die Menschen, sagt Liske. Zu den Künstlern, die für ihn besonders bedeutend sind, zählen der britische Zeitgenosse David Hockney und der spanische Maler Salvador Dalí (1904 bis 1989). Bei Hockney fasziniert Liske dessen Weltklasse, gepaart mit einer klaren, manchmal naiv anmutenden Malweise. 

Trotz der bewusst eingesetzten bescheidenen Technik, die dem einen oder anderen „einfach“ erscheine, hauten Hockneys Bilder „einen richtig um“, sagt der Bremer. Dalí fand Liske als Kind ganz toll. Später fand er ihn abgegriffen und nun kommt Liske wieder auf den Spanier zurück. Denn während Dalís Zeitgenossen, als sie zu abstrahieren anfingen, immer grober in der Darstellung geworden seien, blieb Dalí dabei präzise. „Er abstrahierte nicht das Dingliche, sondern das Psychologische“, sagt Liske.

Wenn Liske jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann würde er „Spinnplasma“ allen Smartphone- Nutzern stiften. Das soll sie daran erinnern, dass sie gerade durch ihre starke Vernetzung die von ihnen gewünschte Individualität verlieren.

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